Der Geschäftsführer der Washington Post, Lewis, verlässt die US-Traditionszeitung. In dieser Woche war rund ein Drittel der Belegschaft entlassen worden. Die Gewerkschaft bezeichnete den Rückzug Lewis’ als überfällig.
Der Herausgeber und Geschäftsführer der Washington Post, Will Lewis, tritt zurück. Der Schritt folgte wenige Tage nachdem Massenentlassungen bei dem Traditionsblatt publik wurden.
In einer kurzen Mitteilung an die Mitarbeiter, aus der unter anderem der US-Sender CNN zitierte, verwies Lewis darauf, dass schwierige Entscheidungen getroffen worden seien, um eine nachhaltige Zukunft der Zeitung zu sichern. Seine Aufgaben sollen mit sofortiger Wirkung kommissarisch von Jeff D’Onofrio übernommen werden, dem bisherigen Finanzchef des Unternehmens.
Will Lewis hatte im Januar 2024 die Leitung der Washington Post übernommen.
Unter anderem Sport- und Auslandsredaktion betroffen
Am Mittwoch war bekannt geworden, dass das fast 150 Jahre alte Traditionsblatt wegen wirtschaftlicher Einbußen heftige Sparmaßnahmen einleitet. Etwa ein Drittel der Belegschaft wird Medienberichten zufolge entlassen, darunter rund 300 Journalisten.
Betroffen sind demnach unter anderem die Sportredaktion, das Literaturressort und die Auslandsberichterstattung. In der Belegschaft und in der Branche allgemein stieß das auf viel Empörung und Kritik.
Gewerkschaft fordert Rücknahme der Entlassungen
Die Gewerkschaft der Post-Mitarbeiter bezeichnete jetzt den Rücktritt von Lewis als “längst überfällig.” Sein Vermächtnis werde der Versuch sein, “eine große amerikanische journalistische Institution zu ruinieren.” Der Eigentümer der Zeitung, Amazon-Gründer Jeff Bezos, müsse die Entlassungen unverzüglich rückgängig machen oder die Zeitung verkaufen, forderte die Gewerkschaft.
Bezos will dagegen laut Chefredakteur Matt Murray als Eigentümer an der Zeitung festhalten. In einer Stellungnahme der Washington Post nannte Bezos den Führungswechsel eine “außergewöhnliche Chance.” Er betonte, die Zeitung habe eine zentrale journalistische Aufgabe. Daten zeigten dem Unternehmen, worauf es sich konzentrieren solle, erklärte er.
Kritik an Bezos und Lewis
Die Washington Post gehört dem Multimilliardär Bezos seit 2013. Zuletzt hatte es wiederholt Kritik an seiner Rolle in der Zeitung gegeben, angesehene Journalisten verließen das Blatt. Für Schlagzeilen hatte etwa gesorgt, dass sich Bezos vor der US-Wahl im November 2024 gegen die Veröffentlichung einer bereits verfassten Wahlempfehlung für Donald Trumps Kontrahentin Kamala Harris entschied.
Auch der in Großbritannien geborene Lewis wurde US-Medien zufolge schon länger von Mitarbeitern der Redaktion kritisiert, ihm wurde etwa mangelnde Anwesenheit vorgeworfen. Für besondere Empörung sorgte demnach, dass er auch bei der Ankündigung der Entlassungen diese Woche nicht dabei war.
Lewis war Verleger des Wall Street Journal, bevor er im Januar 2024 die Leitung der Washington Post übernahm.
