Im Südsudan eskaliert erneut die Gewalt, Hunderttausende sind auf der Flucht. Die Gewalt verschärft die bestehende Hungerkrise weiter: Mehr als eine Million Menschen sind laut NGOs betroffen. Die UN fordern ein Ende der Kämpfe.
Im Südsudan haben neue Kämpfe die Ernährungskrise weiter verschärft. 1,3 Millionen Menschen leiden unter extremem Nahrungsmittelmangel und akuter Mangelernährung, teilte das Hilfswerk CARE mit. 28.000 Menschen seien akut vom Verhungern bedroht.
Durch die seit Dezember tobenden Kämpfe habe sich die Situation weiter verschärft. Insbesondere im östlichen Bundesstaat Jonglei an der Grenze zu Äthiopien hätten über 230.000 Menschen fliehen müssen, erklärte das Hilfswerk.
Auch Kliniken müssen schließen
Märkte und Nahrungsmittel-Verteilungsstellen seien vielerorts geplündert worden und hätten den Betrieb einstellen müssen, hieß es weiter. Die lebensrettende Versorgung für Kinder, Schwangere und stillende Frauen sowie Menschen mit chronischen Krankheiten sei dadurch unterbrochen worden.
Die Hilfsorganisation Oxfam berichtet zudem von geplünderten Gesundheitseinrichtungen. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage habe man einige Aktivitäten aussetzen müssen. Ganze Kliniken mussten demnach geschlossen werden.
Hunderttausende auf der Flucht
Seit Ende 2025 sind Hunderttausende Menschen im Südsudan vor der neu entfachten Gewalt geflüchtet. Gefechte toben vor allem in dem an der Grenze zu Äthiopien gelegenen Bundesstaat Jonglei sowie in Eastern Equatoria und Central Equatoria.
Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mitteilte, sind viele Menschen nach heftigem Regen in überflutetem Gelände unterwegs. Sie wüssten nicht, wo sie die nächste Mahlzeit finden können und seien gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Seit der Verschärfung des Konflikts habe das IKRK mehr als 600 Menschen mit Schussverletzungen operiert.
Besonders schwierig sei die Lage für Frauen und Mädchen, sagte James Akai, CARE-Länderdirektor im Südsudan, gegenüber der ARD. “Sie wurden mehrmals vertrieben, es gibt keine Stabilität, sie haben keine Möglichkeit, sich um sich selbst zu kümmern.”
UN-Sicherheitsrat warnt
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zeigte sich besorgt über die Eskalation. Die anhaltenden Verstöße gegen das Friedensabkommen von 2018 durch rivalisierende Streitkräfte und Milizen untergrüben die Stabilität und verschlechterten die humanitäre Lage in dem Land, erklärte das Gremium.
Die Mitglieder des Sicherheitsrats riefen dazu auf, die Feindseligkeiten unverzüglich einzustellen, und richteten zugleich eine Warnung an die Konfliktparteien: Wer Kriegsverbrechen anordne, könne nach internationalem Recht zur Verantwortung gezogen werden.
Ein Land, das nicht zur Ruhe kommt
Der Südsudan hatte sich 2011 vom Sudan abgespalten. Nach der Unabhängigkeit begann ein Bürgerkrieg, der 2018 mit einem Abkommen zwischen den Konfliktparteien endete. Mit dem Kompromiss wurde eine gemeinsame Regierung von Präsident Salva Kiir und Vizepräsident Riek Machar gebildet, die sich zuvor in dem Konflikt gegenübergestanden hatten. Das Abkommen wurde aber wiederholt gebrochen.
Der Südsudan gilt trotz großer Ölvorkommen als einer der ärmsten Staaten der Welt.
Mit Informationen von Nina Amin, ARD-Studio Kairo.
