Die Menschen in Deutschland spendeten 2025 rund 4,65 Milliarden Euro. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr. Wachsende Unterstützung erhielten Themen wie Tier- und Umweltschutz.
Die Deutschen haben sich 2025 weniger spendabel gezeigt als im Jahr zuvor: Hilfsorganisationen und karitativen Einrichtungen sammelten insgesamt neun Prozent weniger Spenden ein, wie der Deutsche Spendenrat mitteilte.
Mit 4,65 Milliarden Euro Privatspenden sei das Gesamtvolumen so niedrig ausgefallen wie zuletzt 2013.
Rekordwert bei Durchschnittsspende
Im Vergleich zum Jahr 2024 (5,11 Millionen Euro) bedeute dies einen Rückgang um 463 Millionen Euro, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Spendenrates, Martin Wulff, in Berlin.
Auch die Zahl der Spender sei zurückgegangen, um rund 848.000 auf 15,8 Millionen Menschen – fast jede vierte erwachsene Person. Ein Plus habe es hingegen bei der durchschnittlichen Höhe der Spenden gegeben. Sie sei um drei Euro auf den Rekordwert von 46 Euro gestiegen.
Spendenrat erkennt “spürbare Verunsicherung”
Der Deutsche Spendenrat zog ein gemischtes Fazit: Zwar stiegen die nominalen Einkommen, gleichzeitig herrsche bei vielen Menschen eine “spürbare Verunsicherung”. Ausgaben und somit auch Spenden würden genauer abgewogen.
Jedoch bleibe die Bereitschaft zu helfen bestehen, insbesondere im unmittelbaren Umfeld. 35 Prozent der Spenden flossen demnach in lokale Projekte. Für nationale (minus neun Prozent) und internationale Projekte (minus zehn Prozent) sei hingegen weniger gespendet worden.
Zuwächse bei sozialen und Umweltthemen
Zuwächse zeigten sich vor allem bei sozialen Zwecken wie Armut, Obdachlosigkeit und Seniorenhilfe: Dafür gingen 10,8 Prozent mehr Spendengelder ein als noch im Vorjahr. Im Bereich Natur, Umwelt und Klimaschutz stiegen die Spendeneinnahmen sogar um 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 an.
Auch der Tierschutz legte zu. Unter den nicht-humanitären Hilfen ging mit einem Anteil von 32,4 Prozent fast jede dritte Spende an diesen Bereich.
Projekte innerhalb von Kirche und Religion mussten hingegen einen Rückgang von 4,2 Prozent hinnehmen. Weniger Geld gaben die Menschen in Deutschland zudem für die Kultur- und Denkmalpflege (minus 35,4 Prozent) und die Geflüchtetenhilfe (minus sieben Prozent).
Profitieren konnten besonders Organisationen, die sich für Umwelt- und Naturschutz einsetzen.
Ältere Menschen besonders spendabel
Die Generation 60 plus blieb mit einem Gesamtanteil von 58 Prozent die spendenfreudigste. Dennoch sei laut Spenderat in dieser Altersgruppe ein Rückgang der Spendeneinnahmen um zwölf Prozent zu verzeichnen gewesen. Durchschnittlich spendeten Menschen über 70 Jahre mit 364 Euro pro Person am meisten. Das waren elf Prozent weniger als noch im Vorjahr (411 Euro).
Den größten Sprung beim durchschnittlichen Spendenwert legten demnach die 40- bis 49-Jährigen hin, mit einem Plus von 28 Prozent (200 auf 256 Euro). In den Jahren der Corona-Pandemie seit 2020 sowie mit der Ahrtal-Flut (2021) und dem russischen Krieg in der Ukraine (seit 2022) seien Rekordsummen erreicht worden.
Regionale Unterschiede bei Spendenbereitschaft
Von 2020 bis 2022 lag das Spendenvolumen stets bei mindestens 5,4 Milliarden Euro, im Jahr 2021 gar bei rund 5,77 Milliarden Euro. Regional hätten sich laut den Zahlen des Spendenrats Unterschiede gezeigt: In den ostdeutschen Bundesländern mit Berlin sei das Spendenaufkommen seit 2019 um elf Prozent von 649 Millionen auf 579 Millionen Euro im vergangenen Jahr gesunken.
In Baden-Württemberg sanken die Einnahmen im gleichen Zeitraum gar um 30 Prozent auf 687 Millionen Euro. Hingegen wuchs der Anteil in Nordrhein-Westfalen im gleichen Zeitraum um mehr als ein Drittel von 807 Millionen auf etwa 1,1 Milliarden Euro an.
Spendenbereitschaft für Ukraine besonders hoch
Entgegen dem Bundestrend verzeichnet hingegen das Bündnis “Aktion Deutschland Hilft” für die Nothilfe in der Ukraine seinen bisher spendenstärksten Aufruf. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 2022 seien 300 Millionen Euro unter dem Stichwort “Nothilfe Ukraine” gespendet worden, erklärte das Bündnis aus mehr als 20 deutschen Hilfsorganisationen in Bonn.
Deutscher Spendenrat
Der Deutsche Spendenrat ist ein 1993 gegründeter Dachverband mit inzwischen 78 Spenden sammelnden gemeinnützigen Organisationen. Er setzt sich nach eigenen Angaben für die Stärkung von Transparenz im deutschen Spendenwesen ein.
Mitglieder sind unter anderem Organisationen aus den Bereichen soziale und humanitäre Hilfe, Umwelt und Tierschutz, Kunst und Kultur sowie Denkmalschutz. Dazu gehören etwa der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel der evangelischen Diakonie, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Heinz-Sielmann-Stiftung.
Die Mitglieder verpflichten sich nach Verbandsangaben, keine sittenwidrige Werbung einzusetzen und hohe Qualitätsstandards einzuhalten. Strukturen, Tätigkeit und Finanzen müssen im Rahmen eines Jahresberichts jährlich und transparent offengelegt werden.
Seit 2017 verleiht der Spendenrat das sogenannte Spendenzertifikat an gesondert geprüfte Mitgliedsorganisationen. Bei dem Prüfverfahren übernehmen externe Wirtschaftsprüfer die Qualitätskontrolle.
