Airbus steht 2025 deutlich besser da als in den Jahren zuvor. Aber das Ergebnis hätte noch besser ausfallen können, wenn der Konzern nicht immer wieder durch Probleme mit der Lieferkette zurückgeworfen würde.
Der Umsatz bei Airbus stieg im vergangenen Jahr um sechs Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen liegt bei 7,1 Milliarden Euro und damit um ein Drittel höher als noch 2024. Und die vorgeschlagene Dividende erhöht sich leicht auf 3,20 Euro. Die Zahlen, die Airbus-Chef Guillaume in Toulouse präsentierte, übertrafen teilweise sogar die Erwartungen.
Aber die seit der Corona-Pandemie anhaltenden ständigen Probleme mit der Lieferkette haben den europäischen Flugzeugbauer auch im zurückliegenden Jahr kräftig ausgebremst. Und die Probleme sind noch nicht behoben.
Ungewöhnliche scharfe Kritik an US-Zulieferer
So hatten bereits früher Qualitätsprobleme an der Rumpfverkleidung für Aktienturbulenzen gesorgt. Derzeit macht dem Flugzeugbauer der Mangel an Triebwerken zu schaffen. Bei der Präsentation der Zahlen in Toulouse übte Airbus-Chef Guillaume Faury eine für die Branche ungewöhnlich scharfe Kritik am US-Motorenhersteller Pratt & Whitney.
Bei der A320-Familie wirke sich die “Unfähigkeit von Pratt & Whitney, die von Airbus bestellte Anzahl von Motoren zu liefern, negativ auf den Ausblick und den Hochlauf der Produktion in diesem Jahr aus”. Faury räumte ein, dass Airbus gegen den US-Zulieferer rechtliche Schritte prüfe.
Hätte Pratt & Whitney mehr Triebwerke geliefert, wären auch mehr Maschinen des Erfolgsmodells A320 aus der Montagehalle in Hamburg-Finkenwerder gerollt. So aber konnte das Produktionsziel von 820 ausgelieferten Maschinen aller Flugzeugstypen im vergangenen Jahr nicht ganz erreicht werden.
Airbus kann seine Marktinteressen nicht durchsetzen
Und schon jetzt ist abzusehen, dass die selbst gesteckten Zielmarken bei den monatlichen Auslieferungen im laufenden und nächsten Jahr ebenfalls nicht erreicht werden können. Marktbeobachterinnen und Marktbeobachter sehen das als sensiblen Punkt.
Yan Derocles, Analyst bei der französisch-deutschen Finanzgruppe ODDO BHF in Paris, sagt dazu: “Pratt & Whitney ist ein sehr großer Zulieferer und sagt Airbus gerade, ich habe meinen eigenen Produktionskalender, dem ich folge, und wenn ich etwas Luft habe, dann liefere ich Euch.”
Daran sehe man, dass Aribus nicht in der Lage ist, seine Bestellungen durchzusetzen. Machtkämpfe seien das, sagt Derocles. Das sei nicht gerade zum Vorteil von Airbus sind und könnten anderen Marktteilnehmern zugutekommen.
Genug Bestellungen für die nächsten zehn Jahre
Trotz dieser andauernden Probleme in den Lieferketten will Airbus die Zahl der Auslieferungen im laufenden Jahr um zehn Prozent steigern, auf dann 870 Flugzeuge. Damit würde Airbus einen neuen Rekord aufstellen und nach sieben Jahren wieder an das Produktionsniveau von vor der Corona-Pandemie 2019 anschließen können.
An Aufträgen mangelt es Airbus nicht: Über 8.700 Bestellungen für Flugzeuge stehen in den Büchern , genug für die nächsten zehn Jahre. Airbus-Chef Guillaume Faury sprach von einer sehr starken Nachfrage auf den Märkten.
Noch hat Airbus in der Produktion die Nase klar vor dem US-Erzrivalen Boeing. Aber erstmals seit sieben Jahren konnte Boeing im zurückliegenden Jahr wieder mehr Bestellungen als Airbus verbuchen.
FCAS: Airbus bereit für gemeinsamen Kampfflieger
Der Airbus-Konzern profitiert inzwischen auch stärker von den verteidigungspolitischen Anstrengungen in Europa. Die Rüstungssparte Airbus Defence and Space hat diesmal zum positiven Konzernergebnis beitragen können. Airbus-Chef Guillaume Faury bestätigte, dass das deutsch-französisch-spanische Prestigeprojekt eines gemeinsamen Kampffliegers der nächsten Generation, kurz FCAS, festgefahren sei.
“Wenn unsere Kunden uns entsprechend beauftragen, dann würden wir eine Lösung mit zwei Kampffliegern unterstützen und wären bereit, eine führende Rolle bei einem so umstrukturierten FCAS zu spielen”, so Faury. Die Kunden sind hier vor allem die Regierungen in Paris und Berlin.
Während Paris offiziell noch an der Kooperation zwischen Airbus und dem französischen Rafale-Bauer Dassault festhält, hat Bundeskanzler Merz gerade ein dickes Fragezeichen hinter das gemeinsame Kampfjetprojekt gemacht und die Frage aufgeworfen, ob es ab 2040 überhaupt noch bemannte Kampfflieger geben werde.
Hinter den Kulissen wird davon ausgegangen, dass sich Airbus und Dassault bei FCAS so verhakt haben, dass es bestenfalls zu einer gemeinsamen Entwicklung der Kommunikationssoftware, der sogenannten “combat cloud” kommen wird.

