Das Geheimnis der Hingucker – Trends bei der Buchcover-Gestaltung

Das Geheimnis der Hingucker – Trends bei der Buchcover-Gestaltung

Eine Frau blättert vor einem Regal in einem Buch.

Stand: 06.02.2026 16:54 Uhr

Auf den Verkaufstischen kämpfen Bücher um Aufmerksamkeit. Oft ist es das Cover, das über den Erfolg entscheidet. Doch was liegt im Trend und was macht ein gutes Buchcover aus?

Von Jens Büchsenmann, NDR

Die naheliegendste ist zugleich die schwierigste Frage: Was unterscheidet ein Gutes von einem weniger guten oder schlechten Buchcover? Ist das Geheimnis die Schrift, Farbe, Illustration oder ein auffälliges Fotomotiv? Judith Weber vom Mare Verlag zögert nicht mit ihrer Antwort: Es müsse zuallererst neugierig machen. “Das eine gute Cover gibt es nicht, aber das Wichtigste ist dieser anziehende Hinguckeffekt”, sagt Weber im Gespräch mit dem NDR.

Die Gründe für die Anziehungskraft seien vielfältig: das Motiv und die Atmosphäre, die es vermittelt. Die Farbe, die beruhigt oder irritiert, sagt die Verlagsleiterin. Die Typografie und der eigentliche Buchtitel, der nicht immer eindeutig sein müsse. Er dürfe auch vieldeutig oder geheimnisvoll sein.

Ein gutes Cover funktioniert auf den ersten Blick

Judith Weber ist eine von drei Geschäftsführerinnen beim Hamburger Mare Verlag. Dieser wird seit Kurzem genossenschaftlich geführt. Bei Mare wird im Team über die Buchcover entschieden. Weber ist seit 18 Jahren im Verlag. Sie hat seitdem Hunderte Buchcover geprüft, Entwürfe gesichtet und die Cover bei Illustratoren und Grafikerinnen in Auftrag gegeben.

Sie weiß genau, worauf es ankommt: “Wir haben schnelle Zeiten. Es muss auf den ersten Blick funktionieren und im besten Fall trotzdem eine Spannung in sich haben”, sagt sie. Entscheidend sei, “dass man in dem einen Blick etwas Spannungsgeladenes wahrnehmen kann, das den Blick fesselt und hält. Es dürfen keine drei Blicke nötig sein, bis man den Effekt hat.”

Für Ute Behrends Roman “Cowboys” hat Florian von Wissel die Covergestaltung übernommen.

Einzelnes Buch muss neben Buchstapeln auffallen

Rainer Groothuis ist Verleger, Artdirektor, Buch- und Magazingestalter. Außerdem ein vielfach ausgezeichneter Agenturchef aus Hamburg. In seinem Büro in einer früheren Maschinenhalle in Hamburg-Ottensen stehen volle Buchregale. An den Wänden hängen gerahmte Plakatmotive und Illustrationen.

Seine “Corso”-Reihe des Verlages Wagenbach ist stilprägend und genießt als Geschenkbuch in rotem Leineneinband Kultstatus. Auch er betont den Kampf um Aufmerksamkeit im hart umkämpften Buchgeschäft. “In aller Regel sind die Büchertische voll. Buchstapel liegt neben Buchstapel”, sagt er. “Dazwischen ist keine Luft. Man kann sich nicht erholen. Also muss das einzelne Buch wirken.”

Das gelte für alle Genres, für Belletristik und Lyrik ebenso, wie für ein Kochbuch, einen Ratgeber oder ein Fotoband. Nur beim Sachbuch liegen die Anforderungen ans Cover auf der Hand, sagt Groothuis. Dort sei die Information das Wichtigste. “Worum geht es? Diese Information kann man durch die Kombination von Bild und Text beim Sachbuch einfach herstellen, weil es einen sachlichen Kern gibt,” meint der Verleger.

Assoziationen beim Stöbern im Buchladen

Beim Roman wird es kompliziert. Der normale Stöberer im Buchladen, so Groothuis, sei allein durch die Fülle im Schaufenster oder auf den Büchertischen überfordert. Da ist mit Neugier allein nichts zu reißen. “Es geht ums Assoziative.” Schlechte Cover seien diejenigen, “wo selbst ich nicht ahne, worum es geht”, erklärt der Verleger.

Am Donnerstag sind in Berlin die Buchcover-Awards verliehen worden. Groothuis hat sich vorab auf der Internetseite die Auswahl aus der Shortlist für den Preis angeschaut. Nach einem kurzen Blick auf die Kandidaten für den Preis in der Kategorie Belletristik meint der Hamburger Buchgestalter: “Da ist kein Cover dabei, das mir sofort sagt, worum es geht. Nicht eines.” Dabei sei dies doch genau “die Stärke der Belletristik, weil sie das darf.”

Ein gutes Cover muss etwas auslösen

Ein gutes Cover müsse etwas auslösen, so Groothuis. Etwa die Pyramide von ineinander verschlungenen Armen und Beinen, mit dem der Roman “Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen” von Milica Vučković beworben wird.

Oder das Frauenporträt auf dem Einband des Romans “Wild Wuchern” von Katharina Köller. Die farbige Illustration hängt kopfüber, wie auf den Gemälden des Malers und Bildhauers Georg Baselitz. Damit fällt das Buch sofort auf. Man möchte es auf der Stelle in die Hand nehmen und umdrehen. “Ein gutes Cover schafft eine Differenz zum anderen Buch”, ist Groothuis’ Fazit.

Bei Katharina Köllers Roman “Wild wuchern” hat Marion Blomeyer das Cover für den Penguin Verlag gestaltet.

So sahen es auch die Juroren und Jurorinnen vom Buchcover Award. “Wild Wuchern” hat in der Kategorie Belletristik gewonnen. Auch in der Kategorie Sachbuch ist ein echter Hingucker ausgezeichnet worden: “Cowboys”, mit einer grotesk überzeichneten Cowboy-Reklamefigur aus der Froschperspektive.

In der Kategorie Kinder- und Jugendbuch hat Agi Ofners Buch “Problemwölfe” einen Preis erhalten. Auf dem Cover liegt ein riesiger Wolf wie ein Schatten im Schnee, mit fünf jugendlichen Gestalten zu seinen Füßen – winzig und verletzlich.

Die Autorin und Illustratorin Agi Ofner hat das Cover zu ihrem Buch “Problemwölfe” für den Tyrolia Verlag selbst gestaltet.

Es stecken also viel Kalkül und professionelle Erfahrung in den Covern, die es auf den Buchdeckel geschafft haben. Aber auch die Intuition der Gestalter, mit der sie die assoziative Wirkung auf den Betrachter erzeugen.

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