In Iran gehen die Angriffe weiter, Einwohner Teherans berichten von Einschlägen und Zerstörung. Iran hat den Beschuss von US-Einrichtungen fortgesetzt, betroffen sind etwa die Botschaften in Saudi-Arabien und Kuwait.
Bergungsarbeiten in Teheran. Die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tasnim verbreitet Videos. Zu sehen sind Rettungskräfte, die Frauen aus meterhohen Gebäudetrümmern führen. Die Frauen sind barfuß, weinen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Videos nicht. Doch dass bei dem Raketenbeschuss durch Israel und die USA auch Wohnviertel in Mitleidenschaft gezogen werden, zeigen auch andere Aufnahmen.
Die Nachrichtenagentur AFP hat mit einem Anwohner gesprochen: “Ich schaute gerade Nachrichten, als plötzlich der Kronleuchter vor mir herunterfiel und dichter Rauch den ganzen Raum erfüllte. Anschließend gingen Türen, Fenster und viele meiner Sachen zu Bruch”, sagt er.
Angriffe auf Militäreinrichtungen und Polizeistationen
Israel und die USA haben bei ihren Angriffen nach eigenen Angaben militärische Einrichtungen im Blick. Auch Polizeistationen scheinen zunehmend Ziel der Angriffe zu sein. Doch die umliegenden Wohnviertel bleiben davon nicht verschont. Viele Menschen fragen sich: fliehen oder bleiben?
“Ehrlich gesagt, ich würde gern bleiben. Ich bleibe in Teheran”, sagt ein Anwohner unserem ARD-Team vor Ort. “Wohin sollte ich denn gehen? Ich denke, ich sollte in Teheran bleiben. Es ist besser, zu Hause zu sein.”
Die Menschen in Iran haben keine Schutzräume, keine unterirdischen Bunker. Sie sind den Angriffen schutzlos ausgeliefert. Der Rote Halbmond berichtet von mehr als 780 Toten. Die Menschenrechtsorganisation HRANA hat seit Kriegsbeginn bislang 225 Fälle von getöteten Zivilisten verifizieren können. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.
Kampfansagen und Gedenken
Unterdessen gedenken Anhänger des Regimes des getöteten Obersten Anführers, Ayatollah Chamenei. Videos zeigen Menschenmengen mit Fahnen in den Straßen Teherans. Im staatlichen Fernsehen nutzt Außenminister Abbas Aragdschi den Tod, um den Kampfwillen zu stärken: “Die Feinde dachten, dass wir durch sein Märtyrertum stürzen werden, aber wir erwachsen daraus nur stärker als je zuvor. Das Schiitentum wächst durch Blut, durch das Blut der Märtyrer. Und Schritt für Schritt schreitet es voran.”
Schritt für Schritt voranschreiten. Für den Iran heißt das auch, Länder in der Nachbarschaft ins Visier zu nehmen, wie Ali Nikzad sagt, der stellvertretende Sprecher des iranischen Parlaments: “Jeder Nachbarstaat, der mit den USA oder Israel bei einem Angriff auf Iran kooperiert, wird mit einer beispiellosen und vernichtenden Reaktion konfrontiert werden.”
Bislang sind es vor allem US-Einrichtungen in den Nachbarstaaten, die der Iran angreift: In der Nacht ist unter anderem die US-Botschaft in Saudi-Arabien von zwei Drohnen getroffen worden. Die USA haben ihre Staatsbürger in mehreren Ländern im Nahen Osten aufgerufen, die Orte zu verlassen.
