Richterbund: Warnung vor Folgen durch viele offene Strafverfahren

Richterbund: Warnung vor Folgen durch viele offene Strafverfahren

Akten werden auf einen Tisch gelegt.

Stand: 12.02.2026 15:53 Uhr

Die Zahl unerledigter Strafverfahren hat einen neuen Höchststand erreicht. Laut Deutschem Richterbund sind Gerichte und Staatsanwaltschaften massiv überlastet. Es mussten bereits Tatverdächtige aus der U-Haft entlassen werden.

Die unerledigten Strafverfahren in Deutschland haben erstmals die Marke von einer Million überschritten. Wie der Deutsche Richterbund mitteilte, waren Ende 2025 mehr als eine Million Verfahren bei der Staatsanwaltschaft anhängig.

Der Bundesgeschäftsführer des Richterbunds, Sven Rebehn, sagte der Rheinischen Post, im Jahr 2025 habe man – wie schon in den beiden Jahren zuvor – rund 5,5 Millionen neue Strafverfahren bei den Staatsanwaltschaften gehabt. Gleichzeitig wachse der Berg unerledigter Fälle weiter an. Zum Vergleich: Ende 2020 hatte die Behörde noch rund 700.000 offene Verfahren registriert. Das entspricht einem Anstieg von fast 50 Prozent in fünf Jahren.

Bundesweit fehlen laut Richterbund 2.000 Stellen

Nach Angaben des Richterbunds sind Gerichte und Staatsanwaltschaften strukturell überlastet. Ohne zusätzliches Personal lasse sich der wachsende Aktenberg nicht abbauen. Bundesweit fehlten rund 2.000 Staatsanwälte und Strafrichter.

Jahr für Jahr würden Ermittler einen immer größeren Bestand an Verfahren vor sich herschieben, sagt Rebehn. Die personelle Ausstattung halte mit der steigenden Zahl der Verfahren nicht Schritt.

Tatverdächtige aus Untersuchungshaft entlassen

Als besonders problematisch bezeichnete der Richterbund die Folgen überlanger Verfahrensdauern. Im Jahr 2025 seien bundesweit 50 dringend Tatverdächtige aus der Untersuchungshaft entlassen worden, weil gesetzliche Fristen überschritten worden seien. Dabei gehe es in der Regel um schwere Vorwürfe wie Tötungsdelikte, Vergewaltigungen oder schwere Körperverletzungen.

Wenn Verfahren nicht zügig genug vorangetrieben werden könnten, dürften Beschuldigte nicht unbegrenzt in Untersuchungshaft bleiben. Das könne für die öffentliche Sicherheit problematisch sein, so die Warnung.

Deutlich mehr Klagen gegen Asylbescheide

Auch an den Verwaltungsgerichten steigt die Belastung. Grund dafür sind immer mehr Klagen gegen Asylbescheide. Nach Angaben des Richterbunds hat sich die Zahl der neu eingegangenen Verfahren in Asylsachen in den vergangenen drei Jahren mehr als verdoppelt. Waren es 2022 noch rund 62.000 Klagen, seien es im vergangenen Jahr mehr als 140.000 Verfahren gewesen.

Hintergrund ist demnach, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Asylanträge schneller bearbeitet und häufiger ablehnt. Diese Entscheidungen würden anschließend verstärkt juristisch angefochten und landeten so bei den Gerichten. Der Deutsche Richterbund fordert angesichts der Entwicklungen eine deutlich personelle Verstärkung in der Justiz.

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