Hapag-Lloyd will israelische Reederei übernehmen

Hapag-Lloyd will israelische Reederei übernehmen

Blick von der Brücke über das Hapag-Lloyd-Containerschiff «Berlin Express» und den Container Terminal Burchardkai im Hamburger Hafen.


marktbericht

Stand: 16.02.2026 14:16 Uhr

Die Hamburger Reederei plant eine Übernahme der Reederei ZIM aus Israel – ob das gelingt, ist aber auch politisch heikel. An der Börse kommen die Pläne nicht gut an, die Hapag-Aktie fällt.

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd plant eine große Übernahme: Gespräche mit dem israelischen Wettbewerber ZIM seien “weit fortgeschritten”, gab das Unternehmen am Sonntag bekannt. Zu einer Kaufsumme äußerte sich das Unternehmen nicht. Das Handelsblatt gab allerdings unter Berufung auf die israelische Wirtschaftszeitung Calcalist an, dass mit einem Verkaufpreis von über 3,5 Milliarden Dollar zu rechnen sei.

Mit dem Zukauf würde Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Reederei weltweit, sich Platz zehn einverleiben. Den Zukauf sehen Analysten als strategische Investition in einem Markt, für den in der Zukunft mit Schwierigkeiten gerechnet wird. Andere große Reedereien fahren momentan ähnliche Strategien.

So hatten nach Medienberichten auch die weltweit größten Reedereien Moeller Maersk und MSC Interesse an ZIM angemeldet. Das Angebot der gemeinsame Angebot der Hapag mit einem israelischen Partner habe jedoch den Zuschlag erhalten, berichtete die israelische Zeitung Globes.

Analysten von JP Morgan bewerteten die Pläne der Hapag als Möglichkeit, die eigenen Kapazitäten schnell auszubauen, obwohl Werften kurzfristig nicht so viele neue Schiffe liefern könnten. Durch eine Übernahme von ZIM würde das Unternehmen seinen weltweiten Marktanteil demnach von sieben auf knapp unter neun Prozent erhöhen können.

Sicher ist die Übernahme noch nicht. Bislang seien noch keine bindenden Vereinbarungen abgeschlossen worden. Sowohl bei den Hamburgern, als auch bei ZIM müssten die verantwortlichen Gremien noch zustimmen.

Bei ZIM regte sich schon im Dezember erheblicher Widerstand, als die Übernahmegerüchte durch die Hapag zum ersten Mal laut wurden: Grund dafür ist die Aktionärsstruktur der Hapag. Zusammen halten die Staatsfonds von Katar und Saudi Arabien über zwanzig Prozent.

Der Betriebsrat der israelischen Reederei sprach gegenüber der Zeitung Globes von einer “direkten Gefahr für die Sicherheit unseres Landes”. Sollte es zu einem erneuten Nahost-Krieg kommen, könnten die arabischen Anteilseigner Druck auf die Hapag ausüben, die Versorgung Israels einzustellen, so die Sorge des Betriebsrates.

Für das Israel-Geschäft hat sich die Hapag mittlerweile den israelischen Finanzinvestor Fimi Opportunity Funds ins Boot geholt. Auch diese Verhandlungen beschreibt das Unternehmen als weit fortgeschritten. Danach würde die Hamburger Reederei nur das internationale Geschäft übernehmen, die nationalen Geschäfte blieben in israelischer Hand.

Beim Betriebsrat stößt das Vorhaben weiter auf Widerstand. Als Reaktion auf die Bekanntgabe rief er die Beschäftigten zum Streik auf. Als Grund gab er an, in die Entscheidung nicht eingebunden gewesen zu sein.

Sollte die Hapag diese Hürden nehmen, muss sie nicht zuletzt auch den israelischen Staat überzeugen: Eine Zustimmung ist in der Satzung von ZIM vorgeschrieben. Ist das israelische Verkehrsministerium von der Offerte nicht überzeugt, könnte es gegen die Übernahme ein Veto einlegen.

An den Börsen musste Hapag Lloyd nach der Ankündigung Verluste hinnehmen. Die Aktie des DAX-Unternehmens notierte drei Prozent unter ihrem Kurs vom Freitag.

Der Kurs der im Nasdaq gelisteteten ZIM-Aktie kletterte hingegen stark nach oben. Während die Börse in New York wegen eines US-Feiertags geschlossen ist, notierte sie bei Tradegate am Morgen über zwanzig Prozent im Plus. Im weiteren Tagesverlauf schwächte sich das Wachstum etwas ab, am Mittag stand sie noch 16 Prozent über dem Freitagskurs.

Der DAX bewegte sich zum Mittag kaum und notierte bei 24.939 Punkten. Nach einem kurzen Anstieg über die 25.000 Punkte am Morgen fiel er mitunter bis auf 24.900 Punkte zurück.

Gestützt wurde er von Werten aus dem Finanzsektor, die sich aus ihrem Tief erholen. Negative Vorzeichen gab es dagegen für die Chemiebranche.

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