Warum Deutschlands Aufschwung 2026 kein Selbstläufer ist

Warum Deutschlands Aufschwung 2026 kein Selbstläufer ist

Ein Arbeiter führt Schweißarbeiten an einer großen Stahlkonstruktion aus.

Stand: 18.02.2026 05:03 Uhr

Nach Jahren der Schwäche könnte die deutsche Wirtschaft 2026 wieder wachsen. Doch ohne Strukturreformen droht der Aufschwung zu verpuffen – trotz hoher Staatsausgaben.

Angela Göpfert

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft sind so positiv wie lange nicht. Nach zwei Rezessionsjahren und einem Mini-Wachstum von 0,2 Prozent im vergangenen Jahr könnte es mit der deutschen Konjunktur 2026 wieder deutlicher bergauf gehen.

Zwar hat die Bundesregierung ihre Prognose zuletzt eingedampft, sie rechnet nur noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,0 Prozent. Doch einige Ökonomen sind hier klar optimistischer. So trauen etwa die Experten des DIW Berlin der deutschen Wirtschaft ein Wachstum von 1,3 Prozent in diesem Jahr zu.

Industrie zeigt erste Erholungssignale

Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW, zeigt sich im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion sogar noch zuversichtlicher: “Wir prognostizieren ein Wachstum von 1,5 Prozent. Das ist dann nach Jahren der Stagnation – zumindest für deutsche Verhältnisse – ein recht ordentliches Wachstum.”

Positiv stimmen die jüngsten Signale aus der deutschen Industrie. Nach einem anhaltenden Abschwung seit 2018 zeigt sie Anzeichen einer Bodenbildung, ihre Aufträge wuchsen zuletzt überraschend so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Dabei spielten vor allem Großaufträge aus dem Rüstungsbereich eine wichtige Rolle.

Rüstung und Infrastruktur treiben Wachstum 2026

Tatsächlich dürfte das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2026 vor allem vom “Fiskalimpuls” getragen werden, betont KfW-Experte Schumacher – also von den höheren Staatsausgaben insbesondere für Rüstung und Infrastruktur.

Allein 2026 will die Bundesregierung mehr als 108 Milliarden Euro für Verteidigung ausgeben. Experten etwa von Goldman Sachs oder Vanguard beziffern den Effekt dieser Ausgaben auf 0,5 Prozentpunkte Wachstum beim BIP.

Warum der Aufschwung fragil bleibt

Auch 2027 sollen die Staatsausgaben stark wachsen – doch was kommt danach, wenn dieser einmalige Effekt verpufft? Droht Deutschland ein konjunkturelles Strohfeuer?

“Dieses Risiko besteht durchaus”, warnt Edgar Walk, Chefvolkswirt Metzler Asset Management, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Die höheren Staatsausgaben müssten daher mit Strukturreformen ergänzt werden. So sei es wichtig, die Lohnnebenkosten stabil zu halten – dann würden auch wieder mehr Unternehmen in Deutschland investieren, ist Walk überzeugt.

Experten fordern Strukturreformen für nachhaltiges Wachstum

Auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gibt zu bedenken: “Der Staat gibt zwar viel Geld aus – aber die Unternehmen bekommen nicht die Reformen, die sie brauchen.” Krämer sieht das größte Risiko für das deutsche Wirtschaftswachstum daher im Inland, genauer gesagt: in dem mangelnden Konsens innerhalb der Bundesregierung mit Blick auf die dringend benötigten Strukturreformen.

Was es hier braucht, darüber sind sich die Experten überraschend einig: Abbau der Bürokratie, Deregulierung, niedrigere Besteuerung der Unternehmen, geringere oder zumindest stabile Lohnnebenkosten, eine bessere Infrastruktur und niedrige Energiekosten. “All das ist bekannt – es müsste nur gehandelt werden”, so Krämer.

Wieso Spanien schneller wächst als Deutschland

Dass sich Reformen lohnen, zeigt ein Blick auf den europäischen Süden. Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland verzeichnen seit Jahren überdurchschnittlich hohe Wachstumsraten. Auch 2026 dürften sie Deutschland erneut abhängen.

Diese Länder hätten in der Staatsschuldenkrise erhebliche Reformen unternommen, betont Metzler-Ökonom Walk. “Diese Reformen, die jetzt in Deutschland dringend notwendig sind, die haben sie schon gemacht – und davon profitieren sie.”

Reformen als Schlüssel für langfristiges Wachstum

Die Euro-Schuldenkrise ab 2010 hatte Länder wie Spanien, Portugal und Griechenland zu tiefgreifenden Strukturreformen gezwungen. Diese Reformen waren schmerzhaft, verbesserten aber langfristig Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und Investitionsklima. Genau diese Effekte schlagen sich nun in höheren Wachstumsraten nieder – eine Blaupause für die deutsche Wirtschaft?

Fakt ist: Die deutsche Wirtschaft zeigt nach einer langjährigen Schwächephase deutliche Anzeichen einer Besserung – doch die Erholung ist fragil. Um sie nicht zu gefährden, müssen von der Politik nun die Weichen für einen nachhaltigen Aufschwung gestellt werden. Das Beispiel der südeuropäischen Länder zeigt, wie lange es dauert, bis Reformen Wirkung zeigen. Es zeigt aber auch: Es lohnt sich.

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