Für viele Pendler in Nordrhein-Westfalen gibt es seit heute große Einschränkungen: Wegen der Generalsanierung ist die wichtige Bahnstrecke zwischen Köln, Wuppertal und Hagen gesperrt. Das große Chaos ist aber ausgeblieben.
Am Wuppertaler Hauptbahnhof ist es heute Morgen ungewohnt leer. Nur vereinzelt gehen Reisende durch die Halle zum Bäcker oder in die Geschäfte. Der eigentliche Betrieb spielt sich rund 500 Meter weiter an der Stadthalle ab: Dort starten die knallig pinken Busse des Schienenersatzverkehrs.
Dicht an dicht stehen sie bereit, Servicekräfte lotsen die Fahrgäste zu den richtigen Haltestellen. Etwa 36.000 Pendler sind von der Vollsperrung betroffen. Statt Zügen fahren Busse.
Was saniert wird und gesperrt ist
Sie ist eine der wichtigsten Bahntrassen in NRW: Die rund 65 Kilometer lange Strecke zwischen Köln über Solingen und Wuppertal nach Hagen. ICE, Regional- und Güterzüge sind dort in dichtem Takt unterwegs. Wegen umfangreicher Bauarbeiten ist sie nun für gut fünf Monate dicht. Im Fernverkehr werden ICE-Züge von Köln in Richtung Berlin und Hamburg über das Ruhrgebiet umgeleitet – dadurch dauert die Fahrt etwa 20 bis 40 Minuten länger. In Wuppertal und Solingen halten bis zum 10. Juli überhaupt keine Fernzüge. Hagen wird bis zum 15. Mai vom Fernverkehr abgeschnitten.
“Da muss jetzt mal was passieren”
Der erste Berufsverkehr nach Beginn der Generalsanierung galt als Bewährungsprobe. Die Pendler haben sich offensichtlich gut vorbereitet. “Ich habe geguckt, wann welche Busse fahren und welche Alternativverbindung ich noch habe”, erzählt eine Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte.
Sie pendelt fast täglich nach Leverkusen. “Dann notfalls über eine andere Strecke. Ich bin da ganz entspannt.” Verärgert sei sie nicht, denn es sei höchste Zeit für die Bauarbeiten: “Da muss jetzt mal was passieren.”
“Klappt eigentlich ganz gut”
Auch in Solingen bleibt die Stimmung überwiegend gelassen. Derya Erkan berichtet nur von kleineren Irritationen: “Erst stand auf meinem Handy, dass ein Bus ausfällt, aber dafür kam dann der andere. Und wir fahren jetzt nur eine kurze Strecke bis Steinbeck. Das klappt eigentlich ganz gut.”
Der erste Berufsverkehr sei “ruhig und stabil” verlaufen, sagt eine Bahnsprecherin. Das Ersatzkonzept werde gut angenommen, die Umstiege zwischen Bus und Bahn funktionierten. Im Nahverkehr setze man auf einen Mix aus Bussen, die alle Haltestellen anfahren, sowie Expressbussen mit ausgewählten Stopps. Die Taktung reicht von zehn bis 60 Minuten. Insgesamt sind etwa 200 Busse im Einsatz – mehr als ursprünglich geplant.
Pendler planen deutlich mehr Zeit ein
Trotzdem bleibt Unsicherheit. Ein älterer Mann wartet auf seinen Bus Richtung Düsseldorf. “Ich weiß noch nicht, wie es klappt. Das ist das erste Mal, dass ich fahre”, sagt er. “Bis Düsseldorf mehr als eine Stunde mit dem Bus – das ist unglaublich. Aber was willst du machen? Wir können es nicht ändern.”
Viele Pendler haben vorsorglich deutlich mehr Zeit eingeplant. Tonja Mendorf ist auf dem Weg zu einem Zahnarzttermin nach Essen-Kupferdreh. “Am Freitag bin ich noch mit dem Zug gefahren, da ging alles”, erzählt sie. “Heute erstes Mal mit dem Ersatzverkehr. Ich habe eine Stunde mehr eingeplant und warte einfach ab, was passiert.”
Nicht alle setzen auf die Ersatzbusse. Einige Pendler scheinen aufs Auto ausgewichen zu sein. Laut Staumeldungen des ADAC ist es auf der A46 streckenweise dicht, größere Zeitverluste bleiben aber aus.
Generalsanierung ist dringend notwendig
Während die Busse fahren, haben auf den Gleisen längst die Bauarbeiten begonnen. In Wuppertal sind Bauarbeiter mit schwerem Gerät unterwegs, Gleise werden erneuert, Bahnhöfe modernisiert. Die Bahn spricht von einer Generalsanierung, die notwendig sei, weil der Zustand der Strecke “die Grenze dessen unterschreitet, was wir unseren Reisenden zumuten wollen”. Nach Abschluss der Arbeiten sollen Fahrgäste von einer deutlich zuverlässigeren Infrastruktur profitieren.
Noch bis zum 10. Juli bleibt die Strecke dicht. Fernzüge werden umgeleitet, ICEs brauchen zwischen 20 und 40 Minuten länger. In Wuppertal und Solingen halten während der kompletten Bauphase keine Fernzüge, Hagen ist bis Mitte Mai vom Fernverkehr abgeschnitten. Für Bahnreisende bedeutet das: Geduld, Planung – und vorerst Alltag im Ersatzbus. Am ersten Morgen zumindest scheint es den Umständen entsprechend gut gelaufen zu sein.

