Empörung nach Hass-Rede gegen Israel bei der Berlinale

Empörung nach Hass-Rede gegen Israel bei der Berlinale

Abdallah Alkhatib (l), Regisseur vom Film "Chronicles from the Siege" spricht bei der Übergabe des GWFF Preis Bestes Spielfilmdebüt während der Preisverleihung bei der Abschlussgala im Berlinale Palast auf der Bühne. Neben ihm wird die palästinensische Fahne hochgehalten. (Quelle: dpa/Soeder)

Stand: 22.02.2026 • 19:09 Uhr

Der Regisseur Abdallah Alkhatib, der für das beste Spielfilmdebüt ausgezeichnet wurde, bezeichnete in seiner Dankesrede die Bundesregierung als “Partner des Völkermordes in Gaza”. Bundesumweltminister Schneider verließ die Veranstaltung.

Ein politisches Statement eines Regisseurs bei der Preisverleihung der Berlinale am Samstagabend sorgt auch am Sonntag für Kritik. Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib hatte in seiner Dankesrede unter anderem der deutschen Bundesregierung vorgeworfen, “Partner des Völkermords in Gaza zu sein”. Alkhatib weiter: “Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.”

Der vor Ort anwesende Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin den Saal. Die Aussagen seien inakzeptabel, sagte ein Sprecher.

Berlins Regierender Bürgermeister Wegner sagte der “Bild”, denjenigen, die sich hier als Pro-Palästina-Aktivisten inszenierten, ginge es nicht um Menschenrechte. Es gehe ihnen allein um “Israel-Hass”. Er hob hervor, dass Tricia Tuttle und Wim Wenders alles dafür getan hätten, um in der angespannten weltpolitischen Lage mit “Feingefühl, Offenheit und Dialogbereitschaft” durch das Filmfestival zu führen.

“Abstoßende Szenen”

Weitere Kritik an Alkhatib kam von Israels Botschafter Ron Prosor und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann. Hoffmann kritisierte “abstoßende Szenen” bei der Preisverleihung des Filmfestivals. Im Onlinedienst X sprach Hoffmann von “Völkermord-Vorwürfen, antisemitischen Ausfällen und Drohungen gegen Deutschland auf der Berlinale”, die “absolut inakzeptabel” seien. Prosor lobte gegenüber der “Bild”, dass Umweltminister Schneider den Raum verlassen habe.

Der syrisch-palästinensische Regisseur Alkhatib war auf der 76. Berlinale für sein Filmdebüt “Chronicles from the Siege” ausgezeichnet worden.

Zuvor hatte bereits die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm “Someday a Child” geehrt wurde, kritisiert, dass zahlreiche Kinder im Libanon und in Gaza von israelischen Bomben getötet würden. Das Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023 blieb unerwähnt.

Festival überschattet von politischen Debatten

Das ganze Festival war überschattet von Debatten, inwiefern sich die Berlinale politisch positionieren muss. Dabei ging es vor allem um den Gaza-Krieg.

Bereits im Verlauf des Festivals hatte ein im Branchenblatt “Variety” veröffentlichter offener Brief von rund 80 internationalen Filmschaffenden, darunter Tilda Swinton, die Berlinale wegen “institutionellen Schweigens” zum Gaza-Krieg kritisiert. Auch Äußerungen von Jurypräsident Wim Wenders zur Rolle von Kunst und Politik hatten Kritik ausgelöst.

Der Goldene-Bär-Gewinner İlker Çatak hatte bereits vor der Preisverleihung am Samstagnachmittag gemahnt, komplexe politische Fragen bräuchten mehr Raum und Kontext als kurze Presse-Statements erlauben. Intendantin Tricia Tuttle verteidigte auf der Gala die Berlinale als Ort kontroverser, aber offener Debatten.

Die Berlinale ist eines der wichtigsten Filmfestivals weltweit. Die 76. Filmfestspiele Berlin enden am 22. Februar mit dem traditionellen Publikumstag.

Sendung: rbb|24, 22.02.2026, 18:44 Uhr

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