Merz stellt Kampfjet-Projekt FCAS grundsätzlich infrage

Merz stellt Kampfjet-Projekt FCAS grundsätzlich infrage

Eines Modell des europäischen Kampfjets (FCAS).

Stand: 18.02.2026 15:37 Uhr

Seit Jahren planen Deutschland, Frankreich und Spanien das gemeinsame Luftkampfsystem FCAS. Nun hat Kanzler Merz die unterschiedlichen militärische Anforderungen der Länder als Problem bezeichnet – und grundsätzliche Zweifel geäußert.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat Zweifel am gemeinsamen Luftkampfsystem FCAS mit Spanien und Frankreich geäußert. In einem Interview mit dem Podcast “Machtwechsel” sprach Merz von einem “echten Problem im Anforderungsprofil”.

Die Anforderungen Frankreichs ​und Deutschlands an den Kampfjet der nächsten Generation, den Kern von FCAS, seien sehr unterschiedlich, sagte der Kanzler. ‌Das sei nie ausreichend und abschließend geklärt ​worden.

Atomwaffenfähig oder nicht?

“Ganz konkret, die Franzosen brauchen in der nächsten Generation der Kampfflugzeuge ein atomwaffenfähiges und ein flugzeugträgerfähiges Flugzeug. Das brauchen wir in ​der deutschen Bundeswehr gegenwärtig nicht.” Nun stelle sich die Frage, ob FCAS mit zwei Flugzeugen realisiert werden könne. “Frankreich möchte nur eins bauen und möchte es praktisch auf die Spezifikation ausrichten, die Frankreich braucht. Das ist aber nicht die, die wir brauchen”, sagte Merz.

Der Kanzler warf auch grundsätzliche Fragen auf. “Ich möchte die Frage jetzt geklärt wissen: Brauchen wir eigentlich noch in 20 Jahren von heute ein bemanntes Kampfflugzeug?”, so Merz.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reagierte auf die deutliche Kritik des Bundeskanzlers und erklärte am Rande eines Indien-Besuchs, dass er “dem Erfolg des Projekts verpflichtet” bleibe. Der militärische Bedarf der beteiligten Staaten habe sich nicht verändert. Dazu zähle für Frankreich von Beginn an auch die nukleare Abschreckung, hieß es aus dem Élysée-Palast.

Kompliziert – aber machbar?

“Wir geben es nicht auf”, hatte Frankreichs beigeordnete Verteidigungsministerin Alice Rufo erst am Montag noch auf der Münchner Sicherheitskonferenz mit Blick auf FCAS gesagt. “Wir sind in einer Situation, in der es unsinnig wäre, unter Europäern nicht zusammenzuarbeiten”, so die Politikerin. “Es ist kompliziert, aber wir werden es schaffen.”

In Paris wurden unterdessen Zweifel an der deutschen Fähigkeit laut, den Bau eines Kampfflugzeugs ohne die französische Expertise zu stemmen. “Viel Erfolg, wenn sie das allein machen wollen. Wir wissen, wie man ein Kampfflugzeug baut”, hieß es in französischen Regierungskreisen.

Ersatz für den Eurofighter

Die Abkürzung FCAS steht für “Future Combat Air System”. Zu diesem Luftkampfsystem der Zukunft sollen neben Jets auch Drohnen und neuartige Kommunikationssysteme gehören. Es soll ab den 2040er-Jahren das Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung bilden. Bei der deutschen Luftwaffe soll es langfristig den Eurofighter Tycoon und bei den französischen Luftstreitkräften das Kampfflugzeug Rafale ablösen.

Nach den bisherigen Vereinbarungen sollen sich Frankreich, Deutschland und Spanien jeweils zu einem Drittel an der Entwicklung von FCAS beteiligen. Federführend in Frankreich ist der Flugzeughersteller Dassault Aviation, in Deutschland Airbus und in Spanien der Konzern Indra Sistemas, der unter anderem Flugsicherungstechnik herstellt. Das Projekt hat einen Umfang von rund Hundert Milliarden Euro.

Seit 2017 in Arbeit

Präsident Macron und die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten das Vorhaben bei einem deutsch-französischen Ministerrat 2017 auf den Weg gebracht. Zwei Jahre später gab Spanien seine Beteiligung bekannt. Belgien hat seit 2023 eine Art Beobachterstatus.

Macron steht öffentlich weiter zu FCAS, hat aber ein Scheitern nicht ausgeschlossen. “Angesichts der strategischen Herausforderungen für unser Europa wäre es unverständlich, wenn industrielle Differenzen nicht überwunden werden könnten”, sagte Macron.

Die Entscheidung über FCAS ist bereits zweimal verschoben worden. Nun soll sie bis Ende Februar fallen.

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