Wie Frost Straßen- und Schienenarbeiten verzögert

Wie Frost Straßen- und Schienenarbeiten verzögert

Lichter von Triebwägen sind durch dichten Schneefall zu sehen.

Stand: 20.02.2026 • 10:07 Uhr

Die Generalsanierung der Bahn stockt. Die wichtige Strecke Berlin – Hamburg wird wegen Frosts später als geplant fertig. Das stößt in der Baubranche, unter Pendlern und Politikern auf Unverständnis.

Mirja Fiedler

Am Bahnhof im brandenburgischen Falkensee rattert der Presslufthammer. Hier sanieren Bauarbeiter den Bahnsteig an der Strecke zwischen Berlin und Hamburg – trotz Frosts. Dabei hat die Deutsche Bahn diese Woche wegen des Winterwetters die Notbremse gezogen. “Der seit vielen Jahren härteste Wintereinbruch in der Region hat uns im Bahnbau schlicht ein Stück zurückgeworfen und alle unsere Puffer aufgebraucht”, erklärt eine Bahnsprecherin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Jetzt will der Staatskonzern erst am 13. März mitteilen, wann auf der Strecke der zweiten Generalsanierung wieder Züge rollen sollen.

Genervte Reisende

In Falkensee reagieren Reisende genervt. “Na, klar ist das ärgerlich”, sagt Dagmar Stöwe. “Aber was soll man machen? Können wir ja nicht ändern.” Dass das Wetter Schuld daran sein soll – darüber lachen hier viele, die auf den Schienenersatzverkehr umsteigen müssen. “Das kann man ja von vorneherein einplanen, dass es im Winter kalt ist”, sagt Julia Dettmer. Das sehen auch die Verantwortlichen des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie so. Grundsätzlich sei Bauen bei frostiger Witterung technisch möglich, erklärt Hauptgeschäftsführer Tim-Oliver Müller. Dafür müsse aber sorgfältig geplant werden. Außerdem sei der Aufwand höher.

“Dass bei den Planungen für Wintereinbrüche heutzutage nicht mehr ganz so viel Puffer für Verzögerungen einkalkuliert wird, ist nach den Erfahrungen der letzten eher warmen Winter an sich nachvollziehbar”, sagt Tim-Oliver Müller. “Warum die Eröffnung der Strecke ohne weitere Begründung auf unbenannte Zeit verschoben ist, erschließt sich uns jedoch noch nicht ganz.”

Leitungen tief in der Erde zu reparieren und zu montieren sei auch bei moderaten Minusgraden möglich, ergänzt der Verbandschef. Denn Baugruben könnten beheizt werden. Um die Oberfläche wieder zu schließen, dürfe der Boden aber nicht gefroren sein.

Probleme bei Erdarbeiten

Anders ist es laut des Industrieverbands im Straßenbau. “Bereits Temperaturen unter plus 5 Grad Lufttemperatur lassen eine Baustelle im Straßenbau zum Erliegen kommen”, erläutert Tim-Oliver Müller. Gefrorener Boden könne mit konventionellen Methoden nicht ausgehoben werden. Das Material könne während dieser Temperaturen auch nicht verdichtet werden.

Der nach eigenen Angaben größte Baukonzern in Zentral- und Osteuropa, die STRABAG, bestätigt solche Probleme während Erdarbeiten im Winter. Beton oder Asphalt könnten während Frosts nicht ordnungsgemäß verarbeitet werden. “Auch Schneeschmelze und anhaltender Regen führen zu Herausforderungen – gerade im Tiefbau”, sagt eine STRABAG-Sprecherin. Zusätzlich werde die Logistik anspruchsvoller.

Bauleiter planen Regen, Schnee und Frost ein

“Witterungseinflüsse gehören zu den zentralen Unwägbarkeiten im Bauablauf, insbesondere während der Wintermonate”, sagt die STRABAG-Sprecherin. Bauleiter planten Regen, Schnee und Frost ein. “Allerdings sind ungewöhnlich frühe oder besonders lange Frostperioden mit extrem niedrigen Temperaturen, wie wir es in diesem Winter im Nordosten Deutschlands erleben, nicht immer vorhersehbar.”

So argumentieren auch die Deutsche Bahn-Verantwortlichen. “Wir erleben in Deutschland, insbesondere im Norden und im Osten, den härtesten Winter seit 15 Jahren”, betont der Vorstand für Infrastrukturplanung und -projekte der zuständigen Bahn-Tochter DB InfraGo, Gerd-Dietrich Bolte. Schnee und Frost machten die Kabeltiefbauarbeiten für die Signal- und Stellwerksanlagen nahezu unmöglich. Auch die Arbeiten an den Oberleitungen gestalteten sich in der Kälte schwierig.

Ärger bei den Ministerpräsidenten

Die Ministerpräsidenten der fünf betroffenen Bundesländer sind sauer auf die Deutsche Bahn. “Wir haben eben keinen Jahrhundertwinter mit zwei Metern Schnee, so dass sicherlich spätestens im Januar absehbar hätte sein müssen, dass man Bauverzug hat”, sagt Brandenburgs Verkehrsminister Detlev Tabbert.

Er sei über die Kommunikation des Konzerns enttäuscht, so so der parteilose Politiker. Außerdem habe er die Sorge, dass die Pendler von der Verzögerung jetzt kalt erwischt werden. “Es ärgert mich persönlich, weil ich wirklich gerne Bahn fahre und auch die Bahn in Schutz nehme, dass die Bahn wieder das nächste Großprojekt in den märkischen Sand gesetzt hat.”

Länder fordern bis 2. März klaren Zeitplan

Die Ministerpräsidenten von Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein haben der Deutschen Bahn in einem Brief jetzt eine Frist gesetzt. Darin verlangen sie bis 2. März einen stabilen Plan für die Streckensanierung: “Dieser Terminplan ist unverzüglich vorzulegen und fortlaufend zu kommunizieren.” Außerdem fordern sie vom Konzern, dass er den weiteren Ersatzverkehr sicherstelle und alle Mehrkosten übernehme.

Die Deutsche Bahn entgegnet: “Das Ersatzverkehrskonzept kann in vollem Umfang verlängert werden.” Die Kritik an ihrer Kommunikation weist sie zurück, lässt aber bisher offen, ob sie das zusätzliche Geld zahlen wird. Auf die Frist geht sie bisher nicht ein. “Bis zum 13. März werden wir wissen, wann und in welchem Umfang der Zugverkehr auf der Strecke Hamburg – Berlin wieder regulär rollt”, heißt es schriftlich.

Über welche Stationen die Reise für Pendler im brandenburgischen Falkensee ab Mai gehen wird, ist also noch offen. Unklar ist momentan auch, inwieweit sich die Bauarbeiten auf der Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg wegen des Winterwetters verzögern werden.

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