Epstein-Skandal: Ex-Prinz Andrew immer stärker unter Druck

Epstein-Skandal: Ex-Prinz Andrew immer stärker unter Druck

Ex-Prinz Andrew

Stand: 01.02.2026 17:23 Uhr

Nach der Veröffentlichung weiterer Akten über den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gerät der ehemalige britische Prinz Andrew noch stärker in Bedrängnis. Ein weiteres mutmaßliches Opfer hat sich gemeldet.

Franziska Hoppen

Das Foto zeigt den ehemaligen Prinzen Andrew, wie er, leger in Jeans, auf allen Vieren über einer schmalen Frau kniet, die auf dem Boden liegt. Er schaut direkt in die Kamera. Die Aufnahme prangte heute auf allen Titelseiten britischer Zeitungen.

Das Datum und der Kontext des Fotos sind unklar. Doch es ist Teil der jüngst veröffentlichten Akten im Missbrauchsskandal um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Laut BBC liegt die Vermutung nahe, dass das Foto in dessen New Yorker Apartment aufgenommen wurde.

Annabel Denham von der Zeitung The Telegraph kommentiert auf Sky News: “Selbst wenn man es noch so großzügig interpretiert, würde man sagen, dass Andrew eine furchtbare Fehleinschätzung vorgenommen hat. Wie kann sich der Bruder des künftigen Königs in so einer Situation fotografieren lassen? Das deutet auf Zügellosigkeit hin, selbst wenn keine illegale Handlung, kein Verbrechen vorliegt.”

Weiteres mutmaßliches Opfer meldet sich

Immer wieder hatte der Ex-Prinz beteuert, von Epsteins Machenschaften nichts gewusst zu haben. Doch die neu veröffentlichten Dokumente könnten ihn in Erklärungsnot bringen. Mehrere hundert Mal taucht Andrews Name darin auf. Und zwar auch nachdem Epstein seine Strafe wegen Prostitution einer Minderjährigen abgesessen hatte.

2010 etwa soll der verurteilte Sexualstraftäter für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelt haben. Der Prinz soll Epstein 2010 auch in den Buckingham Palast eingeladen haben und zu seiner Geburtstagsfeier im St. James Palast. Dazu kommt: Nach dem wohl bekanntesten Epstein-Opfer Virginia Giuffre, die angab, drei Mal zu sexuellen Handlungen mit Andrew gezwungen worden zu sein – zum ersten Mal, als sie erst 17 Jahre alt war – hat sich nun eine weitere Frau mit Vorwürfen gegen Andrew gemeldet, wie ihr amerikanischer Anwalt Brad Edwards im BBC-Interview erzählt. Sie soll damals in ihren 20ern gewesen sein.

Es sei das erste Mal, dass eine Epstein-Überlebende von sexuellen Handlungen in einer königlichen Residenz spreche, sagt Anwalt Edwards: Wir reden hier von mindestens einer Frau, die von Jeffrey Epstein zu Prinz Andrew geschickt wurde und die sogar nach der Nacht mit Andrew eine Führung durch den Buckingham Palace bekam. Und wir sprechen nicht von Virginia Giuffre.”

Weitere Klage?

Giuffre hatte sich letztes Jahr das Leben genommen, nachdem sie sich mit Andrew für mehrere Millionen Pfund außergerichtlich geeinigt hatte. Edwards, der insgesamt mehr als 200 Epstein-Opfer vertritt, sagt, er überlege nun, im Namen der zweiten Frau Klage gegen den Prinzen einzureichen. Aber: “Wir haben niemanden, der im Namen von Andrew mit uns kommunizieren könnte. Er scheint keinen Kontakt mehr zu seinen Anwälten zu haben. Das war die einzige Möglichkeit, mit ihm über diese Angelegenheit zu sprechen. Wir können jetzt nur Zivilklage einreichen.”

König Charles hatte seinem Bruder Andrew letztes Jahr seine verbliebenen royalen Titel und seine Ehren entzogen, er muss aus seinem Anwesen Royal Lodge ausziehen. Doch aus Sicht von Premierminister Keir Starmer und etwa auch seines Ministers für Wohnungswesen, Steve Reed, reicht das nicht: “Wie der Premierminister sagte: Wir müssen uns auf die Frauen konzentrieren, die Opfer von Epstein und seinen Komplizen geworden sind. Und wir können ihnen helfen, indem jeder, der Einblicke oder Informationen über die Geschehnisse hat, sich meldet und aussagt.”

Andrew ist nicht der einzige Brite, dessen Name in den jüngsten Dokumenten auftaucht. Seine Ex-Frau Sarah Ferguson etwa nennt Epstein nach seinem Gefängnisaufenthalt in einer E-Mail den Bruder, den sie sich immer gewünscht habe. Und Richard Branson, Gründer des Virgin Konzerns, schrieb Epstein 2013, er würde ihn liebend gerne sehen, solange er sein Harem mitbringe.

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