Deutschlandfonds: Wie der Bund private Investitionen fördern will

Deutschlandfonds: Wie der Bund private Investitionen fördern will

Kräne einer Großbaustelle im Abendlicht.

Stand: 12.02.2026 10:01 Uhr

Private Investitionen sind ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit geht. Der Bund will mit dem “Deutschlandfonds” dafür Anreize setzen.

Hans-Joachim Vieweger

Ein “Sondervermögen” in Höhe von 500 Milliarden, um Investitionen in Infrastruktur zu finanzieren, weitere Schulden, die massive Rüstungsausgaben ermöglichen: All das klingt gigantisch. Ob die Wirtschaft dauerhaft wächst, hängt aber vor allem von den privaten Investitionen ab, die ein Vielfaches der öffentlichen Investitionen ausmachen.

Doch die schwächeln. Zuletzt lagen die Investitionen der Unternehmen in Deutschland unter Berücksichtigung der Inflation um 6,9 Prozent unter dem Niveau von 2019, wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) feststellt. Mit dem kürzlich vorgestellten Deutschlandfonds will der Bund gegensteuern.

Lithium fördern mithilfe des Rohstofffonds

Ein Thema für diesen Deutschlandfonds sind Rohstoffe. Seit langem wird die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von wenigen Ländern beklagt. Schon die Ampel-Regierung richtete deshalb einen Fonds ein, um Unternehmen zu unterstützen, die für mehr Diversifizierung beim Zugang zu Rohstoffen sorgen.

Doch es dauerte bis zum Dezember 2025, bis es zu einer ersten Vereinbarung kam. Und zwar mit dem deutsch-australischen Unternehmen Vulcan Energy. Dieses will in der Region um Landau in Rheinland-Pfalz Lithium fördern. Lithium, das seit 2023 auf der Liste strategisch wichtiger Rohstoffe der Europäischen Union steht, wird insbesondere für die Herstellung von Batterien für E-Autos gebraucht.

Signal mit “sehr hoher Wirkung”

Vulcan-Energy-Geschäftsführer Thorsten Weimann formulierte im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio das Ziel, im Oberrheingraben Lithium für etwa 500.000 Fahrzeuge pro Jahr zu gewinnen: “Damit können wir in einem gewissen Maß dazu beitragen, die Versorgung für Deutschland sicherzustellen.”

Ganz wesentlich für das Projekt ist die Förderung aus dem Rohstofffonds des Bundes, der sich mit 150 Millionen Euro beteiligt. Nicht nur wegen der Kapitalspritze selbst, betont Vulcan-Energy-Manager Weimann: Die Beteiligung des Bundes über die staatliche KfW-Förderbank sei auch ein Signal und habe damit “für weitere Investoren und auch Fremdkapitalgeber eine sehr hohe Wirkung”; zugleich helfe sie bei der öffentlichen Akzeptanz des Projekts.

Bund steigt über die KfW ein

Auch KfW-Vorstandschef Stefan Wintels sieht die Beteiligung des Bundes als gutes Beispiel dafür, “wie wir die Rohstoffversorgung in Deutschland sicherstellen, aber auch privates Kapital hebeln”. Immerhin sei mithilfe des Einstiegs des Bundes über die KfW eine Gesamtinvestition von mehr als zwei Milliarden Euro angestoßen worden.

Der Zusammenarbeit mit Vulcan Energy sollen schon bald weitere Investments folgen: “Wir haben beim Rohstofffonds mehr als 50 Projekte in der Pipeline, die wir auf die Machbarkeit überprüfen.” Er sei zuversichtlich, dass noch im laufenden Quartal ein weiteres Projekt mit Beteiligung des Rohstofffonds annonciert werden könne.

Kein Fonds im klassischen Sinn

Nun ist der Rohstofffonds nur ein Baustein des Deutschlandfonds, den die schwarz-rote Regierung im Dezember offiziell vorgestellte. Wobei der Name “Deutschlandfonds” in die Irre führt: Es handelt sich weder um einen klassischen Investmentfonds, in den Sparer einzahlen können, noch um einen Staatsfonds wie im Fall Norwegens, in dem Erträge aus der Öl- und Gasindustrie gesammelt und neu investiert werden.

Vielmehr handelt es sich beim Deutschlandfonds um eine Art Dachmarke für verschiedene Förderprogramme, die über die KfW-Bank vermittelt werden. In den Worten von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD): “Der Deutschlandfonds bietet eine breite Palette an Instrumenten, die auf unterschiedliche Bedarfe unserer Wirtschaft zugeschnitten sind.”

Wenn Start-ups wachsen und Kapital brauchen

Im Blick ist beispielsweise der Bedarf junger Unternehmen, die zwar den Start gut bewältigt haben, aber dann viel Kapital brauchen, um sich etablieren zu können. Von “Scale-up”-Finanzierung ist hier die Rede. Ein entsprechendes Finanzierungsinstrument des Deutschlandfonds nutzt der Drohnenhersteller Quantum Systems. Das Unternehmen aus Gilching bei München hat als erster Partner aus dem “Scale-up Direkt”-Programm der KfW eine Finanzierungszusage für die kommenden Jahre erhalten.

Laut Jonas Jarosch, dem Finanzvorstand von Quantum Systems, ermöglicht das, die Produktion, aber auch Entwicklung und Forschung voranzutreiben. Das sei entscheidend, um bei der Entwicklung und dem Bau von Drohnen unabhängiger von den USA und anderen Ländern zu werden – ein wichtiger Faktor in einer Zeit geopolitischer Unsicherheit.

Investitionen im Energiesektor

Eine weitere Säule des Deutschlandfonds betrifft schließlich den Energiesektor, erläutert KfW-Vorstand Wintels: Allein für die Modernisierung und den Ausbau der kommunalen Energie- und Wärmeversorgung würden bis 2045 Investitionen in Höhe von mehr als 550 Milliarden Euro benötigt. Die meist kommunalen Unternehmen bräuchten hierfür dringend Unterstützung bei der Finanzierung.

So plant die KfW gemeinsam mit den Hausbanken der kommunalen Versorger eine besondere Form der Finanzierung, bei der Haftungsrisiken teilweise durch die KfW beziehungsweise den Staat übernommen werden. Das führe, so Vorstand Wintels, zu einer Entlastung der Banken in ihren Bilanzen und ermögliche ihnen dadurch, den kommunalen Versorgern mehr Kredite zu gewähren.

Garantien senken das Risiko

Häufig könnten auch Garantien, die der Bund über die KfW gibt, neue Investitionen erleichtern. In Zusammenarbeit mit Versicherern wird beispielsweise das Risiko abgefedert, ob Bohrungen nach neuen heißen Geothermie-Quellen auch wirklich erfolgreich sind.

Insgesamt sollen durch den Einsatz von bis zu 30 Milliarden Euro im Deutschlandfonds Investitionen von mehr als 100 Milliarden angestoßen werden – so die Erwartung der Bundesregierung.

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