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Der Führerschein soll künftig weniger kosten, sagt die Bundesregierung. Verkehrsminister Schnieder stellte weiterentwickelte Vorschläge vor. Dürfen bald Eltern oder Freunde bei der Ausbildung helfen?
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat in einem nächsten Schritt zu einer Reform umfassende Vorschläge für einen günstigeren Führerschein vorgelegt. “Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer”, sagte der CDU-Politiker in Berlin.
Nach einer Arbeitsgruppe mit den Ländern legte das Ministerium nun einen detaillierten Katalog vor. Der Erwerb des Führerscheins solle einfacher und digitaler werden, für Fahrschulen solle es weniger Bürokratie geben. Schnieder will außerdem mehr Preistransparenz schaffen: Fahrschulen sollen Preise online verfügbar machen. Die Daten sollen dann Vergleichsportale aufbereiten können.
Was soll sich am Unterricht ändern?
Konkret geplant ist die Möglichkeit eines reinen theoretischen Online-Unterrichts. Fahrschulen sollen auf die Anmietung oder den Erwerb von Schulungsräumen verzichten können. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll um knapp 30 Prozent von derzeit 1.169 auf etwa 840 Fragen verringert werden.
Die Zahl verpflichtender Sonderfahrten beim Pkw-Führerschein – das sind etwa Autobahnfahrten – soll verringert werden. “Wir haben im Moment zwölf Sonderfahrten, europarechtlich vorgeschrieben ist überhaupt keine”, sagte Schnieder. Diese speziellen Fahrstunden sollen daher für den Pkw-Führerschein auf drei reduziert werden – je eine auf der Autobahn, über Land- und Bundesstraßen und bei Dunkelheit.
Wer auch einen Schaltwagen fahren will, muss statt bislang zehn nur noch sieben Fahrstunden in einem Auto mit Gangschaltung absolvieren.
Dürfen künftig auch Eltern oder Freunde bei der Ausbildung helfen?
Die sogenannte Laienausbildung – also begleitetes Fahren mit Eltern oder Freunden – soll auch in Deutschland erprobt werden. Voraussetzung ist die bestandene Theorieprüfung und mindestens sechs praktische Fahrstunden. Die Begleitpersonen – es dürfen maximal zwei sein – müssen mindestens seit sieben Jahren einen Führerschein haben und das Auto muss gekennzeichnet sein. In Österreich, wo die Laienausbildung bereits eingeführt ist, ist es eine blaue Tafel mit weißem L.
Diese Neuerung soll laut Minister Schnieder nicht direkt zur Regel werden. Zunächst sollen die Länder die Möglichkeit bekommen, diese Neuerung fünf Jahre lang auszuprobieren.
Wer bestimmt eigentlich die Preise?
Einen Pauschalpreis oder gesetzliche Vorgaben für die Preisgestaltung gibt es nicht. Das heißt, Fahrschulen bestimmen die Preise für Theorieunterricht und Fahrstunden selbst.
Die Gebühren für die theoretische und praktische Führerscheinprüfung bei TÜV oder DEKRA sind dagegen gesetzlich festgelegt.
Wie haben sich die Kosten entwickelt?
Die Kosten liegen nach Angaben von Verkehrsminister Schnieder im Schnitt bei rund 3.400 Euro – in manchen Regionen sei es auch deutlich mehr, bis zu 4.000 oder sogar 4.500 Euro.
Laut Statistischem Bundesamt sind die Kosten von 2021 bis 2024 überdurchschnittlich stark gestiegen – jeweils stärker als die Verbraucherpreise insgesamt. Im Jahr 2024 waren die Kosten gegenüber dem Vorjahr um 5,8 % gestiegen. Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im selben Zeitraum um 2,2 %.
Welche Folgen haben die Kosten für die Fahrschulen?
Schnieder hatte bereits im vergangenen Oktober erste Vorschläge gemacht. Seitdem ist laut Fahrlehrerverbänden in vielen Fahrschulen die Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Der Grund: Viele potenziell neue Fahrschüler warten ab, bis der Führerschein günstiger wird.
Einer bundesweiten Umfrage unter 2.400 Fahrschulen des Interessenverbandes “Moving” zufolge gibt es weniger Anmeldungen in Großstädten: Dort melden 90 Prozent der befragten Fahrschulen einen Rückgang um 58 Prozent. In ländlichen Regionen geben 80 Prozent der befragten Fahrschulen Einbußen um 52 Prozent an.
Laut TÜV-Experte Richard Goebelt sei im letzten Quartal 2025 zwar noch kein Rückgang der Anmeldezahlen festzustellen. Er rechne aber damit, dass sich die Zahlen zeitversetzt in den Anmeldezahlen für das erste Quartal 2026 niederschlagen.
Wie viele Menschen machen einen Führerschein?
Trotz der hohen Kosten hat die Zahl der Fahrprüfungen in Deutschland 2025 ein Allzeithoch erreicht. Über alle Klassen hinweg wurden im vergangenen Jahr laut Datenerhebung des TÜV-Verbands mehr Theorie- und mehr Praxisprüfungen abgelegt. Die Zahl der Theorieprüfungen stieg um 1,6 Prozent auf 2,04 Millionen, die Zahl der Praxisprüfungen um 4,9 Prozent auf rund 1,89 Millionen, wie der TÜV mitteilte.
Mit Abstand am häufigsten wird der Autoführerschein gemacht. Die Mehrheit der Fahrschülerinnen und -schüler bestand die Prüfung für den Autoführerschein im vergangenen Jahr im ersten Anlauf: In der Theorie waren es 63 Prozent, in der Praxisprüfung 65 Prozent. Bei Wiederholungsprüfungen liegt die Bestehensquote laut TÜV in der Theorie bei 44 Prozent und in der Praxis bei 58 Prozent.
Wie geht es jetzt weiter?
Der Minister hofft auf eine Einigung auf ein Reformpaket bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März, danach könnten rechtliche Änderungen auf den Weg gebracht werden.
