Erste Verletzte verlassen Gazastreifen über Grenzübergang Rafah

Erste Verletzte verlassen Gazastreifen über Grenzübergang Rafah

Busse stehen Schlange, um das ägyptische Tor des Grenzübergangs Rafah in den Gazastreifen zu passieren.

Stand: 02.02.2026 19:57 Uhr

Der Gaza-Grenzübergang Rafah nach Ägypten ist wieder teilweise geöffnet. Zwar durften nur einige Verletzte ausreisen – doch wächst bei vielen die Hoffnung, das Gebiet zu verlassen.

Bettina Meier

Es waren nur wenige Verletzte und Kranke, die die Erlaubnis bekamen, den Grenzübergang Rafah zwischen Gaza und Ägypten zu überqueren: einige Männer in Rollstühlen und Familienmitglieder, die in Busse steigen. Auch Bilder von Krankenwagen, die nicht über Rafah, sondern über den israelischen Grenzübergang Kerem Schalom fuhren, waren zu sehen.

Die Situation am ersten Tag der Grenzöffnung von Gaza nach Ägypten ist unübersichtlich. Mohammad Mahdi, ein Angehöriger eines Patienten, der auf der Ausreiseliste steht, erzählt:

Es fühlt sich wie ein Traum an, besonders für meinen Vater. Wir hatten die Hoffnung verloren, dass er behandelt wird. Dann haben sie uns angerufen und gesagt, dass er für eine Behandlung ausreisen kann.

Für einige wenige dürfte es sich wie ein Lottogewinn anfühlen. Allerdings sollen laut dem palästinensischen Gesundheitsministerium etwa 20.000 Verletzte auf eine Behandlung im Ausland warten, darunter Krebspatienten.

“Jeden Tag sterben Menschen hier”

Auch wenn Verletzte immer mal wieder über einen israelischen Übergang evakuiert wurden – die symbolische Öffnung von Rafah nach Ägypten weckt bei vielen die Hoffnung, aus dem Kriegsgebiet zu entkommen.

Eine Frau schreit und weint um ihr Kind, denn die Waffenruhe ist brüchig. Ein israelisches Militärschiff habe die Küste von Gaza beschossen, erzählt Omar al-Rajabaja, ein Verwandter eines zweieinhalbjährigen Kindes. Das Geschoss habe das Zelt der Familie getroffen und den Jungen getötet – trotz Waffenruhe, erzählt er.

Wenn es eine Waffenruhe geben würde, würde keiner schießen. Jeden Tag sterben Menschen hier in Chan Junis, es gibt Verletzte. Von welcher zweiten Phase der Waffenruhe sprechen die in Gottes Namen?

50 Verletzte und Familienangehörige ausgereist

Die Grenzöffnung von Rafah hat zunächst Symbolcharakter. Am ersten Tag sei 50 Verletzten und einigen Familienangehörigen die Ausreise genehmigt worden, so israelische und ägyptische Behörden. 50 Menschen dürften aus Ägypten zurück zu ihren Familien nach Gaza, heißt es. Auch für die kommenden Tage sei das vorgesehen. Die Menschen in Gaza sind skeptisch.

Skepsis herrscht auch in Israel. Am Tag der Grenzöffnung protestieren Menschen auf der Straße gegen Israels Premier Benjamin Netanjahu, der in Tel Aviv wegen Korruption vor Gericht steht. Dass Israel die Grenze in Rafah wieder öffnet, spielt keine große Rolle.

Für Demonstrant Shay Yael ist es allerdings ein Zeichen der Widersprüchlichkeit von Netanjahus Politik:

Er ist ein Verlierer – jedes Versprechen, das er im Krieg gemacht hat, hat er nicht gehalten. Jetzt lässt er die Öffnung von Rafah zu. Es ist gefährlich, das ohne eine Vereinbarung zu tun, wie die Entwaffnung der Hamas. Wenn man einen Krieg anfängt, sollte man wissen, wie man ihn beendet. Er hat nie über den Tag danach gesprochen.

“Öffnung von Rafah ein schwerer Fehler”

Das wirft ihm auch Israels Oppositionsführer Yair Lapid vor, der auf X schrieb, am Grenzübergang Rafah sei die palästinensische Autonomiebehörde vor Ort, aber die israelischen Streitkräfte nicht.

In Israel fürchten viele um Israels Sicherheit, auch der ehemalige Armeegeneral Noam Tibon:

Es macht mir Sorgen. Alle israelischen Bürger, die in die Gebiete am Gazastreifen zurückgekehrt sind, müssen sich dort sicher fühlen. Weil die Hamas noch nicht entwaffnet ist, ist die Öffnung von Rafah ein schwerer Fehler.

Der Personenverkehr soll in einem mehrstufigen Verfahren erfolgen. Ägypten soll laut den israelischen Behörden täglich eine Liste mit Namen vorlegen. Es soll strenge Sicherheitskontrollen geben, an denen auch Mitarbeiter der EU-Mission zur Unterstützung des Grenzschutzes in Rafah beteiligt sind.

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