Wie der Iran-Krieg Trumps MAGA-Lager spaltet

Wie der Iran-Krieg Trumps MAGA-Lager spaltet

Tucker Carlson

Stand: 04.03.2026 • 15:49 Uhr

Der Krieg gegen Iran ist unter Trumps Anhängern höchst umstritten. Christliche Nationalisten ringen mit christlichen Zionisten um die Deutung. Auch Rechtsextremisten streiten mit – und Ex-TV-Moderator Tucker Carlson.

Arnd Henze

“Lasst uns Gott danken für den fantastischen Sieg über die Feinde Israels!” Als John Hagee am Sonntag vor die Gläubigen seiner Mega-Church im texanischen San Antonio trat, war der Krieg gegen den Iran noch keine 36 Stunden alt. Aber der 85-jährige Pfarrer und seine Gemeinde waren bereits in Jubelstimmung: “Lasst uns danken für unseren Präsidenten Donald Trump, dessen weiser Mut die Feinde Zions zerschmettert hat!”

Trump hatte dem Angriff auf den Iran den Namen “Operation Epischer Zorn” gegeben. Auf der riesigen Leinwand hinter der Bühne wurde daraus das Versprechen eines biblischen Heilsplans: “God’s coming Operation Epic Fury!”

Hagee ist nicht irgendwer. Vor 20 Jahren gründete er die Lobbyorganisation “Christians United for Israel”, die nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Mitglieder in den USA hat. Das mag übertrieben sein. Aber die christlichen Zionisten bilden einen mächtigen Block im Lager weißer evangelikaler Christen und damit auch in der MAGA-Bewegung.

Dabei geht es ihnen gar nicht um Israel als sichere Heimat für Juden, sondern um das “Heilige Land”, in dem sie nach endzeitlichen Kriegen die Wiederkunft Christi erwarten. Hagee und seine Mitstreiter haben lange darauf gedrängt, dass die USA an der Seite Israels das “gottlose Regime” in Teheran beseitigen. Nun hoffen sie, dass ihre Stunde gekommen ist.

Ein Versprechen wird eingefordert

Gewählt wurde Trump allerdings mit dem Versprechen, Kriege zu beenden und keine neuen zu beginnen. Dafür bekam er die Unterstützung einer anderen Strömung im MAGA-Lager, die mit den christlichen Zionisten tief verfeindet ist: jene christlichen Nationalisten, die unter “America First” vor allem die Absage an jegliche Verantwortung für den Rest der Welt verstehen.

Dieser Isolationismus reicht zurück in die frühen 1940er-Jahre, als “America First” zur Parole des Protestes gegen einen Kriegseintritt der USA gegen Nazi-Deutschland wurde – eine Bewegung, die zutiefst antisemitisch geprägt war.

Prominentester Vertreter dieser Isolationisten ist der frühere Starmoderator von Fox News, Tucker Carlson. In seinem neuesten Podcast kommt er sofort zur Sache: “Das ist einzig und allein Israels Krieg.”

Er diene allein dem Großmachtstreben von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, der Trump mit Lügen und Manipulationen in dieses Abenteuer gezogen habe. Mit dem früheren Baptistenpfarrer Mike Huckabee amtiere ein christlicher Zionist als US-Botschafter in Jerusalem, der US-amerikanische Interessen verrate: “Du kannst nicht zwei Herren dienen”, schimpft Carlson in seinem Podcast.

In seinem Furor geht Carlson am Ende so weit, sogar über eine israelische Verantwortung für die Terroranschläge vom 11. September 2001 zu spekulieren.

Kritik vom rechtsextremen Rand

Im Unterschied zu den christlichen Zionisten ist das Lager der Isolationisten nicht straff organisiert. Wortführer sind vor allem gut vernetzte Influencer, die mit ihren Podcasts oft höhere Reichweiten erzielen als traditionelle Fernsehsender und Zeitungen. Dafür konkurrieren sie aber mit besonders aggressiven Tönen um Aufmerksamkeit und Abonnenten.

Die Grenze zu rechtsextremen Verschwörungsideologen wie dem Holocaustleugner Nicholas Fuentes ist fließend. Der bekam allein auf der Plattform X fast 70.000 Likes für sein Statement: “Trump hat MAGA und America First verraten. Er hat sein Regierungsmandat verloren.”

Erst vor einigen Monaten war Fuentes zu Gast in Carlsons Podcast. Am Dienstag durfte er in der Talkshow “Info Wars” von Alex Jones seine kruden Thesen verbreiten.

Kurz vorher durfte der Gründer der rechtsextremen Miliz Oath Keepers, Stewart Rhodes, darüber klagen, dass der Krieg gegen Iran vom Kampf gegen den “Deep State”, also den sogenannten tiefen Staat in den USA ablenke. Rhodes war im Januar 2021 einer der Anführer des Sturms auf das Kapitol und von Trump begnadigt worden.

Zum verbalen Showdown kam es nur wenige Tage vor Kriegsbeginn, als Carlson eigens für ein langes Interview mit Botschafter Huckabee nach Israel flog. Das Gespräch geriet zum Verhör.

Wie eine Trophäe präsentierte der Podcaster hinterher das Bekenntnis Huckabees, der biblische Anspruch Israels erstrecke sich auf ein Gebiet “vom Euphrat bis zum Nil”, also auf Gebiete von Irak und Syrien über Jordanien bis nach Ägypten.

Unüberwindbare Gegensätze

Die ideologischen Gegensätze zwischen den christlichen Zionisten und Isolationisten waren von Anfang an unüberbrückbar. Trump war es aber immer wieder gelungen, beide Lager unter dem Dach der MAGA-Bewegung zusammenzuhalten.

Der Militärschlag gegen das iranische Nuklearprogramm im Juni 2025 erschien wie ein kurzes Abweichen vom Kurs des Präsidenten, der damals noch auf den Friedensnobelpreis schielte.

Trump mag der sich abzeichnende Bruch im MAGA-Lager egal sein. Für seine potenziellen Nachfolger wie JD Vance wird der Richtungsstreit dagegen zur Falle.

Schon im Dezember war es auf einer Großveranstaltung von Turning Point USA, der vom ermordeten Charlie Kirk gegründeten Jugendorganisation, zum Streit auf offener Bühne gekommen. Der Vizepräsident versuchte, es beiden Seiten recht zu machen und lehnte eine Distanzierung von Extremisten wie Nick Fuentes ab: Die konservative Bewegung müsse “offen bleiben für alle, die Amerika lieben”.

“… der wird das ewige Leben finden”

An Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich neuerdings Kriegsminister nennt, läuft die Kritik noch weitgehend vorbei. Dabei trägt er, nach dem Präsidenten, die Verantwortung für den Krieg, der möglicherweise noch lange dauern wird.

Doch mit seinem Auftreten als “Christian warrior” scheint er beide Lager zu beeindrucken. Seine martialischen Tattoos mit Symbolen der Kreuzritter und einem Sturmgewehr auf US-Flagge zeigt er zwar nicht mehr so häufig wie in den ersten Monaten. Dafür lädt er inzwischen regelmäßig prominente Stimmen der christlichen Nationalisten zu Gottesdiensten ins Pentagon ein.

Starprediger Franklin Graham nutzte seine Weihnachtsansprache für eine ungewöhnliche Botschaft an die versammelten Offiziere und Spitzenbeamte: “Wir wissen, dass Gott liebt. Aber wusstet ihr, dass Gott auch hasst? Wusstet Ihr, dass er auch ein Gott des Krieges ist?”

Beim Nationalen Gebetsfrühstück durfte der Kriegsminister dann selbst eine Art Predigt halten. Sie gipfelte in einem Heilsversprechen an seine Truppen: “Ein Krieger, der sein Leben für seine Einheit, sein Land und seinen Schöpfer hingibt, wird das ewige Leben finden.”

Ein Teil von Gottes Plan?

Bei der Bürgerrechtsorganisation Military Religious Freedom Foundation gingen allein in den ersten 48 Stunden des Krieges mehr als hundert Beschwerden aus vierzig Militäreinheiten ein, in denen eine religiöse Überhöhung des Kriegs gegen den Iran beklagt wurde.

In einer E-Mail beschwerten sich gleich 15 Soldaten, darunter Christen, Juden und Muslime, ihr Kommandant habe sie angewiesen, “den Truppen zu erklären, dass dies alles ein Teil von Gottes Plan” sei.

Dabei habe der hohe Offizier immer wieder auf die endzeitliche Schlacht von Armaggedon und die baldige Wiederkehr Jesu Christi verwiesen.

Die militärische Auseinandersetzung wird etwas 10.000 Kilometer von Washington entfernt ausgetragen. Der Krieg um die Deutung spaltet schon jetzt Trumps treueste Anhänger.

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