Vor einem Jahr wurde gefährliches Material im Motor des Kriegsschiffes “Emden” entdeckt. Jetzt wurden ein Rumäne und ein Grieche festgenommen, denen noch weitere Sabotage-Handlungen vorgeworfen werden.
Schon kurz nach der Entdeckung hatte kaum ein Ermittler an einen Zufall geglaubt. Vor rund einem Jahr, im Januar 2025, war bei einer Kontrolle der Werft Blohm+Voss im Hamburger Hafen etwas Brisantes beim Kriegsschiff “Emden” aufgefallen. Mehrere Kilogramm Material waren in den Antrieb des Schiffes gekippt worden. Experten zufolge hätten diese einen erheblichen Schaden verursachen können.
Das Hamburger Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft hielten sich seither bedeckt. Nun teilten sie mit, dass es sich vermutlich um einen Sabotage-Fall handelt. Über diesen Verdacht hatten im vergangenen Jahr WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung erstmals berichtet.
Haftbefehle in Hamburg und Griechenland vollstreckt
Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg wurden am heutigen Dienstag zwei Tatverdächtige festgenommen – ein 37-jähriger Rumäne und ein 54-jähriger Grieche, die im Hamburger Hafen gearbeitet haben sollen. Die Haftbefehle wurden danach in Hamburg und in einem Dorf in Griechenland vollstreckt. Ihre Wohnungen in Hamburg, Rumänien und in Griechenland wurden durchsucht. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die beiden werden verdächtigt, im Jahr 2025 auf dem Werftgelände an gleich mehreren für die Bundeswehr bestimmten Korvetten Sabotagehandlungen vorgenommen zu haben. Sie sollen damals mehr als 20 Kilo Strahlkies in den Motor gekippt haben. Ihnen werden aber noch weitere Taten vorgeworfen: So sollen sie Frischwasserleitungen zerstochen haben.
Außerdem sollen sie Tankdeckel von Treibstofftanks entfernt und Sicherungsschalter der Schiffselektronik deaktiviert haben. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft hätten diese Taten “zu erheblichen Schäden an den Schiffen oder jedenfalls zu deren verspätetem Auslaufen geführt und dadurch die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland” gefährden können.
Hintergründe unklar
Über mögliche Auftraggeber machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben – dies werde im Zuge der Ermittlungen geprüft. Aktuell würden die sichergestellten Beweismittel ausgewertet.
Im vergangenen Jahr hatte es gleich mehrere Fälle von mutmaßlicher Sabotage bei der Marine in Norddeutschland gegeben. So hatte jemand auf einem Kriegsschiff der Marine Kabelbäume durchtrennt, in einem anderen Fall wurde offenbar absichtlich Altöl in das Trinkwassersystem eines Schiffs geleitet. In beiden Fällen stellten die Staatsanwaltschaften ihre Verfahren ein – nur in Hamburg beim Fall mit den Metallspänen ermittelte die Justiz weiter, machte aber bis zuletzt keine Angaben zum Stand der Ermittlungen.
Die 89 Meter lange Korvette “Emden” war im Mai 2023 getauft worden. Das Kriegsschiff soll zur Seeraumüberwachung eingesetzt werden. Diese Aufgabe ist in den vergangenen Jahren wichtiger geworden, da sich die NATO mit einer Zunahme von hybriden Angriffen durch Russland konfrontiert sieht. Westliche Sicherheitskreise sehen Russland hinter einer Vielzahl solcher Angriffe – auch wenn dies bislang nur bei einem Bruchteil der Ereignisse durch Gerichte festgestellt werden konnte. Moskau weist jegliche Einmischung immer wieder zurück.
Zahl von Sabotageversuchen hat sich erhöht
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundeskriminalamt (BKA) warnen in diesem Zusammenhang vor sogenannten “Low-Level-Agenten”, auch “Wegwerf-Agenten” genannt. Dabei handelt es sich oftmals um Kleinkriminelle oder auch bislang völlig unbescholtene Personen, die in sozialen Netzwerken angeworben und dann zu Sabotageakten angeleitet werden. Oftmals werden diese rekrutierten Attentäter per Kryptowährung für ihre Taten bezahlt. Schon für kleine Aktionen werden mehrere Hundert Euro als Prämien geboten – für die Sabotage von schwerem Kriegsgerät in NATO-Staaten sogar Zehntausende Euro.
