Pakistan: IS reklamiert Selbstmordanschlag bei Islamabad für sich

Pakistan: IS reklamiert Selbstmordanschlag bei Islamabad für sich

Tausende Trauernde stehen um Särge in Islamabad.

Stand: 07.02.2026 12:19 Uhr

Bei dem Selbstmordattentat auf ein schiitisches Gemeindehaus bei Islamabad starben am Freitag mehr als 30 Menschen. Zehntausende strömten heute zu Trauerfeiern. Inzwischen hat sich die Terrororganisation IS zu dem Anschlag bekannt.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hat den Selbstmordanschlag auf ein schiitisches Gemeindehaus in Pakistan für sich reklamiert. Das gab das IS-Sprachrohr Amak über Telegram bekannt. Auch ein Foto, das den Selbstmordattentäter zeigen soll, wurde dort verbreitet. Unabhängig überprüft werden konnten die Angaben zunächst nicht.

Mindestens 31 Menschen waren am Freitag bei dem Anschlag in einem Vorort der pakistanischen Hauptstadt Islamabad getötet worden. Nach Behördenangaben wurden weitere rund 170 Menschen verletzt.

Zehntausende Menschen kamen heute zu Trauerfeiern. An verschiedenen Orten nahe der Hauptstadt Islamabad strömten Menschenmassen zu den Begräbnisgebeten, wie Behördenvertreter erklärten. Einige Läden blieben nach Protestaufrufen am Samstag geschlossen und Straßen menschenleer.

Sicherheitskräfte untersuchen ein zerstörtes Gebäude.

Explosion bei Freitagsgebet

Der Selbstmordattentäter habe vor dem Gebäudekomplex im Randbezirk Tarla zunächst auf Sicherheitskräfte gefeuert, erklärte ein Polizeisprecher unter Berufung auf Augenzeugen. In dem Gemeindehaus selbst habe der Attentäter dann einen Sprengstoffgürtel gezündet. Die Explosion ereignete sich den Polizeiangaben zufolge beim Freitagsgebet – also zu einem Zeitpunkt, wo besonders viele Menschen anwesend waren.

Verteidigungsminister Khawaja Asif schrieb auf der Plattform X, der Attentäter habe sich in der letzten Reihe der Gläubigen in die Luft gesprengt. Er machte – ohne Beweise vorzulegen – das benachbarte Indien für den Anschlag verantwortlich. Das indische Außenministerium wies die Anschuldigung als haltlos zurück.

Sieben Verdächtige seien inzwischen im Zusammenhang mit dem Attentat bei Razzien in der nordwestlichen Unruheprovinz Khyber-Pakhtunkhwa festgenommen worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Unter ihnen sollen auch Familienangehörige des mutmaßlichen Täters sein. Mindestens ein militanter Extremist und zwei Sicherheitskräfte seien bei den Einsätzen getötet worden.

Immer wieder Anschläge auf Schiiten in Pakistan

Schiiten sind in dem überwiegend sunnitisch-muslimischen Land eine Minderheit: Schiitische Muslime stellen etwa 20 Prozent der fast 250 Millionen Einwohner des südasiatischen Landes.

Sie wurden in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Attacken, unter anderem durch den IS und die sunnitisch-islamistische Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP). Auch am vergangenen Wochenende verübte die Terrormiliz IS Anschläge gegen Schiiten, die sie als Abtrünnige des Islams betrachten.

In den vergangenen Jahren kam es in der Atommacht Pakistan wieder vermehrt zu Gewalt und Anschlägen – Anschläge in der stark bewachten Hauptstadt gelten aber als selten. Am vergangenen Wochenende kamen bei Kämpfen zwischen Sicherheitskräften und mutmaßlichen Terroristen an verschiedenen Orten in der Unruheprovinz Baluchistan zahlreiche Menschen ums Leben.

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