Die Bundeswehr will so viel Geld ausgeben wie noch nie – und das Land diskutiert über Verteidigung. Militärgerät kommt von Start-ups ebenso wie Großkonzernen. Auf der Messe Enforce Tac in Nürnberg ist vieles davon zu sehen.
Um die Ambitionen der Veranstalter zu verstehen, genügt vielleicht schon diese eine Zahl: Die diesjährige Messe Enforce Tac ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um rund 30 Prozent gewachsen. Insgesamt zeigen auf dem Nürnberger Messegelände 1.300 Aussteller in sieben Hallen auf 60.000 Quadratmetern Fläche, was sie zu bieten haben.
Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist eine der wenigen Branchen, die auch im allgemeinen Konjunkturtal wächst. Dazu kommt, dass das Thema Verteidigung in der breiten Öffentlichkeit nicht mehr automatisch das einstige Schmuddel-Image anhaftet. Das zeigt sich unter anderem darin, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Schirmherrschaft über die Messe übernommen hat.
Branchenriesen und Start-ups vor Ort
Auch die Ausstellerstruktur bei der Enforce Tac hat sich geändert. Früher waren vor allem kleinere Spezialanbieter für Gerät wie Pistolen und Holster, Schalldämpfer oder Nachtsichtgeräte für Polizei und Spezialeinheiten in Nürnberg vertreten. Inzwischen präsentieren sich auch Branchenriesen der Rüstungsindustrie wie Rheinmetall oder KNDS mit schwerem Gerät.
Sie konkurrieren dabei mit Start-ups um die Aufmerksamkeit der Besucher. So zeigen gleich mehrere junge Firmen zum Beispiel unbemannte kleine Panzer. Arx Robotics aus München präsentiert dabei die neueste Variante seines Fahrzeugs Gereon, das mit Panzerabwehrsystemen des bayerischen Traditionsunternehmens MBDA Deutschland ausgestattet ist. Arx Robotics, dessen Systeme unter anderem auch bei der Bundeswehr zur Drohnenabwehr im Einsatz sind, ist nach eigenen Angaben der wichtigste westliche Lieferant der Ukraine für unbemannte Landsysteme.
Allerdings droht dem Unternehmen nun Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft. Denn die bisher als Hersteller fliegender Drohnen bekannte Firma Quantum Systems aus dem oberbayerischen Gilching zeigt auf der Messe mit einem Gerät namens Mandrill erstmals ein unbemanntes Fahrzeug für den Bodeneinsatz.
Enforce Tac will weiter wachsen
Künftig soll die Veranstaltung mit politischer Unterstützung noch weiter wachsen und eine europäische Führungsrolle einnehmen. Dazu findet während der Messe ein runder Tisch zur künftigen Positionierung der Enforce Tac statt, für den sich auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger angekündigt hat.
Es geht darum, die in den vergangenen Jahren erreichte Position Nürnbergs als Leitmesse der Verteidigungsindustrie zu halten und womöglich auszubauen, heißt es in Industriekreisen. Denn angesichts rasant wachsender Verteidigungsetats und zahlreicher neuer Anbieter von Militärgerät versuchen derzeit zahlreiche Messeanbieter, ein Stück von diesem großen Kuchen abzubekommen. Unter anderem will die Londoner Rüstungsmesse DSEI im kommenden Jahr einen deutschen Ableger in Hannover starten.
