Die deutschen Exporte sind 2025 gestiegen. Doch in die USA und nach China haben deutsche Unternehmen deutlich weniger Waren geliefert. Strategisch planen viele die Produktion im Ausland.
Bei vielen Produkten ist es entscheidend, bei welcher Temperatur sie transportiert werden. Der baden-württembergische Mittelständler Lauda stellt dafür Maschinen her, die Flüssigkeiten auf eine exakte Temperatur bringen können. Zum Beispiel Impfstoffe. Das Unternehmen mit 570 Beschäftigten ist Weltmarktführer bei Temperiergeräten und bedient neben der Pharmaindustrie auch Automobilhersteller oder Chemieunternehmen.
Nach Europa sind die USA der zweitwichtigste Absatzmarkt. 2025 hat das Familienunternehmen die Exporte in die Vereinigten Staaten fast auf unverändertem Niveau gehalten. Das war nicht selbstverständlich. Die Zollkosten gibt der Mittelständler konsequent an seine dortigen Kunden weiter. Bei Einstiegsprodukten habe Lauda nun einen Wettbewerbsnachteil gegenüber amerikanischen Wettbewerbern, räumt Geschäftsführer Gunther Wobser sein. Doch bei Spezialanfertigungen könne sein Unternehmen den “Premiumpreis” durchsetzen.
Weniger Exporte in die USA und China
Was für Lauda gilt, gilt auch für ganz Deutschland. Nach Europa sind die USA der wichtigste Exportmarkt. Anders als bei dem Thermostathersteller jedoch sind insgesamt die deutschen Warenlieferungen in die Vereinigten Staaten deutlich zurückgegangen: um 9,3 Prozent auf 146,9 Milliarden Euro. Die Zölle etwa auf Maschinen oder Autos, Deutschlands wichtigste Exportgüter, haben offensichtlich viele Unternehmen abgeschreckt.
Doch nicht nur die Exporte in die USA sind stark zurückgegangen. Nach China sind ebenfalls 9,3 Prozent weniger Lieferungen gegangen. Hier ist vor allem die mittlerweile stärker werdende Konkurrenz durch einheimische Unternehmen der Grund.
Mittwoch und Donnerstag war Lauda-Geschäftsführer Gunther Wobser beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer im baden-württembergischen Schwäbisch Hall zu Gast. Rund 700 Vertreter von Unternehmen und Verbänden gingen dort der Frage nach, wie die deutsche Wirtschaft wieder in Schwung kommt. Die Schwäche in wichtigen Absatzmärkten wie den USA oder China sorgt dafür, dass das aktuell kaum gelingt. Vor allem die Autoindustrie ist davon betroffen und hofft auf neue Freihandelsabkommen wie mit Indien oder Mercosur.
Unternehmen möchten vor Ort produzieren
Gleichzeitig wollen Unternehmen die Märkte aber verstärkt aus Produktionen vor Ort bedienen. “Wir haben lange im stillen Kämmerlein unsere Produkte entwickelt. Aber wir müssen dichter an den Märkten sein, und die sind nicht mehr nur in Deutschland, die sind in China, in der ganzen Welt”, sagte Jochen Weyrauch, Geschäftsführer des Stuttgarter Automobilzulieferers Dürr, bei dem Treffen. In gewisser Weise scheitere Deutschland aktuell an seinem Anspruch, Exportnation zu sein.
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, verwies in Schwäbisch Hall auf hohe Investitionen der Branche, um in Zukunft konkurrenzfähig zu sein. “Ich mache mir allerdings Sorgen um den Standort, wo wir die Autos produzieren.” Bisher sei das Deutschland und “da wollen wir auch gerne bleiben.”
Europa sorgt für Exportplus
Gunther Wobser setzt ebenfalls auf Werke in China und Indien, um dort mit seinen Temperiergeräten erfolgreich zu sein: “In unserer Strategie für dieses Jahr steht ganz klar die Nähe zum Kunden durch eigene Mitarbeitende in den Märkten.” Der wichtigste davon hat dafür gesorgt, dass die deutsche Exportbilanz 2025 positiv ausfällt. Die Warenlieferungen in die EU-Staaten lagen bei 876,5 Milliarden Euro und haben die deutlichen Rückgänge in den USA und China mehr als ausgeglichen. Die deutschen Exporte sind dadurch im vergangenen Jahr überraschend um ein Prozent gestiegen.
“Es wird allerdings nicht so sein, dass wir die Probleme, die wir mit den USA oder China haben, dauerhaft durch solche Prozesse kompensieren können”, sagt der Freiburger Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld. Deutschland sei darauf angewiesen, dass der Handel mit anderen Staaten in der Welt intensiver betrieben wird. Beispielsweise durch Freihandelsabkommen wie Mercosur oder mit Indien.
Trotzdem macht das leichte Exportplus Hoffnung, dass der Ausbau von Produktion in China, Indien oder den USA nicht den Export deutscher Jobs bedeuten muss. Der europäische Markt kann aus Deutschland bedient werden. Gunther Wobser jedenfalls möchte keine der 400 Stellen in Lauda-Königshofen und im niedersächsischen Burgwedel abbauen, sondern die 170 Stellen im Ausland eher ausbauen. “Wir haben uns das Ziel gesetzt, in diesem Jahr um etwas mehr als 15 Prozent zu wachsen”, sagt der Geschäftsführer selbstbewusst.

