Luxus-Strategie: Mercedes-Benz lenkt ein | tagesschau.de

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Verschiedene Mercedes-Benz-Fahrzeuge in der Produktionshalle „Factory 56“.


analyse

Stand: 12.02.2026 15:03 Uhr

Der Gewinn von Mercedes-Benz ist drastisch gesunken. Die Gründe liegen vor allem in China und den Vereinigten Staaten. Der Autobauer reagiert mit einer Anpassung der Strategie.

Tobias Faißt

Die Mercedes-Benz-Niederlassung im baden-württembergischen Pforzheim strahlt seit ein paar Monaten in neuem Glanz. Sie wurde komplett neu gebaut. Im Stil der Marke von Mercedes: High-Class. Luxuriös. Passend dazu konzentriert sich der Autobauer seit 2022 strategisch auf Luxus-Autos, die im Vergleich zu den Einstiegsmodellen pro Stück mehr Gewinn einbringen. Für Händler wie die Pforzheimer Niederlassung ist aber auch der Verkauf einer A-Klasse strategisch wichtig. “Wir wollen ja auch neue Zielgruppen ins Haus bekommen. Ins Haus Mercedes-Benz”, sagt der Vertriebsleiter in Pforzheim, John-David Kazmierczak.

Das Gesamthaus Mercedes-Benz hat jedoch kein gutes Jahr hinter sich. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Gewinn 2025 um 49 Prozent eingebrochen: Es sind 5,3 Milliarden Euro statt zuvor 10,4 Milliarden. Der Umsatz fiel um neun Prozent auf 132,2 Milliarden Euro. “In einem dynamischen Marktumfeld lagen unsere finanziellen Ergebnisse im Rahmen unserer Prognose”, versichert Mercedes-Chef Ola Källenius. Analysten hatten zuvor jedoch mit leicht besseren Zahlen gerechnet.

A-Klasse soll Nachfolger bekommen

Das dynamische – zu Deutsch: schwierige – Marktumfeld resultiert aus dem Zollstreit mit den USA und einem intensiven Wettbewerb in China. Dort machen mittlerweile Konkurrenten Mercedes-Benz die Kunden im Luxus-Bereich zunehmend streitig. In dem für den Hersteller wichtigsten Markt sind die Verkaufszahlen eingebrochen: im Vergleich zu 2024 verkaufte Mercedes in China vergangenes Jahr 19 Prozent weniger Fahrzeuge. Auf die dynamische Marktlage reagiert das Unternehmen mit einer Anpassung seiner 2022 ausgerufenen Luxus-Strategie und führt das Einstiegsmodell der A-Klasse nun doch fort.

Hinweise, dass es auch künftig ein preisgünstigeres Modell von Mercedes geben wird, hatte es in den vergangenen Monaten immer wieder gegeben. Die A-Klasse soll einen Nachfolger bekommen – “hot as hell”, wie Källenius bei der Vorstellung der Jahreszahlen heute verspricht.

Weniger Luxus, mehr Elektro?

Aus Sicht von Helena Wisbert, Professorin für Automobilwirtschaft an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg, korrigiert Mercedes die ausgerufene Luxus-Strategie: Der Plan, den Durchschnittspreis der Autos auf 100.000 Euro ansteigen lassen, habe nicht funktioniert, meint Wisbert. “Jetzt muss Mercedes eben den anderen Weg gehen und wieder mehr Autos verkaufen.” Erschwingliche Autos für alle statt Luxusautos für wenige: So lässt sich die Entscheidung für eine neue A-Klasse zusammenfassen. Sofern 40.000 Euro für ein Auto als erschwinglich gelten. Denn so viel kostet eine A-Klasse aktuell etwa.

Bis 2027 möchte Mercedes nach eigenen Angaben 40 neue Modelle auf den Markt bringen. CLA GLB und GLC sind schon 2025 an den Start gegangen. Mit der “größten Produktoffensive der Geschichte” soll der Erfolg zurückkehren. China bleibt dafür ein wichtiger Markt.

Allerdings sei die elektrische S-Klasse EQS, sagt Autoexpertin Beatrix Keim, Direktorin am Center Automotive Research, dort “ziemlich durchgefallen”. Das ist ein Problem, denn E-Autos und Hybride sind beliebt in der Volksrepublik. Laut Keim liegt ihr Anteil bei den Neufahrzeugen bei über 50 Prozent – ein Drittel davon seien reine E-Autos. Dass die neue S-Klasse, die Mercedes kürzlich in Stuttgart vorgestellt hat, erstmal nicht als reine Elektrovariante angeboten werde, ist aus Keims Sicht deshalb “ein Fehler”.

Anpassung statt Neuausrichtung

Es ist nicht die erste Strategie von Ola Källenius, die er nachträglich korrigiert. “Electric Only” lautete einst das Ziel bis Ende des Jahrzehnts. Dieses Ziel wurde kassiert, weil der Hochlauf der Elektromobilität langsamer voranging als gedacht. Dennoch bekennt sich Källenius heute klar zur klimaneutralen Mobilität als langfristiges Ziel.

Nun justiert Mercedes auch die Luxus-Strategie, doch der Fokus soll auch weiterhin auf Modellen im Hochpreissegment bleiben. “Das ist der wichtigste Teil unserer Profitabilität”, unterstreicht Källenius. Eine Anpassung also, keine komplette Neuausrichtung. “In einer anderen Zeit hätte es vielleicht Konsequenzen gehabt, jetzt aber wohl nicht”, sagt Helena Wisbert. Källenius’ Entscheidungen mit Blick auf die genannten Strategien seien wegen der veränderten Lage auf den wichtigsten Märkten nachvollziehbar.

“Die aktuelle Generation der A-Klasse läuft noch bis Ende des nächsten Jahres. Ich kann Ihnen also den Nachfolger nicht zeigen”, sagt Källenius und baut damit etwas Spannung auf. Händler wie John-David Kazmierczak in Pforzheim, dessen Unternehmen mit dem teuren Neubau seines Autohauses ein Zeichen gesetzt hat, dürften das Modell freudig erwarten.

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