Anders als in den USA sind in Kanada Schusswaffenangriffe mit mehreren Toten sehr selten. Um so schockierter ist das Land am Tag nach den tragischen Ereignissen in Tumbler Ridge, wo mindestens neun Menschen getötet wurden.
Kanadas Premierminister Mark Carney kämpfte mit den Tränen, als er in der Hauptstadt Ottawa den 2.400 Einwohnern von Tumbler Ridge und insbesondere den Angehörigen der Opfer sein Beileid aussprach: “In Tumbler Ridge wachen die Menschen jetzt auf und es fehlt jemand, den sie lieben.”
Der Premier ordnete Trauerbeflaggung für Kanada an als er sagte: “Die Nation trauert mit Euch. Kanada steht Euch bei.” Seine eigentlich geplante Reise zur Münchner Sicherheitskonferenz sagte Kanadas Premier erst einmal ab.
Noch keine Angaben zum Tatmotiv
Der Schusswaffenangriff in dem kleinen Ort Tumbler Ridge am Fuße der Rocky Mountains ereignete sich am Dienstagnachmittag Ortszeit. In einer weiterführenden Schule wurden sieben Menschen getötet. Zwei weitere Tote wurden in einem Haus in der Nähe der Schule gefunden. Mehr als 25 Menschen wurden verletzt. Auch die mutmaßliche Täterin wurde in der Schule tot aufgefunden – offenbar durch “selbst zugefügte Verletzungen”, hieß es im kanadischen Sender CBC.
Der örtliche Polizeichef Ken Floyd wollte allerdings bislang weder Angaben zur Identität der Täterin noch zum Tatmotiv machen: “Wir sind noch nicht so weit, um zu verstehen, was hinter dieser Tragödie steckt. Alles ging sehr schnell. Auch die Zusammenarbeit zwischen Schule, Einsatzkräften und Bürgern.”
Tödlichster Angriff an Schule seit mehr als 35 Jahren
Der 14-jährige Schüler Darian Quist war während des Schusswaffenangriffs in seinem Klassenzimmer. Plötzlich habe es eine Durchsage gegeben, dass eine Ausgangssperre verhängt wurde, schilderte Darian die Ereignisse im Sender CBC.
Zunächst habe er nicht gedacht, dass irgendetwas passiert ist. Dann aber wurden ihm von Mitschülern anderer Klassen verstörende Fotos geschickt, die das Blutbad in anderen Räumen der Schule zeigten: “Wir haben dann die Türen mit Tischen verbarrikadiert. Wir warteten zwei oder zweieinhalb Stunden, bis Polizisten durch die Tür kamen und uns aus der Schule führten.”
Schusswaffenangriffe mit zahlreichen Opfern sind in Kanada selten, was auch an deutlich strengeren Schusswaffengesetzen als in den USA liegt. Eine Tragödie an einer Schule mit noch mehr Opfern als in Tumbler Ridge gab es zuletzt 1989. Damals erschoss ein 25-Jähriger an einer Fachhochschule in Montreal 14 Studentinnen, bevor er sich selbst das Leben nahm.
