Maul- und Klauenseuche in Südafrika ausgebrochen

Maul- und Klauenseuche in Südafrika ausgebrochen

Landarbeiter treiben Rinder zu einer Rampe, wo sie gegen Maul- und Klauenseuche geimpft werden.

Stand: 16.02.2026 12:40 Uhr

Südafrika erlebt einen der schwersten Ausbrüche der Maul- und Klauenseuche, die das Land je erlebt hat. Hunderttausende Tiere sind erkrankt oder unter Beobachtung. Die Regierung spricht von einer nationalen Katastrophe.

Stephan Ueberbach

Bauernhöfe stehen unter Quarantäne, Tiertransporte wurden gestoppt, Vieh-Auktionen abgesagt, ganze Herden sind geschlachtet worden: Die Maul- und Klauenseuche hat sich in fast allen südafrikanischen Provinzen ausgebreitet. Am schwersten getroffen sind die wirtschaftsstarken Regionen Gauteng und KwaZulu-Natal.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa spricht von einem der schlimmsten Ausbrüche, die das Land je erlebt hat. “Diese Krankheit schadet unserer Wirtschaft, führt zu Exportverboten, Handelsbeschränkungen und zur Vernichtung ganzer Herden”, so Ramaphosa. Etwa 14 Millionen Rinder stehen auf den südafrikanischen Weiden.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Milch- und Fleischproduktion ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Südafrika, mit Umsätzen von umgerechnet rund drei Milliarden Euro im Jahr und zehntausenden Arbeitsplätzen. Milchbauer James Kean aus Mooi River im Osten des Landes sagte der Nachrichtenagentur Reuters: “Wenn wir und andere Betriebe schließen müssen, verschwinden auch Jobs.”

Wenn die Tierpopulation zurückgehe und es keine Ersatztiere gebe, könne sich der Bestand innerhalb von zwei Jahren halbieren, so Kean. Das könne wiederum zu steigenden Lebensmittelpreisen führen: “Angesichts von Arbeitslosigkeit und weniger verfügbarem Geld ist das kein schönes Szenario.”

Für Menschen ungefährlich

Für Menschen ist die Seuche ungefährlich, für Rinder jedoch äußerst ansteckend. Selbst wenn Tiere überleben, gehen Milchleistung und Schlachtgewicht spürbar zurück. Für Milchbauer Kean bedeutet das: steigende Kosten für Arzneimittel und Schutzmaßnahmen, während die Umsätze gleichzeitig zurückgehen. Statt wie vor dem Ausbruch 25.000 bis 26.000 Liter pro Tag würden aktuell nur noch etwa 23.000 Liter produziert.

Die Preise für Milch und Fleisch haben in den letzten Wochen bereits spürbar angezogen. Südafrikas Regierung will den gesamten Rinderbestand so schnell wie möglich gegen die Seuche immunisieren. Dafür werden rund 28 Millionen Impfdosen gebraucht. Allerdings ist die heimische Produktion erst Anfang des Jahres wieder angelaufen, nach 20-jähriger Pause.

Die meisten Impfstoffe werden importiert

Der Großteil der Impfstoffe muss im Ausland eingekauft werden, etwa in Botswana, Argentinien oder der Türkei. Nach Angaben des Agrar-Ökonoms Wandile Sihlobo ist Südafrika stark von Importen abhängig. Das Tempo, mit dem das Land vorankomme, sei jedoch ermutigend. “Wir hoffen nur, dass wir in den nächsten Wochen und Monaten diese Impfstoffe in das Land bekommen, denn die Schäden für die Landwirte sind erheblich”, so Sihlobo.

Einstufung als nationale Katastrophe

Präsident Ramaphosa hat die Seuche inzwischen als nationale Katastrophe eingestuft, um die Hilfsmaßnahmen besser koordinieren zu können und auch, um die zentrale Beschaffung der Impfstoffe zu steuern. Wir wollen damit sicherstellen, dass wir den richtigen Wirkstoff für den Virus-Stamm erhalten, der in Südafrika vorkommt, so Ramaphosa. Die Regierung werde eng mit dem Privatsektor zusammenarbeiten, um eine effiziente Umsetzung zu gewährleisten. Und man werde sicherstellen, “dass alle Landwirte sofortigen Zugang zu Impfstoffen bekommen”.

Bauern werfen spätes Handeln vor

Bauernverbände werfen der Regierung vor, nicht konsequent genug auf den Ausbruch der Seuche reagiert zu haben. Es sei vor allem zu wenig getestet und zu spät mit den Impfungen begonnen worden.

Experten gehen allerdings davon aus, dass es noch gelingen könnte, die ansteckende Krankheit einzudämmen. Aber nur dann, wenn der Großteil der Rinder wie geplant schnell immunisiert und gleichzeitig das Quarantäneprogramm strikt durchgehalten wird.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *