ARD-DeutschlandTrend: Union schwächelt bei Kernthema Wirtschaft

ARD-DeutschlandTrend: Union schwächelt bei Kernthema Wirtschaft

DeutschlandTrend

Stand: 05.02.2026 18:00 Uhr

Normalerweise punkten CDU und CSU beim Thema Wirtschaft. Nun verlieren sie an Zutrauen, ihr Vorschlag zum Teilzeit-Anspruch fällt auch bei den eigenen Anhängern durch. In der Sonntagsfrage büßt die Union zwei Punkte ein.

Florian Riesewieck

Kaum ein Tag verging zuletzt ohne neuen Reformvorschlag – und so ging es in der großen Politik wie im kleinen Dorf um Themen wie Zahnarztbehandlungen oder “Lifestyle-Teilzeit” – ein Schlagwort, mit dem der CDU-Wirtschaftsflügel auch in der eigenen Partei für einige Aufregung sorgte und das teilweise den Blick auf den eigentlichen Vorschlag verdeckte: das Recht auf Teilzeit nur noch jenen Beschäftigten zu gewähren, die Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder sich weiterbilden.

Befragt man die Bürgerinnen und Bürger zu diesem Impuls, so überwiegt die Kritik: Für zwei von drei Deutschen (66 Prozent) geht dieser Vorschlag in die falsche, für 30 Prozent in die richtige Richtung. Das hat eine repräsentative Umfrage von infratest dimap für den ARD-DeutschlandTrend ergeben, für die von Montag bis Mittwoch 1.319 Wahlberechtigte befragt wurden.

Interessant dabei: Mehrheitlich abgelehnt wird der Vorschlag des CDU-Wirtschaftsflügels nicht nur von Anhängern der Linken (86 Prozent), Grünen (84 Prozent), SPD (64 Prozent) und AfD (63 Prozent) sondern auch von den eigenen Partei-Anhängern (56 Prozent); für vier von zehn Unions-Anhängern (41 Prozent) geht der Vorschlag hingegen in die richtige Richtung.

Inzwischen ist auch der Antrag für den CDU-Parteitag entschärft worden: Im Fokus steht jetzt der Anspruch jener Beschäftigten, die in Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Sozialleistungen beziehen. Das Wort “Lifestyle-Teilzeit“ kommt darin nicht mehr vor.

Fast volle Zustimmung für Ausbau von Pflege und Kinderbetreuung

Momentan werden verschiedene Maßnahmen diskutiert, die helfen sollen, die Arbeitskraft in Deutschland zu stärken und die Wirtschaft anzukurbeln. Einig sind sich die Deutschen, dass das öffentliche Angebot für Pflege und Kinderbetreuung ausgebaut werden muss: 94 Prozent fänden das richtig – fast volle Zustimmung. 65 Prozent befürworten es, ausländischen Fachkräften die Einwanderung zu erleichtern – das sind 9 Prozentpunkte mehr als im April 2024.

Und auch das Vorhaben der Bundesregierung, die Arbeitszeitregeln in Deutschland zu flexibilisieren, weiß eine Mehrheit hinter sich: Union und SPD planen, statt der täglichen künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit einzuführen, womit an einem Tag auch länger gearbeitet werden könnte als bislang. Vor allem dem Tourismus und der Gastronomie soll das helfen. 57 Prozent unterstützen das, 37 Prozent nicht.

Mehrheit gegen Abschaffung des Ehegattensplittings

Reformvorstöße, die auf Belastungen, Kürzungen und Einschnitte zielen, haben es dagegen grundsätzlich nicht leicht. So erfährt eine diskutierte Abschaffung des sogenannten Ehegattensplittings, also bestehende Steuervorteile für verheiratete Paare, bei denen lediglich ein Partner arbeitet bzw. deutlich mehr verdient, mehrheitliche Ablehnung: 57 Prozent wollen am Ehegattensplitting festhalten.

Auch eine Abschaffung der abschlagsfreien vorzeitigen Rente für besonders langjährig Versicherte – oft als “Rente mit 63“ bekannt, obwohl sie für heutige Arbeitnehmer in der Regel erst später gilt – stößt bei den Deutschen auf Kritik: Fast zwei Drittel (65 Prozent) finden diesen Vorschlag falsch, den am Sonntag der CDU-Wirtschaftsrat, ein parteinaher Lobbyverband, in die Diskussion eingebracht hatte.

Jedem Vierten fällt bei Wirtschaftskompetenz keine Partei ein

Auch wenn fraglich bleibt, welchen Anteil die Debatten der vergangenen Wochen daran haben: Bei ihrem Kernthema Wirtschaft haben CDU/CSU an Zutrauen eingebüßt. Aktuell trauen es noch 31 Prozent der Deutschen am ehesten der Union zu, die Wirtschaft in Deutschland voranzubringen – das sind 6 Prozentpunkte weniger als im September 2025.

Damit wiederholt die Union bei der Wirtschaftskompetenz ihren bislang niedrigsten Wert im ARD-DeutschlandTrend von September 2022 und März 1998. Sie liegt damit weiter vor der AfD (18 Prozent), der SPD (9 Prozent) und allen anderen Parteien. Gewachsen jedoch ist zuletzt der Anteil jener Deutschen, die es keiner Partei zutrauen, die Wirtschaft in Deutschland voranzubringen – und zwar auf 26 Prozent (+5).

Ungerechtigkeitsempfinden so hoch wie zuletzt 2008

Ein Problem für die Union: Sie kann gleichzeitig auch beim Thema soziale Gerechtigkeit nicht überzeugen. 15 Prozent sehen die Kompetenz für dieses Thema am ehesten bei der Union – noch einmal ein Punkt weniger als im Herbst, so viel wie die Linke (15), weniger als AfD (16) und SPD, die bei einem ihrer Kernthemen seit Jahren weit unterhalb früherer Höchstwerte liegt und mit 24 Prozent (-3) ihren bislang schwächsten Wert aus dem Dezember 2003 wiederholt.

Dabei wird Gerechtigkeit von vielen Bürgerinnen und Bürgern schmerzlich vermisst. Aktuell ist nur jeder dritte Deutsche der Meinung, es gehe hierzulande eher gerecht zu. Für 62 Prozent geht es dagegen eher ungerecht zu – das sind nochmals zwei Prozentpunkte mehr als im Sommer 2025. Größer war das Ungerechtigkeitsempfinden der Deutschen zuletzt im September 2008 (64 Prozent), auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise. Mehr Menschen als noch im vergangenen Jahr machen das vor allem an der Schere zwischen Arm und Reich fest – für 35 Prozent der Hauptgrund (+13 im Vergleich zu Juli 2025).

Größtenteils Zustimmung für Vorschläge der Sozialstaatskommission

In dieser Stimmung plant Schwarz-Rot nicht weniger als eine Reform des Sozialstaats. Dafür hat die Regierung eine Expertenkommission eingesetzt, die Ende Januar erste Empfehlungen vorlegte. Sie zielen zunächst vor allem darauf, Digitalisierung voranzutreiben und Bürokratie abzubauen, sprechen aber auch Sparpotenziale an.

Auf besonders große Zustimmung (73 Prozent) stößt der Vorschlag, EU-Bürgern in Deutschland nur noch dann Sozialleistungen zu gewähren, wenn sie hier länger vollzeitnah beschäftigt waren; jeder Fünfte (21 Prozent) fände das falsch.

Den Vorschlag, ein Portal aufzubauen, um alle Sozialleistungen auch digital beantragen zu können, befürworten 71 Prozent der Deutschen; jeder Vierte (23 Prozent) lehnt ihn ab. 58 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Kindergeld nach einer Geburt automatisch ausgezahlt wird, ohne dafür einen Antrag stellen zu müssen; 38 Prozent finden das falsch.

Mehrheitlich abgelehnt wird dagegen der Vorschlag, künftig mehr Sozialleistungen pauschal auszuzahlen und damit aufwändige und langwierige Einzelprüfungen abzubauen: Sieben von zehn Deutschen fänden das falsch, nur knapp jeder Vierte richtig.

Union verliert 2 Punkte, SPD legt 2 Punkte zu

In der Sonntagsfrage bläst der Union eher Gegenwind ins Gesicht: Wenn schon am Sonntag Bundestagswahl wäre, kämen CDU/CSU auf 26 Prozent – zwei Punkte weniger als im Januar. Dahinter büßt auch die AfD einen Punkt ein und kommt auf 24 Prozent. Die SPD verbessert sich leicht um zwei Punkte auf 15 Prozent. Dahinter gibt es keine Veränderung: Die Grünen kommen auf 12 Prozent, die Linke auf 10 Prozent, BSW und FDP landen mit je 3 Prozent unterhalb der Mandatsschwelle. Alle anderen Parteien kommen aktuell auf 7 Prozent.

Untersuchungsanlage

Grundgesamtheit: Wahlberechtigte in Deutschland
Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Online- und Telefon-Befragung (davon 60 Prozent Festnetz, 40 Prozent Mobilfunk)
Erhebungszeitraum: 2. bis 4. Februar 2026
Fallzahl: 1.319 Befragte (786 Telefoninterviews und 533 Online-Interviews)
Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten
Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent
Durchführendes Institut: infratest dimap

Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1.000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

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