Nach langer Krise kommt die deutsche Industrie offenbar wieder auf die Beine. Die Aufträge für die Firmen nahmen im Dezember so stark zu wie seit zwei Jahren nicht mehr. Ökonomen zeigen sich positiv überrascht.
In der deutschen Industrie zeichnet sich nach langer Krise eine Trendwende ab: Im Dezember erhielten die Industrieunternehmen den vierten Monat in Folge überraschend mehr Aufträge. Die Zahl der Bestellungen stieg im Monatsvergleich saison- und kalenderbereinigt um 7,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Es ist das größte Auftragsplus für die deutsche Industrie seit Dezember 2023 – und es kommt völlig überraschend. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 2,2 Prozent gerechnet, nachdem es schon im November mit 5,7 Prozent einen kräftigen Zuwachs gegeben hatte.
Großaufträge aus dem Rüstungsbereich
Dabei sind die Inlandsaufträge mit 10,7 Prozent im Monatsvergleich deutlich stärker gestiegen als die Auslandsaufträge, die um 5,6 Prozent zulegten. Großaufträge spielten zudem erneut eine wichtige Rolle. Experten verweisen auf die zahlreichen Bestellungen aus dem Rüstungsgeschäft.
Zwar lag der Auftragseingang ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen nur um 0,9 Prozent höher als im Vormonat, doch auch hier gab es immerhin das vierte Plus in Folge. “Dies macht Hoffnung, dass die Talfahrt der Industrie erst einmal zu Ende ist”, so Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.
“Grund für Zuversicht”
Auch andere Analysten bewerteten die neuen Zahlen aus der für Deutschlands Wirtschaft so wichtigen Industrie positiv. Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sprach von einem “Auftragsboom” zum Jahresende. “Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus”, sagte der Experte. “Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht.”
Die deutsche Industrie werde in den kommenden Monaten einen Zahn zulegen, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. “Dank einer besseren Industrieproduktion wird damit auch das gesamtwirtschaftliche Wachstum deutlich Fahrt aufnehmen.” Dazu müssten allerdings die Aufträge auch zügig abgearbeitet werden, gibt der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger, zu bedenken.
Autoindustrie mit Auftragsminus
Ein Sorgenkind bleibt allerdings die Automobilindustrie: Hier ging der Auftragseingang um 6,3 Prozent im Monatsvergleich zurück. In einer Stellungnahme erklärte das Bundeswirtschaftsministerium das schwache Abschneiden mit weniger Aufträgen aus dem Ausland jenseits der Eurozone.
Für den insgesamt erfolgreichen Jahresabschluss der deutschen Industrie sorgten dagegen in erster Linie die Hersteller von Metallerzeugnissen: Hier legten die Aufträge um 30,2 Prozent zu. Die Maschinenbauer kamen auf ein Plus von 11,5 Prozent.
