Kraftstoffverbrauch bei Plug-In-Hybriden deutlich höher als angegeben

Kraftstoffverbrauch bei Plug-In-Hybriden deutlich höher als angegeben

Plug-in-Hybrid-Auto an Ladestation (Archivbild)


exklusiv

Stand: 18.02.2026 05:02 Uhr

Plug-In-Hybridautos gelten als kraftstoffsparend. Eine neue Studie, die dem SWR vorliegt, zeigt jedoch, dass ihr Verbrauch deutlich über den offiziell angegebenen Werten liegt. Umweltschützer und Forscher fordern Konsequenzen.

Von Von Nick Schader, SWR

Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid-Antrieb (PHEV) verbrauchen in der Praxis erheblich mehr Kraftstoff als in den offiziellen EU-Typgenehmigungen angegeben. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Analyse, an der unter anderem das Fraunhofer Institut in Karlsruhe beteiligt war. Die Analyse liegt dem SWR exklusiv vorab vor.

Für die Studie wurden die Daten von rund einer Million Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller der Baujahre 2021 bis 2023 ausgewertet. Die Wissenschaftler nutzten dafür die Daten, die die Fahrzeuge regelmäßig per Funk übermitteln. Dadurch war es möglich, den realen Kraftstoffverbrauch der Plug-in-Fahrzeuge auf der Straße zu ermitteln.

Schon länger Zweifel an Angaben

Plug-in-Hybride verfügen sowohl über einen Elektromotor mit kleiner Batterie als auch über einen Verbrennungsmotor. Die Kombination aus beidem wird von vielen Herstellern als besonders kraftstoffsparend vermarktet. Laut den offiziellen Angaben verbrauchen die Fahrzeuge auf dem Papier häufig nur zwischen ein und zwei Litern. Daran gab es schon länger Zweifel, unter anderem von Umweltverbänden.

Die Ergebnisse der aktuellen Analyse geben den Kritikern offenbar Recht. Laut der Studie verbrauchen die eine Million untersuchten Fahrzeuge im Durchschnitt fast sechs Liter Kraftstoff und damit 300 Prozent mehr als in den Hersteller-Angaben der EU-Typgenehmigung.

Einen entscheidenden Grund dafür haben die Wissenschaftler ebenfalls gefunden. Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge nutzen zwei unterschiedliche Modi – in einem wird vor allem der Elektromotor genutzt, im anderen der normale Verbrennungsmotor. Bisher dachte man, dass im “Elektro-Modus” der Kraftstoffverbrauch sehr gering oder fast Null wäre. Das ist nicht so, haben die Wissenschaftler herausgefunden.

Kraftstoffverbrauch trotz Elektromotor

Die Datenauswertung zeigt, dass die Fahrzeuge schon im “überwiegend elektrischen” Modus (“Entlademodus”) durchschnittlich drei Liter Kraftstoff verbrauchen – viel mehr, als man bisher dachte. Das sei ein “Schock” für alle beteiligten Wissenschaftler gewesen, so Patrick Plötz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI).

Die Wissenschaftler vermuten, dass der Verbrennungsmotor dieser Fahrzeuge viel häufiger anspringt als bisher gedacht. Laut den Daten, die dem SWR vorliegen, zählen die deutschen Fahrzeuge zu den Modellen mit durchschnittlich höheren Verbräuchen – vor allem die von Porsche, die ganz am Ende der Tabelle liegen.

Differenz bei Porsche besonders hoch

Demnach verbrauchen Hybridfahrzeuge von Porsche im “Entlademodus” bereits rund sieben Liter Kraftstoff – im “Verbrennermodus” noch deutlich mehr. Am niedrigsten waren die Verbräuche laut der Auswertung bei Modellen von Kia, Toyota, Ford oder Renault, die im “Entlademodus” sehr niedrige Verbräuche erreichen, von zum Teil deutlich unter einem Liter Kraftstoff.

Porsche verweist in einer Anfrage des SWR auf die unterschiedlichen Nutzungsweisen, die den Verbrauch beeinflussen würden. Bei den Verbrauchsmessungen halte man sich an die gesetzlichen Vorgaben: “Die Verbrauchsangaben unserer Fahrzeuge basieren auf den gesetzlich vorgeschriebenen EU‑Messverfahren, die europaweit einheitliche und vergleichbare Werte sicherstellen. Abweichungen zu individuellen Realverbräuchen können durch unterschiedliche Nutzungsprofile und Randbedingungen entstehen.”

Forderung: Anpassung der EU-Regularien

Aufgrund der neuen Ergebnisse fordern die Wissenschaftler, die EU-Regularien anzupassen. Die Lücke zwischen theoretischem und tatsächlichem Kraftstoffverbrauch sei viel zu groß. Diese müssen man durch schärfere Vorgaben bei der Berechnung des Kraftstoffverbrauchs von Plug-in-Hybriden deutlich verkleinern.

Tatsächlich sind die auf einem Rollenprüfstand ermittelten Verbrauchswerte (WLTP) der Plug-in-Hybridfahrzeuge entscheidend für die sogenannten “Flottengrenzwerte” der Hersteller. Durch diese wird festgelegt, wie viel CO2 die gesamte Modellreihe eines Herstellers im Durchschnitt ausstoßen darf. Je höher der Verbrauch, desto höher auch der CO2-Ausstoß.

Aufgrund der sehr niedrigen Verbrauchs-Angaben der Plug-In-Fahrzeuge konnten die Hersteller die EU-Flottengrenzwerte einhalten, die den Klimaschutz verbessern sollen. Die neuen Erkenntnisse werfen nun viele Fragen auf, denn die Emissionen von Millionen Fahrzeugen sind offenbar viel höher und damit werden die Klimaschutzziele nur theoretisch aber nicht auf der Straße erreicht.

Klimafreundlich nur auf dem Papier

Studienleiter Plötz fordert, dass bei den Emissionen reale Daten genutzt werden: “Wir können heute, weil es jetzt die Daten und die Infrastruktur gibt, aufhören, Fahrzeuge nach ihrer Typgenehmigung zu bewerten.” Man könne die Realdaten messen und sagen: Ein Hersteller, der die Grenzwerte auf der Straße nicht einhalte, “der muss vielleicht eine Strafzahlung leisten.”

Keine Stellungnahme von EU-Kommission

Die für CO2 -Grenzwerte zuständige EU-Kommission wollte sich auf Anfrage des SWR noch nicht zu den Ergebnissen der Untersuchung äußern. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte sich auf konkreten Fragen zur Studie ebenfalls nicht – teilte aber ganz allgemein mit, dass die Verbrauchsmessung auf dem Rollenprüfstand ein anerkanntes Verfahren sei:

Verbrauch und CO2-Emissionen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor werden seit 2018 auf dem Rollenprüfstand nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Prüfverfahren WLTP […] ermittelt. Das Verfahren […] wird von vielen Ländern und Regionen weltweit als Maßstab anerkannt. Auf dieser Basis gewährleistet das Verfahren eine zuverlässige und reproduzierbare Bestimmung von Verbrauch und CO2-Emissionen des Neufahrzeugs unter den gesetzlich geregelten Bedingungen.

Umwelthilfe fordert Konsequenzen

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge immer wieder als “Mogelpackung” bezeichnet. “Die politische Aufwertung von klimaschädlichen Plug-in-Hybriden ist eine klima- und industriepolitische Sackgasse. Sie verlängert künstlich die Ära des Verbrennungsmotors, gefährdet die Klimaziele und bindet Investitionen, die wir für echte Nullemissionsfahrzeuge brauchen”, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Statt “Rechentricks” fordere man einen konsequenten Umstieg auf reine Batteriefahrzeuge und einen “starken ÖPNV”.

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