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Der Angriff auf den Iran und die Sperrung der Straße von Hormus haben ein Börsenbeben ausgelöst. Doch einige Märkte scheinen besser gegen Krisen gefeit zu sein als andere. Warum ist das so?
An den Finanzmärkten spielt man sich gegenseitig die Bälle zu: Asien schaut auf die Wall Street und richtet sich danach aus. Europa schaut nach Asien, nimmt die Grundstimmung zur Kenntnis und richtet sich dann an der Wall Street aus. New York ist die Taktgeberin unter den Börsen – außer an Feiertagen oder in Krisenzeiten.
Der Angriff der USA und Israels auf Iran und die Antwort des Mullah-Staats in Form der Blockade der Straße von Hormus haben die Märkte kräftig durcheinander gewirbelt. Allerdings reagierten die Märkte ganz unterschiedlich. In Tokio brach der Nikkei seit dem Wochenende um mehr als sechs Prozent ein, während der Deutsche Aktienindex (DAX) etwa vier Prozent einbüßte. Dagegen verlor der Dow Jones in New York seit Wochenbeginn “nur” 1,7 Prozent.
Öl-Versorgung als entscheidender Faktor
Dabei geht es – wie immer in der Region – um das Öl. “Japan ist kurzfristig am anfälligsten, da es stark von Importen fossiler Energie aus der Region abhängt”, sagt Vincenzo Alfano, Fondsmanager bei der Gesellschaft Union Investment. Die Angst vor Versorgungsengpässen belaste vor allem die Exportwirtschaft. Diese Sorge scheint auch eine Erklärung dafür zu sein, warum sich die Märkte in den USA als krisenfester gezeigt haben, als beispielsweise Japan. Fehlt es in den USA an Öl, wird einfach mehr gefördert, erklärt Vincenzo Alfano: “Die USA sind quasi Selstversorger, da sie mehr Öl exportieren, als importieren.”
Öl ist und bleibt das Schmiermittel der Wirtschaft. Wird es knapp, kostet das Wachstum. Auch Preissprünge bremsen die Wirtschaft aus, weil die Unternehmen dann tiefer in die Tasche greifen müssen. Doch in diesem Bereich haben sich die USA inzwischen ein dickeres Fell zugelegt, weiß Chris-Oliver Schickentanz von der Vermögensverwaltung Capitell. “Ein um zehn Dollar teurerer Ölpreis belastet das Wachstum in den USA mit 0,1 Prozentpunkten”, so Schickentanz. “In Japan liegt der Wachstumsverlust bei bis zu 0,5 Prozentpunkten.”
Industriestaaten trifft es härter
Die US-Wirtschaft baut stark auf Dienstleistungen und Technologie. Der Öldurst ist also geringer als in den großen Industriestaaten, wie eben Japan, aber auch dem Westen Europas. Hier liege der Vorteil, dass Europa eben nicht so stark von Lieferungen aus dem Nahen Osten abhängig sei, wie beispielsweise Japan, so der Experte. Das Angebot kann also aufrecht erhalten, doch die Preise sind trotzdem gestiegen.
Es ist aber nicht nur das Öl auf das die Märkte mit Blick auf Iran schauen, sondern vielmehr auch die Suche nach den so genannten “sicheren Häfen”. In Krisenzeiten ziehen Anlegerinnen und Anleger ihr Geld aus riskanten Engagements zurück und bringen es in Sicherheit, kaufen Anleihen mit festem Zins, aber inzwischen eben auch Aktien in den USA. “Die US-Börsen gelten in unsicheren Zeiten als sichere Häfen”, so Fondsmanager Alfano. “Das liegt daran, dass Aktien großer US-Konzerne weltweit als stabile Geldanlage gesehen werden.”
“Gewinne auch mal mitnehmen”
Und dann ist da noch ein weiterer, eher schnöder Grund, weshalb US-Aktien sich in der Krise besser gehalten haben als asiatische oder auch europäische. Kapitalmarktstratege Schickentanz weist darauf hin, dass die Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump die Börsen in den USA nicht unbedingt in die Favoritenrolle gedrängt haben. “Asiens Börsen sind seit Jahresanfang besser gelaufen als die USA”, so Schickentanz. “Da ist es besser, Gewinne einzustreichen, als anderswo Verluste zu realisieren.”
Ähnliches gilt auch für das Gold. Das ist in den vergangenen Monaten unterm Strich so gut gelaufen, dass das Edelmetall in seiner Rolle als sicherer Hafen als ausgereizt gilt.

