Viele Palästinenser wollen nach der Grenzöffnung zurück nach Gaza

Viele Palästinenser wollen nach der Grenzöffnung zurück nach Gaza

Lastwagen warten vor dem Grenzübergang Rafah auf Einfahrt in den Gazastreifen.

Stand: 03.02.2026 18:46 Uhr

Der Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen ist wieder offen. Geflohene Palästinenser hoffen darauf, in ihre Heimat zurückkehren zu können. 70.000 sollen sich bereits registriert haben – aber es ist wie eine Art Lotterie.

Moritz Behrendt

Alaa Saqallah will zurück nach Gaza: “Ich habe die Entscheidung getroffen, weil meine Mutter dort ist. Meine Mutter ist allein mit meinen Schwestern, und sie haben kein Zuhause mehr – das Haus wurde komplett zerstört. Ich muss einfach bei ihnen sein.” Für den 49-jährigen könnte es eine folgenschwere Entscheidung sein – eigentlich lebt er in den Vereinigten Arabischen Emiraten, hat sich dort ein Leben aufgebaut. Jetzt ist er nach Kairo gekommen, um sich für die Einreise nach Gaza registrieren zu lassen.

Seit Mai 2024 war die Grenze in Rafah zwischen Ägypten und dem Gazastreifen geschlossen. Jetzt ist sie wieder für den Personenverkehr geöffnet – im Prinzip in beide Richtungen. Das weckt Hoffnungen bei den Palästinensern, die es vor oder während des Krieges ins Ausland geschafft haben. Allerdings dürfen jeden Tag maximal 50 Personen in den Gazastreifen einreisen, und was sie dort erwartet, ist ungewiss.

“Lage in Gaza ist momentan katastrophal”

Im Wohnzimmer von Alaas Onkel Zaher diskutieren sie – wägen ab, ob die Risiken einer Rückkehr vertretbar sind. “Ich habe Alaa gesagt, er solle noch warten, bis sich die Lage beruhigt, aber er ist fest entschlossen”, sagt Zaher. Für ihn selbst käme eine Rückkehr noch zu früh: “Ich habe hier Arbeit und muss abwägen. Die Lage in Gaza ist momentan katastrophal: Es wird immer noch gekämpft, es gibt kaum Hilfsgüter, und der Wiederaufbau hat noch gar nicht begonnen.”

Auch er verbindet die eingeschränkte Öffnung der Grenze mit einer Hoffnung. Er möchte seinen Sohn aus dem Gazastreifen holen – zu sich, nach Kairo, in Sicherheit. “Er ist am Ende seiner Kräfte. Er hat zwei Jahre Krieg miterlebt. Ich möchte ihn hierher holen, damit er mal wieder durchatmen kann, damit er zur Ruhe kommt”, sagt Alaas Onkel. “Mehr möchte ich für ihn momentan nicht. Er soll die Sonne sehen und frische Luft atmen, ohne Angst haben zu müssen.”

Rückführung wird wohl lange dauern

Sowohl für Zahers Sohn als auch für seinen Neffen Alaa gilt: Ob Ausreise aus dem Gazastreifen oder die Einreise in den Gazastreifen klappen, ist völlig offen – es gleicht einer Lotterie. “70.000 Palästinenser haben sich in Kairo für die Rückkehr in den Gazastreifen registriert”, behauptet Ahmed Sayed Ahmed vom Ahram-Zentrum für strategische Studien – einem regierungsnahen Thinktank in Kairo. “Wenn täglich nur 50 über die Grenze dürfen, wird die Rückführung einen ziemlich großen Zeitraum in Anspruch nehmen.”

Ob die Zahlen stimmen, ist schwer zu überprüfen. Wie so vieles im Nahost-Konflikt sind auch sie mit einer Botschaft verbunden. “Ägypten will, dass die Palästinenser in Gaza leben. Israel setzt darauf, dass der Mangel an lebensnotwendigen Gütern im Gazastreifen die Palästinenser zur Flucht bewegen wird”, sagt Ahmed Sayed Ahmed.

Der Öffnung der Grenze in Rafah sollen zähe Verhandlungen vorausgegangen sein. Israel, so sagen es Diplomaten, habe darauf gedrängt, dass die Zahl der Ausreisenden deutlich höher sein sollte als die der Einreisenden. Ägypten habe mit Unterstützung Jordaniens und auch der USA dagegengehalten.

Die Frage nach anderen Wegen

Dass zunächst in beide Richtungen nur sehr wenige Menschen die Grenze passieren dürften, könnte beiden Seiten politisch entgegenkommen. Für Alaa, der unbedingt zu seiner Mutter nach Gaza möchte, heißt das, er braucht Geduld: “Ich werde warten. Ich bleibe hier, bis mein Name auf der Liste steht, und dann fahre ich sofort los.”

Bei den begrenzten Möglichkeiten der Ein- und Ausreise fragen sich viele Palästinenser, ob es nicht auch andere Wege gibt. Gerüchte machen die Runde, dass ägyptische Agenturen für mehrere tausend Dollar eine Ausreise aus dem Gazastreifen beschleunigen könnten. Ahmed Sayyed Ahmed vom Ahram-Zentrum weist das zurück. “Was den Grenzübergang Rafah betrifft, so gibt es klare Regeln und Listen, die im Voraus von ägyptischer und israelischer Seite genehmigt werden. Das schließt jegliche Manipulation aus”.

Vor Mai 2024, als die Grenze zuletzt geöffnet war, hatte es allerdings zahlreiche Berichte gegeben, dass Palästinenser hohe Summen an ägyptische Mittelsleute gezahlt haben, um aus dem Gazastreifen herauszukommen.

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