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Vorsicht heißt weiter die Devise am Aktienmarkt. Die Anleger blicken zunehmend besorgt auf die Spannungen am Persischen Golf. Der DAX bewegt sich kaum, bleibt aber über 25.000 Punkten.
Zum Ausklang der Woche bleiben die Anleger in Anbetracht der geopolitischen Spannungen am Persischen Golf in Deckung. Der DAX eröffnet bei ruhigem Handel bei etwas über 25.000 Punkten. Die Unterstützung an der runden Marke scheint damit wie schon am Vortag vorerst zu halten.
Die Berichtssaison der Unternehmen legt heute eine Pause ein. Es werden keine nennenswerten Quartalsberichte hierzulande erwartet. Am Nachmittag richtet sich der Blick der Investoren dann in die USA.
Von neuen Konjunkturdaten über die Preisentwicklung erhoffen sich die Anleger Aufschluss zur weiteren Zinspolitik der Notenbank Federal Reserve (Fed). Außerdem wird die erste Schätzung des BIP-Wachstums im vierten Quartal veröffentlicht. Eine Wachstumsrate von annualisiert rund drei Prozent würde nach Einschätzung der Helaba nicht dazu beitragen, die Erwartungen an Zinssenkungen zu forcieren.
Die Angst vor einer Eskalation zwischen den USA und Iran hält derweil die Ölpreise hoch. Das Nordseeöl Brent kostet weiterhin fast 72 Dollar je Fass. Auf Wochensicht haben die Notierungen bisher rund fünf Prozent zugelegt.
Anleger fürchten, dass mögliche Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel zur Versorgungsengpässen am Ölmarkt führen könnten. Dies versetze die Märkte in Alarmbereitschaft, sagt Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels werden durch dieses Nadelöhr abgewickelt.
Auch der Dollar bleibt, wie meist bei geopolitischen Spannungen, auf erhöhtem Niveau bei 1,1749 Dollar für den Euro.
China hat die USA im vergangenen Jahr als wichtigsten deutschen Handelspartner abgelöst. Der Außenhandelsumsatz mit der Volksrepublik – die Summe von Exporten und Importen – wuchs um 2,1 Prozent auf 251,8 Milliarden Euro. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Das Handelsvolumen mit den USA schrumpfte dagegen um 5,0 Prozent auf 240,5 Milliarden Euro.
“Die aktuellen Handelsdaten spiegeln die geoökonomischen Verschiebungen wider, unter denen die deutsche Industrie zunehmend leidet”, sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien.
“China und die USA versuchen mit aggressiver Industrie- und Handelspolitik unabhängiger von industriellen Importen zu werden.” China wolle in Schlüsselbranchen Weltmarktführer werden, in denen Deutschland lange führend gewesen sei, so Dullien. Deutsche Unternehmen würden nun von den staatlich geförderten chinesischen Produzenten aus dem Markt gedrängt.
Trotz der von Präsident Donald Trump verhängten hohen Zölle gegen Dutzende Länder ist das US-Handelsdefizit im vergangenen Jahr kaum gesunken. Die Importe von Waren und Dienstleistungen übertrafen deren Exporte um rund 901,5 Milliarden Dollar, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Das sind nur rund zwei Milliarden Dollar weniger als 2024.
Die US-Börsen haben am Donnerstag mit Verlusten geschlossen. Der Leitindex Dow Jones gab knapp 0,6 Prozent nach auf 49.389 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,3 Prozent auf 6.861 Zähler, der Index der Technologiebörse Nasdaq gab ebenfalls 0,3 Prozent auf 22.682 Stellen nach.
Neben Tech-Werten standen Finanzwerte unter Druck. Alle großen Bankaktien gaben nach, nachdem ein Vermögensverwalter erklärt hatte, die Rücknahme eines Fonds einzufrieren.
Auch die Tech-Schwergewichte Nvidia und Apple gaben nach und drückten auf die Stimmung. Bei KI-Werten wachsen die Zweifel, ob die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz tatsächlich zu den erhofften Umsatz- und Gewinnsteigerungen führen. Zudem fürchten Anleger, dass KI-Tools Geschäftsmodelle in Branchen von Software bis Logistik umkrempeln und den Wettbewerb verschärfen könnten.
“Der Markt versucht zu begreifen, welche Geschäftsbereiche durch KI materiell bedroht sind”, sagte Keith Buchanan, Portfoliomanager bei Globalt Investments. “Wir befinden uns in einer Phase des Zyklus, in der man erkennt, dass nicht jeder gewinnen wird und nicht alle Erwartungen erfüllt werden.”
