Wie sich im Schlaf Probleme lösen lassen

Wie sich im Schlaf Probleme lösen lassen

Ein junger Mann liegt im Bett mit Socken an den Füßen unter der Decke und schläft.

Stand: 08.02.2026 09:38 Uhr

Wen etwas beschäftigt, der soll darüber schlafen. Möglicherweise helfen auch Träume unserem Gehirn, Dinge besser zu verarbeiten. Bewiesen ist das nicht, aber eine neue Studie nähert sich dem Thema an.

Von Franziska Ehrenfeld, SWR

Im Schlaf verarbeitet unser Gehirn, was wir tagsüber erlebt haben. Aber inwiefern brauchen wir dafür Träume? Das ist nicht klar. Schlafforscher Michael Schredl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim ist skeptisch: “Die Idee ist eher, dass die Prozesse, die das Gehirn eben macht, ab und zu mal im Traum vorkommen, aber nicht, dass das Träumen selbst zuständig ist.”

Ein US-amerikanisches Team um Karen Konkoly von der Northwestern University in Illinois wollte das genauer wissen. Die Forschenden haben 20 Probandinnen und Probanden vor dem Schlafen Rätsel gegeben.

“Dream Engineering” als Forschungsmethode

Um zu klären, ob nicht nur der Schlaf, sondern explizit das Träumen einen Einfluss auf die Lösung der Rätsel hat, haben die Wissenschaftler versucht, die Träume zu verändern. Die Teilnehmenden der Studie sollten von manchen Rätseln träumen und von anderen nicht. So sollte sich zeigen, ob die Träume bei der Problemlösung helfen.

Das Stichwort heißt “Dream Engineering”. Die Forschenden beeinflussten die Träume der Probandinnen und Probanden durch bestimmte Reize. Damit das funktioniert, haben sie überwiegend Testpersonen genommen, die luzide träumen können. Das heißt, sie sind sich im Schlaf darüber bewusst, dass sie träumen und den Verlauf ihrer Träume beeinflussen können.

Vor dem Schlafengehen erhielten sie mehrere knifflige Rätsel, für die sie nur wenig Zeit bekamen: “Ein Beispiel ist, vier Bäume so zu pflanzen, dass sie alle den gleichen Abstand zueinander haben. Und die Lösung ist eine Pyramide. Man muss in 3D denken”, erklärt die Studienleiterin. Meistens kamen die Testpersonen also nicht gleich auf die Lösung.

Rätsel wurden mit Tonfolgen verknüpft und so abgerufen

Zu den Rätseln spielte das Forschungsteam jeweils spezifische Tonfolgen ab. Die Probanden sollten diese vor dem Schlafen mit den Rätseln in ihrem Gedächtnis verbinden. Sobald sie eingeschlafen und luzide geträumt haben – was gemessen beziehungsweise durch spezielle Augenbewegungen sichergestellt wurde – bekamen die Teilnehmenden der Studie die Töne zu hören. Als Signal dafür, dass sie sich jetzt im Traum dem zugeordneten Rätsel widmen sollten.

Die Forschenden wollten damit nicht nur klären, ob die Probanden Rätsel, von denen sie träumen, öfter lösen. Sondern auch, ob die Testpersonen öfter von den Rätseln träumen, zu denen sie das passende Signal gehört haben. Also ob das “Dream Engineering” funktioniert.

Letztlich haben zwölf der 20 Personen öfter von Rätseln geträumt, deren Tonfolge sie gehört haben – im Gegensatz zu denjenigen, deren Töne nicht extra abgespielt wurden. Also etwas mehr als die Hälfte. Für Konkoly sei das ein “aufregender” Erfolg. Sie gibt aber zu: Das Ergebnis hat angesichts der kleinen Teilnehmerzahl keine große Aussagekraft.

Wenn “Dream Engineering” funktionierte, half das beim Rätsellösen

Eine Sache sticht aber heraus: In dieser Gruppe von Teilnehmenden halfen die Signale und das Träumen deutlich mit der Problemlösung. Diese sogenannten “gezielten Träumer” konnten die mit Tönen zugespielten Rätsel doppelt so oft lösen wie andere Rätsel, von denen sie keine Töne gehört und dementsprechend weniger geträumt hatten. Das Träumen hat offenbar geholfen.

Laut Schlafforscher Schredl kann man luzides, bewusstes Träumen aber nicht mit gewöhnlichem Träumen vergleichen. Diese seien viel schwerer zu beeinflussen. Und tatsächlich sagt auch Studienmacherin Konkoly, dass das “Dream Engineering” vor allem bei denen gut funktioniert habe, die luzide geträumt haben.

Auch gewöhnliche Träume halfen beim Rätseln

Aber auch bei denen, die nicht-luzide träumten, kamen Rätsel in Träumen vor und halfen bei der Lösung – zumindest in einzelnen Fällen.

Eine Probandin berichtete etwa von einem Fluss, an dem sie mit einem Netz fischen war. Sie habe dort auch noch an etwas anderem gearbeitet, möglicherweise an einem Rätsel. Und am nächsten Morgen konnte sie die Aufgabe lösen, die von einem Dschungel handelte.

Laut Konkoly erzählte eine andere Person von einer Flut. Im Traum sei überall Wasser gewesen. Am Morgen war ihr klar: Die Lösung des Rätsels war H20, die chemische Formel für Wasser. Eine dritte Probandin träumte von Frühstück. Sie kam zwar nicht auf die Lösung des Rätsels, war in ihrem Traum aber nah dran: Denn die richtige Antwort wäre “Rührei” gewesen.

Studie hat mehrere Einschränkungen

An der Studie haben zu wenige Menschen teilgenommen, als dass man davon ableiten könnte, dass Träume generell bei der Problemlösung helfen. Vielleicht haben sich Probandinnen, die nicht-luzide von Rätseln geträumt haben, auch einfach mehr dafür interessiert. Vielleicht liefen im Gehirn Prozesse ab, die sich im Traum geäußert, aber nicht von ihnen ausgelöst waren.

Eine weitere Einschränkung ist laut Schlafforscher Schredl, dass man nicht genau sagen könne, ob die Lösung eines Rätsels direkt aus dem darauf bezogenen Traum stammt. Oder ob erst das Erzählen des Traums oder das Nachdenken über den Traum zur Lösung führt.

Vergessene Träume waren besonders hilfreich

Interessanterweise haben Versuchspersonen Rätsel aber genau dann besonders oft gelöst, wenn sie von ihnen geträumt, das dann aber vergessen hatten. Die Forschenden wussten dagegen immer, wenn luzide Träumer ein bestimmtes Rätsel bearbeitet hatten. Denn durch ein bestimmtes Atemzeichen signalisierten die Probanden, dass sie eine Tonfolge gehört haben und dann das entsprechende Rätsel bearbeiteten.

“In solchen Fällen wurden die Rätsel mit der höchsten Wahrscheinlichkeit gelöst“, sagt Traumforscherin Konkoly. Aus irgendeinem Grund waren also diejenigen, die sich nicht an ihre luziden Träume erinnern konnten, erfolgreicher im Rätsel lösen.

Traumforschung könnte psychisch Kranken helfen

Ein Beweis dafür, dass uns Träume allein kreativer machen und helfen, Probleme zu lösen, konnte in dieser kleinen Studie nicht erbracht werden. Studienleiterin Konkoly sieht in ihrer Rätsel-Studie aber einen Schritt in diese Richtung. Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, brauche es größere Studien.

“Wenn man einen positiven Traum hat, schafft das eine gute Ausgangslage für den Rest des Tages. (…) Albträume gehören dagegen zu den wichtigsten Risikofaktoren für Suizide, und sie spielen eine Rolle bei vielen psychischen Krankheiten. Da wir die genaue Funktion von Träumen nicht verstehen, ist es unklar, wann wir dort eingreifen sollten. Aber vielleicht könnte es Menschen wirklich helfen, wenn wir Träume besser verstehen würden.”

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