Europamagazin
In Polen soll eine US-Basis groß ausgebaut werden und dann auch gleich einen zeitgemäßen Namen bekommen: Fort Trump. In Bolesławiec freut man sich auf mehr Sicherheit und Umsatz. Und doch wächst die Skepsis gegenüber den USA.
Die Pläne gibt es schon lange, den Namen hat noch der frühere Präsident Andrzej Duda erfunden: Fort Trump. Polen baut eine neue große amerikanische Militärbasis und lässt sich das umgerechnet 500 Millionen Euro kosten. Man sei ein vorbildlicher Verbündeter, und die USA seien Polens Sicherheitsgarant, sagt Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz bei der Ankündigung.
Und er wird erstmals konkreter: Im niederschlesischen Bolesławiec soll Fort Trump entstehen, mehrere Stützpunkte gehören dazu. Auch den benachbarten Flughafen von Breslau, so der Minister, wolle man gemeinsam mit den Amerikanern ausbauen – zur größten Drehscheibe der US-Army in Europa.
Eine kleine Basis wird deutlich größer
Bolesławiec, früher Bunzlau, ist ein hübsches, eher verschlafenes Städtchen. Auf manchen Dächern und Mauern stehen übergoße Keramiktassen und -kannen: Bolesławiec ist bekannt für sein buntes Keramikgeschirr.
40.000 Einwohner hat die Stadt, einen restaurierten Marktplatz, auf dem gleich mehrere Restaurants mit englischen Speisekarten werben.
Denn seit bald zehn Jahren gibt es bereits eine kleinere US-Base in der Nähe, “Camp Boles” nennen die Amerikaner sie. Dass die nun zum Fort Trump ausgebaut werden soll, finden viele hier gut. “Ich denke, dass es dann noch sicherer wird hier, ich freue mich”, sagt Ewelina, eine junge Frau mit Kind.
“Für uns immer noch die Nummer eins”
Bürgermeister Piotr Roman hat sein Büro im historischen Rathaus direkt am Marktplatz. Man habe die Amerikaner gern in der Stadt, sie belebten das Geschäft. Früher habe es nur drei Restaurants in der Innenstadt gegeben. Seitdem die Base nebenan sei, seien es 20.
Wenn sie nun größer werde, sei das umso besser. Die Stadt schießt sogar Geld für den Bau von Fort Trump dazu. Aber dem Bürgermeister geht es nicht nur um Wirtschaft:
Ich weiß, welche Rolle die Amerikaner für uns und unsere Freiheit gespielt haben. Nach dem zweiten Weltkrieg, auch nach dem Ende des Kommunismus. Die USA sind für uns immer noch die Nummer eins, die Macht, die uns mit unserer Geschichte und unserer Geografie am besten helfen kann.
Günstiger als in Deutschland
Insgesamt fast 10.000 amerikanische Soldaten und Soldatinnen sind im Land, und der Gastgeber übernimmt schon jetzt einen Großteil der Kosten selbst. Pro Kopf und Jahr zahlt Polen umgerechnet 13.000 Euro: Einheiten hier zu stationieren, ist für die US-Army viel günstiger als etwa in Deutschland.
Für US-Präsident Donald Trump, der immer mal wieder mit dem Abzug der US-Truppen aus Europa droht, könnte das ein Faktor sein, sagt der Politologe Tomasz Pawłuszko.
Es geht darum, die USA nach Polen zu ziehen. Und damit auch in Europa zu halten. Wir kennen ja die Rhetorik von Präsident Trump gegenüber Europa, die ist nicht gerade freundlich. Wenn die polnische Regierung solche Projekte wie den neuen Stützpunkt vorschlägt, denkt sie nicht nur egoistisch, sondern an die Sicherheit von ganz Europa.
“Niemals Vasall”
Allerdings knirscht es derzeit auch im polnisch-amerikanischen Verhältnis. Der Parlamentssprecher weigert sich, eine Nominierung Trumps für den Nobelpreis zu unterstützen, Regierungschef Donald Tusk hat gerade Trumps Friedensrat eine Absage erteilt und sehr deutlich Grenzen gesetzt:
Polen wird, solange ich Premierminister bin, im Bündnis mit den USA nicht der Vasall sein. Es wird immer ein loyaler, treuer und vertrauenswürdiger Verbündeter sein, aber niemals ein Vasall, gegenüber keinem Land der Welt.
Die Zuneigung kühlt ab
Dabei sind die USA traditionell der wichtigste Partner Polens, Antiamerikanismus findet man hier, anders als in anderen westlichen Gesellschaften, kaum. Doch kühlt die Zuneigung der Polinnen und Polen zum großen Bruder ab. Laut einer neuen Umfrage vertraut nur noch knapp die Hälfte den USA – ein negativer Rekordwert im Land.
Dennoch bleibt man pragmatisch: Man müsse sich in diesen Zeiten fragen, unter wessen Stiefel man lieber sein wolle, sagt Hubert auf dem Marktpkatz in Bolesławiec. Unter dem amerikanischen oder dem chinesischen – den russischen gebe es ja ohnehin nicht mehr. “Und wenn ich die Wahl habe zwischen USA und China, dann bin ich heute doch lieber unter dem amerikanischen Stiefel.”
Wann wirklich gebaut wird, wie viele Amerikaner tatsächlich kommen, all das ist bislang unklar. Noch ist Fort Trump ein politisches Projekt. Eines, das vor allem den Mann im Weißen Haus beeindrucken soll, schon mit dem Namen. Fort Trump, drunter geht es nicht – man weiß, worauf Donald Trump steht.
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