Sie war eine von nur fünf Exemplaren weltweit: die Förderbrücke F60 im ehemaligen Tagebau Jänschwalde in Brandenburg. Nun wurde sie gesprengt. Zurück bleiben 13.000 Tonnen Stahl, die auf ihre Verschrottung warten.
- Förderbrücke F60 im Tagebau Jänschwalde gesprengt
- Sprengung trotz Witterung durchgeführt, Bereich wurde weitläufig abgesperrt
- Sie galt als weltgrößte bewegliche Maschine der Welt
- “Abschiedsveranstaltung” durch Energieunternehmen Leag
Die Förderbrücke F60 im Tagebau Jänschwalde (Spree-Neiße) ist am Donnerstag erfolgreich gesprengt worden. Es war die erste Sprengung einer solchen Förderbrücke, von der es weltweit nur fünf Exemplare gibt. Der Vorgang sei etwas “ganz besonderes”, so der zuständige Sprengmeister Michael Schneider.
Mehr als 45 Jahre war die F60 im Tagebau Jänschwalde im Einsatz. Die Brücke war 502 Meter lang, 204 Meter breit und 80 Meter hoch. Es handelte sich um die größte bewegliche Arbeitsmaschine der Welt – sie wurde auch als “liegender Eiffelturm” bezeichnet. Etwa 3,5 Milliarden Kubikmeter Erde hat sie bewegt und laut dem Tagebau- und Kraftwerksbetreiber Leag rund 14 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr freigelegt.
Mehrere Jahre Vorbereitung – 66 Kilo Sprengstoff
Für die Sprengung wurde ein weitläufiger Sperrkreis eingerichtet – auch Drohnenflüge waren über dem Gelände nicht erlaubt. Mehrere Jahre wurde die Sprengung im ehemaligen Tagebau Jänschwalde vorbereitet. Einen ganzen Monat lang wurden für den Vorgang rund 66 Kilo Sprengstoff am Stahlkoloss angebracht.
Dabei handelte es sich laut Sprengmeister Schneider um sogenannte Schneidladungen, die bei der Explosion den Stahl wie durch einen Schnitt durchtrennen – und unabhängig von der aktuellen Witterung eingesetzt werden konnten.
Die Förderbrücke F60 nach der Sprengung. Quelle: LEAG/Andreas Friese
Tausende Tonnen Stahl werden verschrottet
13.000 Tonnen Stahl müssen nun beseitigt und verschrottet werden. Die Arbeiten sollen nach Angaben der Leag bis zum Herbst andauern. Bereits seit 2023 wird der ehemalige Tagebau in Jänschwalde renaturiert, in dem künftig drei Folgeseen entstehen sollen.
Neben der Seenlandschaft plant die Leag eine sogenannte Gigawatt-Factory im Gebiet. Durch Solar- und Windkraft soll die Lausitz damit auch in Zukunft Energieregion bleiben.
Kein leichter Abschied für Kohlekumpel
Die Leag hatte für die Sprengung eine “Abschiedsveranstaltung” ausgerichtet. Unzählige Kohlekumpel und Kommunalpolitiker haben die Explosion in der nahegelegenen Betriebsgaststätte verfolgt. Nach dem Knall herrschte dort betretende Stille.
Auch für Katrin Lösche, die 18 Jahre auf der F60 gearbeitet hatte, ist die Sprengung ein trauriger Moment. “Es ist wie eine Grabstätte”, sagte sie mit Tränen in den Augen. “Jetzt ist es zu Ende. Aber wir gucken nach vorne.”
Wie die F60 den ersten Abraum vom Kohleflöz geholt hat, das hat Kohlekumpel Karsten Möhring noch selbst miterlebt. Auch er ist traurig, blickt mit dem Ende der F60 auf sein komplettes Berufsleben zurück. Er sagte aber auch: “Dass Bergbau endlich ist und dass ein Tagebau endet, wenn er sich nicht mehr lohnt – das ist normal.” Als Kohlekumpel müsse er eben mit den aktuellen Entwicklungen leben.
Beide wollen die Zeit in der Grube dennoch nicht missen. Mit allen Tücken und Schwierigkeiten, die der Kohleabbau mit sich brachte. Viele Erinnerungen an das Arbeitsleben im Tagebau Jänschwalde wurden heute in der Betriebsgaststätte wachgerufen. Es wurden Anekdoten geteilt, aber auch Trost gespendet.
Ministerpräsident Woidke: “Danke F60”
Der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte ebenfalls die Leistung der Maschine und der Menschen, die sie bedienten und mit ihr arbeiten. Sie hätten maßgeblich zur Energieversorgung in großen Teilen Deutschlands beigetragen, sagte er im Rahmen der Veranstaltung.
Ihn selbst habe die Förderbrücke seit Kindheitstagen begleitet. “Es ist für mich heute ein sehr emotionaler Moment”, so der Ministerpräsident. Und weiter: “Danke F60, du wirst lange in unserer Erinnerung bleiben.”
Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 05.02.2026, 15:10 Uhr
