Kampfjet-Projekt FCAS: Dassault-Chef teilt gegen Airbus aus

Kampfjet-Projekt FCAS: Dassault-Chef teilt gegen Airbus aus

Ein Modell des Future Combat Air System (FCAS)

Stand: 04.03.2026 • 17:46 Uhr

Das deutsch-französisch-spanische Kampfjet-Projekt FCAS steht vor dem Aus. Zwischen den Projektpartnern Airbus und Dassault gibt es seit Monaten Streit. Jetzt legt Dassault-Chef Trappier nach.

Cai Rienäcker

Direkt vor dem Firmensitz von Dassault Aviation im noblen Pariser Vorort Saint Cloud liegen viele Hausboote am Seine-Ufer. In einem extra für diese Zwecke chic eingerichteten Konferenz-Kahn hält Dassault-Chef Eric Trappier traditionell seine Bilanz-Pressekonferenzen ab.

Seit 13 Jahren steht der selbstbewusste französische Manager an der Spitze des Flugzeugbauers und Rüstungskonzerns Dassault. Trappier ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Auch nicht, als er auf Nachfrage des ARD-Studios Paris sagen soll, welche Überlebenschancen das Kampfjet-Projekt FCAS noch hat:

Wenn Airbus bei seiner Position bleibt, nicht mit Dassault zusammenarbeiten zu wollen, dann ist das Thema tot.

Eric Trappier, CEO Dassault

Mit ihm zusammenzuarbeiten heißt aus Sicht von Trappier: zu akzeptieren, dass er Chef im Ring ist bei der gemeinsamen Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation, dem Future Combat Air System, kurz FCAS. Schließlich habe er es von Anfang an gesagt: “Ich will eine klare Führung, nicht nur auf dem Papier.”

Auf der Bilanzpressekonferenz von Dassault nimmt Konzernchef Trappier (am Tisch sitzend rechts im Bild) kein Blatt vor den Mund.

Erfolgreiche Tradition französischer Kampfjets

Für Trappier sieht Zusammenarbeit so aus: Einer ist in der Regel besser als der andere. Der andere kann dann durch die Partnerschaft lernen. In diesem Fall habe Dassault das Knowhow für Kampfflugzeuge, Airbus nicht. Deswegen könne Airbus hier auch nicht den Anspruch auf “Co-Leadership” stellen. Das entspreche einer jahrzehntelangen Arbeitsteilung zwischen den Industriepartnern: Dassault baue vor allem Kampfjets, Airbus Zivilflugzeuge.

Für Trappier hat Airbus keine Kernkompetenz beim Bau von Kampfflugzeugen. Ganz im Gegensatz zu Dassault: Bei der Vorstellung der Bilanzzahlen blickt Trappier noch einmal zurück auf die nach seiner Einschätzung sehr erfolgreiche Tradition von Militärjets in Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg, vom Modell “Ouragan” über die “Mirage” bis zu den “Rafales” heute. Gerade hat Indien angekündigt, 114 Rafale-Kampfjets zu bestellen. Es wäre der größte Auftrag in der Geschichte von Dassault Aviation.

Umso weniger versteht Trappier, dass Airbus nun aus dem gemeinsamen deutsch-französisch-spanischen Kampfjetprojekt FCAS aussteigen will. Immer wieder sagte er, dass er zur Kenntnis nehme, dass Airbus nicht mehr mit Dassault arbeiten wolle. Aber statt es laut und deutlich zu sagen, lasse das Airbus-Management die IG Metall oder den Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) sprechen. Trappier: “Ich finde es nicht sehr geschickt, so mit dem Finger zu zeigen auf ein traditionsreiches Unternehmen wie Dassault.”

Machtkampf zwischen zwei französischen Managern?

Offenbar spielen die handelnden Personen auf Industrieebene eine entscheidenden Rolle. Mit dem für FCAS zuständigen Airbus-Defence-Chef Michael Schöllhorn habe er überhaupt keine Probleme. Aber mit Airbus-Gesamt-CEO Guillaume Faury gebe es Spannungen und Streit, so Trappier zu einigen anwesenden Journalisten nach Ende der Bilanz-Pressekonferenz. Ist das Problem am Ende das von zwei französischen Managern, die nicht miteinander können?

Auf jeden Fall sieht es so aus, als wenn inzwischen auch auf oberster politischer Ebene der Bruch vollzogen ist. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte das 100-Milliarden-Projekt vor Kurzem selbst erstmals offen in Frage gestellt. Begründung: Die Anforderungen an einen Kampfjet der neuen Generation seien zu verschieden zwischen Deutschland und Frankreich. Der französische Präsident Emmanuel Macron hält offiziell weiter fest an FCAS.

Dassault-Chef sieht sich in der Rolle des “bad guy”

Dassault-Chef Trappier ist sich auf jeden Fall keiner Schuld bewusst. Er sagt, er steht zu den Verabredungen, die 2017 und 2018 noch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Macron getroffen wurden: “Ich bin immer noch da. Ich bin immer der Bad Guy. Und bei Airbus wechseln die Personen, gibt es Entwicklungen.” Im Gespräch mit dem ARD-Studio Paris ist Trappier eine Botschaft ganz wichtig: “Für mich war es überhaupt kein Problem, mit Deutschland zusammenzuarbeiten.” Im Gegenteil: Europa müsse Flagge zeigen gegenüber den USA und China.

Es fällt auf, dass Eric Trappier schon mal in der Vergangenheit über den gemeinsamen Kampfjet spricht. Der Dassault-Chef sagt jedem, der es hören will, dass er auch in der Lage dazu sei, ein eigenes französisches Kampfflugzeug der nächsten Generation zu bauen. Die Frage, ob der hoch verschuldete französische Staat genug Geld habe, so ein Projekt alleine zu stemmen, könne er nicht beantworten.

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