Chinas Wirtschaft befindet sich seit längerem an der Schwelle zur Deflation, was als schlecht für die Konjunktur gilt. Hintergrund sind Überkapazitäten und schwache Nachfrage im Inland.
Eine Straße im Stadtzentrum Chengdus im südwestlichen Landesteil Sichuan: Hier reihen sich mehrere kleine Lebensmittelläden und Restaurants aneinander. Sie verkaufen zubereitete Nudelsuppen, Teigtaschen und Grundnahrungsmittel. Fu Dong hat hier vor 15 Jahren den Lebensmittelladen seines Vaters übernommen. Er verkauft Reis, Nüsse, Eier und Milch. “Die Preise steigen. Vielleicht hängt das mit dem Anstieg der Gemüsepreise zusammen”, sagt Fu Dong.
Daten des Nationalen Statistikamts Chinas zeigen, dass im Januar frisches Gemüse, Obst und Fisch teurer geworden sind im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt sind die Lebensmittelpreise demnach jedoch unterm Strich etwas gesunken – um 0,7 Prozent. Andere Waren, Konsumgüter und Dienstleistungen, sind etwas teurer geworden. Die Verbraucherpreise in China sind im Januar insgesamt um 0,2 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Es ist ein mäßiger Anstieg, der sich seit Mitte vergangenen Jahres abzeichnet.
Seit Corona ist vieles teurer
“Ich denke, im Vergleich zum vergangenen Jahr ist der Preisunterschied nicht so groß”, sagt Dawn Hu, die in Chengdu Chinesisch unterrichtet. Sie sieht eher, dass sich im Vergleich zu vor der Corona-Pandemie viel verändert hat und vieles teurer geworden sei. Viele Menschen in China kaufen nicht mehr so viel und sparen. Der Konsum hat sich seit der Pandemie nur langsam erholt. “Ich vergleiche die Preise von verschiedenen Läden bevor ich etwas kaufe. Obwohl es vielleicht nur um ein paar Yuan geht, habe ich trotzdem ein Erfolgserlebnis.”
Der schwache Konsum wirkt sich auch auf die Läden aus. Hu Xianrong betreibt seit fünf Jahren einen kleinen Kiosk. Vor ein paar Jahren sei noch alles gut gewesen, doch jetzt höre man überall, dass Geschäfte nicht gut laufen. “Die aktuelle Wirtschaftslage ist nicht gut. Wenn Kunden kommen, dann kaufen sie nur das Günstigste”, klagt Hu Xianrong. “Früher haben sie zum Beispiel 50 Yuan für eine Packung Zigaretten ausgegeben, jetzt nur noch zehn bis 20 Yuan, um ein wenig zu sparen. Weil die Wirtschaft nicht läuft, geben die Menschen nicht so viel aus.”
Überproduktionen drücken auf die Preise
Chinas Wirtschaft befindet sich seit längerem an der Schwelle zur Deflation und kämpft mit sinkenden Preisen, was als schlecht für die Konjunktur gilt. So sind auch im Januar die Herstellerpreise zurückgegangen, wobei sich der Rückgang zuletzt etwas abgeschwächt hat. In China sind Überkapazitäten und Preisdruck ein großes Problem, Hersteller produzieren mehr als sie verkaufen können und bieten die Waren immer günstiger an. Vieles wird dann ins Ausland verkauft, weil der Binnenmarkt schwach ist.
Chinas Staats- und Parteiführung hat das Problem erkannt. Die Überproduktion soll eingedämmt und der Binnenmarkt gestärkt werden. So soll die Wirtschaft sich in Zukunft nicht nur auf den Export ins Ausland stützen. Um den Binnenmarkt zu stärken, will Chinas Führung den Konsum seit längerem fördern. Zum Beispiel mit Einkaufsgutscheinen und günstigeren Krediten – bislang mit mäßigem Erfolg.
Su Jian, Wirtschaftsprofessor von der Universität Peking, sieht weiter Handlungsbedarf. Ein Problem sei das Sozialsystem, das den Menschen nicht genügend Sicherheit gebe, Geld auszugeben. Daher würden sie eher sparen. “Tatsächlich ist einer der Gründe für die mangelnde Binnennachfrage in China, dass unser derzeitiges Sozialversicherungssystem noch weiter verbessert werden muss; es ist nicht perfekt. Wenn es darum geht, Geld auszugeben, haben die Menschen Sorgen. Der nächste Schritt wäre daher, das Sozialsystem zu verbessern.”

