22 Filme werden bei der heute beginnenden Berlinale gezeigt – darunter drei überwiegend in Deutschland produzierte. Internationale Produktionen weichen oft in günstigere Länder aus. Die Bundesregierung will das ändern.
Am Tag vor der Eröffnung des Filmfestivals wird am Berlinale Palast am Potsdamer Platz gesaugt, gehämmert und geklopft – Laubbläser pusten keine braunen Blätter auf einen Haufen, sondern den Streusplitt, der die vereisten Gehwege der vergangenen Wochen weniger gefährlich machen sollte.
Alles soll stimmen, wenn am Abend im Kino die Lichter ausgehen und der in Hamburg gedrehte Film “No Good Men” die Filmfestspiele eröffnet. Auch in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen entstanden Aufnahmen. Dabei werden Filmproduktionen in Deutschland seltener, selbst der heimische Oscar-Preisträger “Im Westen nichts Neues” entstand größtenteils in Tschechien.
Investitionspflicht für Streamingdienste
Die Bundesregierung will den Filmstandort Deutschland stärken, auch mit Hilfe einer Investitionspflicht für Streamingdienste wie Netflix, Disney oder Amazon. Diese Investitionspflicht wurde vor kurzem beschlossen, sie schließt auch deutsche Fernsehsender mit ein. Geht es nach der schwarz-roten Koalition, sollen künftig mindestens acht Prozent des jährlichen Umsatzes von Streamingdiensten in die lokale Film- und Serienproduktion investiert werden. Die Politik behält sich ein Mitspracherecht vor, wo dieses Geld hinfließt, es könnte beispielsweise nur für Filme in deutscher Sprache reserviert werden.
Der Plan hat ein Stufensystem: Je mehr ein Streamingdienst bereit ist zu zahlen, desto lockerer werden die Bedingungen. Steuert ein Streaminganbieter beispielsweise 12 Prozent seines Umsatzes oder mehr bei, sollen die strikten Vorgaben nicht mehr gelten. Dann darf beispielsweise auf Englisch gedreht werden. Das würde hiesige Produktionsstätten für internationale Plattformen attraktiv machen, so die Hoffnung. Denn Produktionen in deutscher Sprache sind nur bedingt exportfähig.
12.000 Menschen sind in Deutschland in der Filmbranche tätig, neue Aufträge dringend nötig. Der Investitionspakt setze optimale Rahmenbedingungen, um den Filmstandort Deutschland mit all seinen Talenten vor und hinter der Kamera wieder international wettbewerbsfähig zu machen, erklärt Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.
Weimer setzte zunächst auf freiwilligen Beitrag
Auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Anja Weisgerber, sieht in der Pflicht zur Investition den richtigen Weg. Mit dem Investitionspakt sei sichergestellt, dass Streamingdienste künftig verbindlich zur Finanzierung europäischer und deutscher Filmproduktionen beitragen, sagt Weisgerber, die Einigung gebe der Filmwirtschaft hierzulande endlich echte Planungssicherheit.
Aus der SPD heißt es, wer hier Gewinne macht, muss auch hier Verantwortung übernehmen. Die Partei hatte auf eine verpflichtende Quote beharrt. Der parteilose Kulturstaatsminister dagegen hatte sich lange für eine rein freiwillige Regelung stark gemacht. Sehr zum Missfallen von Sven Lehmann, Vorsitzender des Kulturausschusses. Der Grünen-Politiker ist zufrieden mit dem Kompromiss, allerdings nicht mit der Mindestquote von acht Prozent. Seiner Meinung nach sollte sich Deutschland an Ländern wie Frankreich orientieren, dort müssen Streamer 20 Prozent ihres Umsatzes abführen. Anbieter wie Netflix, Prime Video, Disney+ und Apple TV+ verdienen hier sehr viel Geld, hält Lehmann fest. Deshalb sollten sie einen angemessenen Beitrag leisten, um den deutschen Filmstandort zu stärken.
Um die Filmförderung zu erhöhen und international wettbewerbsfähig zu sein, fordert Lehmann ein Steueranreizmodell. Daran hat bereits die Ampel-Koalition gearbeitet. Nun haben die Grünen im Bundestag beantragt, dass 30 Prozent der Investitionskosten auch steuerlich geltend gemacht werden können.
Weitere Bundesmittel für die Filmförderung
Der “Investitionspakt für den Filmstandort Deutschland” setzt nun weitere Bundesmittel frei. Die hatte das SPD-geführte Finanzministerium bislang zurückgehalten, und auf eine gesetzliche Investitionspflicht gepocht. Damit erhöht der Bund die wirtschaftliche Filmförderung dauerhaft auf 250 Millionen Euro pro Jahr – fast eine Verdoppelung der bisherigen Mittel. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) spricht von einem klaren Signal für den Standort und kulturelle Vielfalt.
Wie die Investitionspflicht durchgesetzt werden soll, muss der geplante Gesetzentwurf regeln. Wann der kommt, ist noch unklar. Einig ist man sich darin: so schnell wie möglich.

