Wohlstandsdebatte: Schlechte Chefs belasten die Wirtschaft

Wohlstandsdebatte: Schlechte Chefs belasten die Wirtschaft

Silhouetten von zwei Männern auf dem Weg durch einen verglasten Gebäudegang.

Stand: 15.02.2026 08:39 Uhr

Mehr arbeiten für mehr Wohlstand: Diese Debatte beschäftigt die Politik. Die Rolle der Führungskräfte kommt dabei bislang kaum vor. Studien aber zeigen: schlechte Chefs belasten die Produktivität.

Sebastian Schreiber

Wer über schlechte Chefs spricht, kommt an einem Mann kaum vorbei: Bernd Stromberg, leitender Mitarbeiter der Capitol Versicherung AG. Die TV-Figur steht für Inkompetenz, Egozentrik und fehlende Empathie. Wie nah ist die Satire an der Realität in deutschen Büros?

Ganz so überspitzt gehe es da nicht zu, sagt Autor und Managementberater Kishor Sridhar. Auf der anderen Seite hätten viele Stromberg lieb gewonnen, eben weil er durchaus nah an der Realität sei. “Wir alle haben so ein bisschen unseren inneren Stromberg”, so Sridhar, der darin eine Mischung aus Ego und Angst sieht: “Das steckt doch in allen von uns drin.”

Deutsche laut Studie mit Chefs unzufrieden

Studien zeigen: Viele Beschäftigte in Deutschland bemängeln die Leistung ihrer Chefinnen und Chefs. Nach einer repräsentativen Befragung der Marktforscher von Gallup waren 2024 nur 16 Prozent der Beschäftigten mit ihren Vorgesetzten vollkommen zufrieden. Das wiederum kann sich negativ auf die Motivation auswirken. 78 Prozent der Befragten gaben laut Gallup an, bei der Arbeit nur Dienst nach Vorschrift zu machen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wiederum kommt zu anderen Schlüssen. Das IW sieht kein allgemeines Motivationsproblem. In einer Befragung der Kölner Wirtschaftsforscher aus dem Jahr 2024 gab die große Mehrheit der Befragten an, mit der eigenen Arbeit zufrieden zu sein.

Schlechte Führung kostet Wirtschaft Milliarden

Was aber können die Vorgesetzten in Deutschlands Unternehmen künftig besser machen? Managementberater Kishor Sridhar berichtet, viele Chefs nähmen sich zu wichtig: “Führung ist immer ein Entwicklungsprozess. Die meisten Führungskräfte haben aber Angst vor Entwicklungsgesprächen. Weil sie eben Fachexperten sind, aber keine Führungsexperten.”

In der Folge kann ein schlechter Führungsstil auch die Produktivität der Unternehmen belasten. Die Meinungsforscher von Gallup gehen davon aus, dass der deutschen Volkswirtschaft zuletzt etwa 113 Milliarden Euro verloren gegangen sind, weil Beschäftigte innerlich schon gekündigt haben. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sind das mehr als zwei Prozent Wirtschaftsleistung.

Auch Beschäftigte für gute Führung gefragt

Das Engagement der Beschäftigten sei am Ende entscheidend für die Produktivität, so Wirtschaftsprofessorin Christina Hoon von der Universität Bielefeld. Hier könne die Unternehmensführung entscheidend unterstützen: “Gute Führung motiviert, fördert Talente und schafft Vertrauen. Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt fühlen, arbeiten kreativer, effizienter und loyaler.” Daraus könne ein Wettbewerbsvorteil entstehen, so die Bielefelder Wirtschaftsprofessorin.

Dabei betont Hoon, nicht nur die Spitze der Unternehmen trage dafür die Verantwortung. Auch die Beschäftigten seien in der Pflicht. Gute Führung komme auch aus er Belegschaft; es gehe dabei nicht um eine bestimmte Position, sondern um eine Haltung: “Und es reicht nicht aus, wenn nur das Top-Management gut führt. Wirksam wird Führung erst, wenn es auf allen Ebenen gelebt wird.”

Chefetagen als Teil der Wohlstandsdebatte

Die Erkenntnisse der Wirtschaftsforscher zeigen: Eine Debatte über Motivation, Arbeitszeiten und Krankenstände lässt sich ohne den Blick in die Chefetagen kaum führen. Dort gibt es in Deutschland – das zeigen die Studien – durchaus noch Luft nach oben.

Eine größere Motivation, mehr Wertschätzung und bessere Entwicklungsmöglichkeiten: All das könnte dazu führen, dass Mitarbeitende in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eher bereit sind, auch ein Stück der unternehmerischen Verantwortung zu tragen.

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