Eigentlich galt eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon – nun feuerte die pro-iranische Hisbollah Raketen auf Israel. Israel reagiert mit Gegenangriffen: Dutzende Menschen sterben, Tausende sind auf der Flucht.
Auf den Straßen von Beirut herrscht Chaos. Aus Panik vor weiteren Luftangriffen Israels flohen viele Menschen schon in der Nacht aus dem Süden der libanesischen Hauptstadt in das Zentrum der Stadt. An der Mittelmeer-Promenade suchen Familien Schutz. Eine Mutter sagt: “Wir sind durch die Straßen gefahren. Es war schrecklich, sein Zuhause verlassen zu müssen. Schließlich kamen wir ans Meer. Ich glaube, die anderen suchen jetzt eine Unterkunft für uns, während ich hier sitze und warte.”
Der Krieg ist zurück im Libanon. Dabei schien es zunächst so, dass die pro-iranische Hisbollah stillhält, als Israel am Wochenende den Iran angriff. Das Abfeuern einiger Raketen auf Israel begründete die Miliz jetzt mit der Tötung des obersten Führers Irans, Ajatollah Ali Chamenei, durch Israel.
Israels Reaktion vorhersehbar
Ein großer Fehler, meint der ägyptische Politikexperte Mohamed Abbas Nagi im arabischen Fernsehsender “Al Hadath”. “Die Hisbollah ist in den Krieg eingetreten, obwohl sie sich vollkommen darüber bewusst ist, dass ihre Raketenangriffe innerhalb Israels keine großen Schäden verursachen werden. Sie weiß auch, dass diese Angriffe eine gewaltsame israelische Reaktion auslösen werden.”
Und Israel reagiert massiv: Mit Luftangriffen auf den Süden des Landes. Dort forderte Israels Armee Bewohner von 50 Städten und Dörfern auf, ihre Häuser unverzüglich zu verlassen. Wer sich in der Nähe von Einrichtungen der Hisbollah aufhalte, gefährde sein Leben. Viele Menschen aus dem Süden fliehen jetzt in Richtung Norden.
Kritik an Hisbollah vom libanesischen Präsidenten
Auch im Süden Beiruts, wo viele Anhänger der Hisbollah leben, waren den ganzen Vormittag über Detonationen von den Luftangriffen Israels zu hören. Der libanesische Präsident Joseph Aoun kritisierte die Raketenangriffe der Hisbollah scharf. Die Attacken der Schiitenmiliz torpedierten alle Bemühungen des libanesischen Staates, das Land aus der gefährlichen militärischen Konfrontation in der Region herauszuhalten.
Für den libanesischen Journalisten Omar Harqous trägt Libanons Regierung Mitschuld an der jetzigen Eskalation. “Die libanesischen Behörden handeln unverantwortlich. Die einzig angemessene Haltung der wäre es, der libanesischen Armee den Befehl zu erteilen, unverzüglich alle verantwortlichen Funktionäre der Hisbollah festzunehmen und im Vorfeld jeglicher israelischer Operationen Angriffe gegen sie durchzuführen.”
Entwaffnung der Hisbollah bislang erfolglos
Die Hisbollah ist aber auch politisch mächtig im Libanon. Die libanesische Regierung hat immer wieder angekündigt, die Hisbollah entwaffnen zu wollen. Dies ist Teil des Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Hisbollah Ende 2024.
Doch die Hisbollah war bislang nicht bereit, die Waffen niederzulegen. Ihre Begründung: Sie müssen das Land vor israelischer Besetzung und Aggression schützen. Jetzt ist der Krieg zurück. In Beirut sind die Menschen verzweifelt. Sie sind müde vom Krieg und wollen Sicherheit.

