Immer wieder neue Enthüllungen und immer wieder taucht Ex-Prinz Andrew auf. Nach der Veröffentlichung neuer Akten erhöht der britische Premier Starmer den Druck – und legt Andrew eine Aussage in den USA nahe.
Der britische Premierminister Keir Starmer hat dem früheren Prinzen Andrew nach neuen Enthüllungen im Fall Jeffrey Epstein erneut indirekt nahegelegt, vor einem US-Kongressausschuss auszusagen.
Er habe stets die Ansicht vertreten, dass jeder, der Informationen habe, dazu bereit sein sollte, sie in jedweder Form weiterzugeben, wenn er darum gebeten werde, erklärte Starmer. Denn man könne die Opfer nicht in den Mittelpunkt stellen, wenn man dazu nicht bereit sei.
Andrew mehrfach erwähnt
Der zum Normalbürger degradierte Andrew Mountbatten-Windsor hat eine Aufforderung des Ausschusses für Aufsicht und Rechenschaft des US-Repräsentantenhauses, sich einer “protokollierten Befragung” über seine langjährige Freundschaft mit dem gestorbenen Sexualstraftäter Epstein zu stellen und sein Wissen über dessen kriminelle Umtriebe zu teilen, bisher ignoriert.
Das US-Justizministerium hatte am Freitag mehr als drei Millionen Seiten an Ermittlungsdokumenten zu Epstein sowie Tausende Videos und Fotos veröffentlicht. In den Akten taucht Andrews Name häufig auf.
Ein E-Mail-Austausch aus dem Jahr 2010 legt nahe, dass Epstein für den damaligen Prinzen ein Abendessen mit einer 26-jährigen Russin in London arrangiert haben soll – kurz nachdem der Amerikaner eine frühere Haftstrafe abgesessen hatte.
Einblick in Mailaustausch
“Ich habe eine Freundin, mit der Sie vielleicht gern zu Abend essen würden”, schreibt Epstein an eine E-Mail-Adresse mit dem Titel “The Duke”. Dieser antwortet: “Natürlich. Ich bin bis zum Morgen des 22. in Genf, würde mich aber freuen, sie zu sehen. Wird sie eine Nachricht von Ihnen überbringen? Bitte geben Sie ihr meine Kontaktdaten, damit sie sich meldet.” Die E-Mail ist mit “A.” unterzeichnet.
Als Reaktion auf eine geschwärzte E-Mail schreibt der “The Duke” anschließend:”Großartig. Gibt es weitere Informationen über sie, die nützlich sein könnten? Zum Beispiel, was haben Sie ihr über mich erzählt, und haben Sie ihr auch meine E-Mail-Adresse gegeben?”
Epstein, dessen E-Mails häufig Tippfehler enthalten, antwortet: “Sie 26, russisch, clever, schön, vertrauenswürdig und ja, sie hat Ihre E-Mail.”
Darauf schreibt der “The Duke” zurück: “Das ging schnell! Wie geht es Ihnen? Gut, wieder frei zu sein?” Epstein antwortet: “Großartig, von vielen Dingen frei zu sein.”
Kein Blick für Sicherheitsrisiko
Die Königshausexpertin und frühere BBC-Korrespondentin Jennie Bond zeigte sich im Gespräch der BBC schockiert über die Enthüllungen. “Was hat er sich gedacht, als Epstein ihm anbot, mit einer 26-jährigen, sehr schönen Russin zu Abend zu essen?”
Und die Expertin fragt weiter “Gab es da kein Warnsignal nach dem Motto: ‘Um Himmels willen, ist das nicht ein Sicherheitsrisiko? Könnte sie eine Spionin sein? Sollte ich das tun?’ Nein. Er sagt: “Das wäre absolut reizend.”
Andrew bestreitet Vorwürfe
Epsteins wohl bekanntestes Opfer, Virginia Giuffre, gab an, mehrmals zu sexuellen Handlungen mit Andrew gezwungen worden zu sein. Die Übergriffe hätten begonnen, als sie 17 Jahre alt gewesen sei.
Andrew bestritt alle Vorwürfe, einigte sich aber in einer Zivilklage auf einen Vergleich. Der frühere Prinz hat auch erklärt, er habe von den Machenschaften Epsteins nie etwas mitbekommen. Sein Bruder, der britische König Charles III., entzog Andrew im vergangenen Jahr alle noch verbliebenen royalen Titel und Ehren.
