Chaos beim KI-Gipfel in Indien – Bill Gates sagt Auftritt ab

Chaos beim KI-Gipfel in Indien – Bill Gates sagt Auftritt ab

Familienfoto beim AI Impact Summit 2026 im Bharat Mandapam in Neu-Delhi.

Stand: 19.02.2026 • 13:23 Uhr

Organisationschaos, Skandale und Rückzieher prominenter Redner überschatten den KI-Gipfel in Neu-Delhi. Microsoft-Mitgründer Bill Gates sagte seine Rede kurzfristig ab – nach erneuter Berichterstattung im Fall Epstein.

Nach jüngsten Veröffentlichungen von Akten im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein hat Microsoft-Mitgründer Bill Gates einen Auftritt beim KI-Gipfel in Indien abgesagt. Die Gates-Stiftung teilte mit, dass so sichergestellt werden solle, dass der Fokus auf den zentralen Prioritäten des Gipfels läge. Genaue Gründe nannte die Stiftung auch auf Anfrage nicht. Gates Rede war Medienberichten zufolge für heute erwartet worden.

Ende Januar hatte das US-Justizministerium weitere Akten im Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Darin fand sich Korrespondenz zwischen Epstein und Beschäftigten der Gates-Stiftung. Bill Gates hat stets betont, dass sich seine Beziehung zu Epstein auf philanthropische Themen beschränkt habe. Er bezeichnete seine Treffen mit dem verurteilten Sexualstraftäter als Fehler.

Weitere Absagen und ein Skandal

Der Rückzug von Bill Gates war nicht die erste Absage beim indischen “AI Impact Summit”. Jensen Huang, der Chef des weltgrößten Chip-Herstellers Nvidia, hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, “unvorhersehbare Umstände” hielten ihn von einer Teilnahme ab.

Außerdem hat ein Skandal um einen vermeintlich in Indien entwickelten Roboterhund Wellen geschlagen. An einem Messestand einer indischen Privatuniversität wurde der Hund als eigene Entwicklung präsentiert. Rasch flog jedoch auf, dass es sich dabei um das Produkt eines chinesischen Herstellers handelte.

Der Zwischenfall sei äußerst peinlich für den Gastgeber Indien, sagten zwei Regierungsvertreter, die anonym bleiben wollten, der Nachrichtenagentur AP. Die Opposition warf der Regierung vor, Indien zum Gespött gemacht zu haben.

Verkehrschaos und Internetprobleme

Gleichzeitig sorgten Straßensperrungen durch die Polizei für ein Verkehrschaos in der 20-Millionen-Metropole Neu Delhi. In sozialen Medien zeigten Aufnahmen große Gruppen von Konferenz-Teilnehmern, die kilometerweit zum Veranstaltungsort laufen mussten, weil ein Shuttle-Service fehlte.

Zudem blieben die Ausstellungshallen am Donnerstag überraschend geschlossen. Dies verärgerte die Unternehmen, die sich dort auf Ständen präsentieren wollten. Auch von Internetproblemen – ausgerechnet bei einem KI-Gipfel – wurde berichtet.

Guterres: KI darf nicht “Milliardären überlassen werden”

Abgesehen von den Absagen und Pannen gab es bei dem Gipfel dennoch auch Auftritte prominenter Redner. So hielt unter anderem Indiens Ministerpräsident Narendra Modi eine Rede, in der er für den Schutz von Minderjährigen bei deren Umgang mit Künstlicher Intelligenz warb.

“Wir müssen noch wachsamer sein, wenn es um die Sicherheit von Kindern geht. Genauso wie ein Lehrplan für die Schule zusammengestellt wird, sollte auch der KI-Bereich kind- und familiengerecht gestaltet werden”, so Modi, der sich die Bühne unter anderem mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron teilte.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres warnte vor den Gefahren von KI und verlangte deren Einsatz zum Nutzen der Allgemeinheit. “Die Zukunft der KI kann nicht von einer Handvoll Ländern entschieden werden – oder den Launen einiger weniger Milliardäre überlassen werden”, so Guterres.

Engere deutsch-indische Zusammenarbeit angekündigt

Der KI-Gipfel wurde auch für zahlreiche Ankündigungen genutzt. So unterzeichneten der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger und sein indischer Kollege Ashwini Vaishnaw einen Vertrag zur Vertiefung der Zusammenarbeit im Bereich KI. “Mit dem Pakt füllen wir das vor Kurzem geschlossene Freihandelsabkommen mit Leben”, so Wildberger.

Er solle unter anderem den Zuzug von Fachkräften erleichtern. Daneben kündigte der indische Mischkonzern Adani Investitionen von 100 Milliarden Dollar in KI-Rechenzentren an. Der Konkurrent Reliance will 110 Milliarden Dollar für ähnliche Projekte ausgeben. Auch die großen US-Cloudanbieter Amazon Web Services (AWS), Google und Microsoft weiten ihre Investitionen auf dem Subkontinent aus.

Mit Informationen von Peter Hornung, ARD-Studio Neu-Dehli.

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