US-Handelsminister Lutnick hat in einer Anhörung im Senat mehrere Treffen mit dem Sexualstraftäter Epstein eingeräumt – unter anderem auf dessen Privatinsel. Fragen wirft auch ein Telefonat Trumps aus dem Jahr 2006 auf.
Auch in den USA sorgen die Epstein-Files weiter für Schlagzeilen – und machen der Regierung von Präsident Donald Trump weiterhin Kopfschmerzen:
So beschuldigen Politiker von Demokraten und Republikanern Handelsminister Howard Lutnick, die Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Dabei geht es darum, wann Lutnick den Kontakt zu Jeffrey Epstein kappte. Eine Zeitlang waren beide Nachbarn.
Im vergangenen Oktober sagte Lutnick in einem Interview, 2005 habe er den Kontakt eingestellt, nach einer unangenehmen Interaktion in Epsteins Haus, wo ihm dieser einen Massagetisch gezeigt hatte und sich anzüglich äußerte.
Lutnick sagte damals: “Während der sechs oder acht Schritte von seinem zu meinem Haus beschlossen meine Frau und ich, dass wir niemals wieder in einem Raum mit dieser ekelerregenden Person sein würden. Denn er ist widerlich.”
Wer war Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein war ein US-amerikanischer Finanzmanager und Multimillionär, der vor allem durch den Aufbau eines massiven Missbrauchsnetzwerks bekannt wurde. Er wurde 1953 in Brooklyn, New York, geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Epsteins Eltern gehörten der Mittelschicht an. Sein Vater arbeitete für die Stadt New York, seine Mutter war Hausfrau.
Nach einem Studium ohne Abschluss arbeitete Epstein in den 1970er-Jahren als Lehrer an einer Elite-Privatschule in Manhattan. Über Kontakte wechselte er später in den Finanzsektor. Dort machte er rasch Karriere, zunächst bei einer Investmentbank. Wie genau er sein Vermögen aufbaute, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass er als Vermögensverwalter für wohlhabende Kunden tätig war. Er pflegte einflussreiche Netzwerke zu Spitzenpolitikern, Unternehmern, Wissenschaftlern und Prominenten.
Zu seinem Besitz gehörten mehrere Luxusimmobilien, darunter auch eine Privatinsel auf den Virgin-Islands, bekannt als “Little Saint James”. Nach Aussagen von Opfern soll die Insel ein zentraler Ort für die sexuellen Übergriffe gewesen sein. Eine wichtige Rolle dabei spielte Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell, die ihm half, junge Frauen und Minderjährige für ihn anzuwerben, zu kontrollieren und zu missbrauchen.
Bereits in den 1990er-Jahren gab es erste strafrechtliche Beschwerden gegen Epstein wegen sexueller Übergriffe. 2008 wurde er als Sexualstraftäter verurteilt. Er hatte sich vor einem US-Gericht unter anderem schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Er erhielt eine 18-monatige Haftstrafe, von der er etwa 13 Monate verbüßte. Durch einen umstrittenen Deal konnte er die meiste Zeit davon außerhalb des Gefängnisses verbringen.
2019 wurde Epstein wegen schwerer Vorwürfe erneut verhaftet. Kurz danach wurde er erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.
“Ich aß bei ihm zu Mittag”
In einer Anhörung im Senat bestätigte Lutnick gestern jedoch das, was aus einigen E-Mails hervorging, die nun veröffentlicht worden waren, als Teil der Materialsammlung zum Epstein-Komplex: 2012 waren die Lutnicks demnach auf Epsteins Insel, also sieben Jahre, nachdem der heutige Handelsminister den Kontakt angeblich abgebrochen hatte.
Ich aß bei ihm zu Mittag. Ich war in der Nähe, auf einem Boot, bei einem Familienurlaub. Mein Frau war dabei, genauso wie meine vier Kinder und deren Kindermädchen. Nach einer Stunde gingen wir wieder. Es war nichts Unangemessenes daran. Das war 2012. Ich erinnere mich nicht mehr, warum wir das machten.
Vier Jahre zuvor, 2008, war Epstein in Florida verurteilt worden, unter anderem wegen Anbahnung zur Prostitution mit einer Minderjährigen. Niemand beschuldigt Lutnick einer Straftat. Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie empfahl dem Handelsminister dennoch bereits am Sonntag, er möge dem Präsidenten das Leben erleichtern – und einfach zurücktreten.
“Jeder weiß, dass er das getan hat”
Fragen wirft auch die Darstellung eines Telefonanrufs auf, den der damalige Polizeichef von Palm Beach 2006 erhielt; damals waren erste Ermittlungen gegen Epstein öffentlich geworden.
Am anderen Ende war demnach Donald Trump, der dem Polizeichef mit Bezug auf Epstein sagte: “Gott sei Dank, stoppen sie ihn. Jeder weiß, dass er das getan hat.” Die Schilderung dieses Telefonats findet sich in einer Zusammenfassung eines Interviews, das das FBI später mit dem Polizeichef führte.
Die vom Justizministerium veröffentlichten Epstein Files sind an entscheidenden Stellen geschwärzt.
Zahlreiche Akten geschwärzt
Bisher hatte Trump stets erklärt, er habe von Epsteins Taten nichts gewusst. Seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte dazu gestern im Weißen Haus: Diesen Telefonanruf habe es vielleicht gegeben, vielleicht aber auch nicht – sie wisse das nicht. Auch weiterhin liefern die Epstein Files nicht die ersehnten Antworten.
Das liegt vielleicht an den zahlreichen Schwärzungen. Der Demokrat Ro Khanna gehört zu den Abgeordneten, die vorgestern einen kurzen Blick in die ungeschwärzten Unterlagen werfen durften – nur um festzustellen, dass einiges noch immer geschwärzt war – und zwar Unterlagen des FBI. Khanna sagte bei CNN:
Diese FBI-Dokumente sind die wichtigsten. Denn Überlebende haben mir gesagt, dass sie von FBI-Agenten interviewt wurden. Denen sagten sie, wer sie vergewaltigt hatte, wer beim Sexhandel mitmachte. Diese Unterlagen wurden geschwärzt, im vergangenen März, durch Trumps FBI.
Khanna verlangt nun, dass sich FBI-Direktor Kash Patel dazu erklärt.
Was sind die Epstein-Files?
Die sogenannten Epstein-Files bezeichnen eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, Zeugenaussagen und Gerichtsunterlagen rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Der US-Multimillionär soll über Jahre hinweg ein Netzwerk zum sexuellen Missbrauch junger Frauen und Minderjähriger aufgebaut haben. Epstein wurde 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle in New York aufgefunden, bevor es zu einem Strafprozess kommen konnte.
Im Mittelpunkt der Epstein-Files stehen Gerichtsakten aus Zivilprozessen, vor allem aus einem Verfahren der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell, die 2021 wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verurteilt wurde. Viele dieser Unterlagen waren lange unter Verschluss. Anfang 2024 ordnete ein US-Gericht an, zahlreiche Dokumente öffentlich zugänglich zu machen. Es folgten weitere Veröffentlichungen.
Die Akten enthalten unter anderem Aussagen von Opfern und Zeugen, E-Mails, Fotos, Videos sowie Namen von Personen, die mit Epstein in Kontakt standen. Darunter finden sich Prominente aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die bloße Nennung eines Namens bedeutet keine Schuld. Zahlreiche Personen werden lediglich erwähnt, ohne dass ihnen strafbares Verhalten vorgeworfen wird.
Die Akten belegen, wie weitreichend Epsteins Kontakte waren und wie er offenbar seinen Reichtum und Einfluss nutzte, um sich und andere Beteiligte zu schützen. Zugleich zeigen sie, dass Justizbehörden schon früh Hinweise auf mögliche Straftaten Epsteins hatten. So meldeten sich bereits Anfang der 2000er-Jahre mehrere junge Frauen bei Polizei und Staatsanwaltschaft, ohne, dass es zu einer umfassenden Strafverfolgung kam. Eine vollständige Aufarbeitung steht bis heute aus.

