Deutschland plant gemeinsame Luftabwehr mit Verbündeten

Deutschland plant gemeinsame Luftabwehr mit Verbündeten

Isabella Rauti, Catherine Vautrin, Wladyslaw Kosiniak-Kamysz, Boris Pistorius und Luke Pollard.

Stand: 20.02.2026 • 14:53 Uhr

Russische Drohnen im NATO-Luftraum – dieses Problem gab es zuletzt häufiger. Ihr Abschuss mit Kampfjets ist teuer. Deshalb wollen nun fünf europäische Länder gemeinsam eine Luftabwehr entwickeln, die preiswert ist – und schnell.

Die fünf größten europäischen Militärmächte wollen angesichts der russischen Bedrohung gemeinsam die Entwicklung autonomer Kampfdrohnen vorantreiben. Bei einem Treffen der sogenannten E5 im polnischen Krakau haben die Verteidigungsminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen eine entsprechende Initiative gestartet.

Ziel sei es, “innovative Systeme, insbesondere zur Verteidigung gegen Drohnen, schnell und preiswert zu entwickeln und dann ebenso schnell in hoher Zahl zu produzieren”, sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) auf einer gemeinsamen Pressekonferenz.

“Das ist etwas Unkonventionelles”

Mit der Initiative “Low-Cost Effectors and Autonomous Platforms” (LEAP) wollen die Staaten bei der Entwicklung und Beschaffung kostengünstiger Waffensysteme vor allem zur Abwehr von Billig-Drohnen kooperieren, hieß es. Wie viel Geld dafür investiert werden soll, blieb offen.

Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass solche Drohnen eine effiziente Alternative zu teuren Abfangraketen darstellen können, erklärte Pistorius. “Das ist etwas Neues, das ist etwas Unkonventionelles.”

Für das Projekt sollen nach Angaben des Bundesverteidigungsministers nun die “besten Unternehmen” aus den E5-Ländern gewonnen werden. Sollte LEAP sich bewähren, könne dies auch Vorbildcharakter für andere Bereiche haben.

Drohnenabschuss mit Kampfjets ist teuer

Im vergangenen Jahr hatte es in Deutschland und anderen europäischen Staaten immer wieder Vorfälle mit unidentifizierten Drohnen über Flughäfen, Militäreinrichtungen oder sensiblen Industriebetrieben gegeben. Die Sicherheitsbehörden vermuten in vielen Fällen Russland hinter den Überflügen.

In Polen waren im September mehrere russische Drohnen abgeschossen worden, die tief in den Luftraum des EU- und NATO-Landes eingedrungen waren. Der Abschuss durch Kampfjets ist jedoch sehr teuer. EU und NATO bemühen sich daher um eine effektive und kostengünstige Drohnenabwehr.

Wachsende Zweifel am Beistand durch die USA

Die sogenannte E5-Gruppe zur Stärkung der Verteidigungszusammenarbeit war 2024 von Pistorius ins Leben gerufen worden. An dem Treffen in Krakau nahmen auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und die stellvertretende NATO-Generalsekretärin Radmila Shekerinska teil.

Hintergrund des Vorstoßes sind auch wachsende Zweifel an der langfristigen Beistandsgarantie der USA im Rahmen der NATO. Die europäischen Staaten wollen daher ihre Verteidigungsfähigkeiten ausbauen – und die eigene Rüstungsindustrie stärken.

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