Nach dem Missbrauchsskandal haben Teilnehmende des Synodalen Wegs rund sechs Jahre über Lehren und Veränderungen in der Katholischen Kirche diskutiert. Die Beteiligten ziehen eine gemischte Bilanz – und sprechen von teils mangelnder Aufarbeitung.
Zum Abschluss der letzten Vollversammlung des Synodalen Wegs in Stuttgart haben Bischöfe, Ordensleute und Laien betont, dass der Reformprozess weitergeführt werden soll. Zugleich gingen die Einschätzungen auseinander, wie wirksam der bisherige Dialog und die Fortschritte bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs waren.
Zu den zentralen Beschlüssen des Synodalen Wegs gehören Forderungen nach mehr Mitbestimmung für Laien, einem Zugang von Frauen zu Weiheämtern, Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare sowie eine stärkere Missbrauchsprävention. Rund 180 Teilnehmende waren bei der abschließenden Versammlung dabei.
Weitere Reformen geplant
Das Präsidium des Synodalen Wegs zog insgesamt eine positive Bilanz. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sagte: “Es geht um Erneuerung und um Umkehr der Kirche.” Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, erinnerte daran, dass der Missbrauchsskandal Auslöser des Reformdialogs gewesen sei. Mit mehr Teilhabe und Menschenrechten könne die Kirche nun ihre Aufgaben in der Gesellschaft besser angehen, sie müsse ein Gegengewicht gegen undemokratische Tendenzen in der Welt sein.
Die Teilnehmenden erklärten, der Synodale Weg sei “alles andere als ein abgeschlossenes Projekt”. Mit der Synodalkonferenz wollen sie ein Gremium schaffen, in dem Bischöfe und Laien künftig dauerhaft gemeinsam beraten sollen. Für die katholische Kirche in Deutschland soll sie als Instrument dienen, “um dauerhaft die systemischen Dimensionen des Machtmissbrauchs zu bekämpfen.”
Ziel sei es, Partizipation, Transparenz und Rechenschaft zu sichern, Diskriminierung zu bekämpfen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern. Die Konferenz soll, nach Zustimmung der Bischöfe und des Vatikans, im November an den Start gehen.
Unmut und Enttäuschung
Zugleich wurde während der Versammlung Unmut laut. Zwischen 2020 und 2023 waren 15 Reformtexte verabschiedet worden. Ein Monitoring zur Umsetzung der Beschlüsse zeigte, dass viele Bistümer zwar erste Schritte eingeleitet haben, eine vollständige Umsetzung aber vielerorts noch aussteht. Als Gründe wurden knappe personelle und finanzielle Ressourcen genannt. Mehrere Synodale warnten vor wachsendem Frust unter Katholikinnen und Katholiken.
Johannes Norpoth, Mitglied im Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz, beklagte weiterhin bestehende massive Defizite bei der Missbrauchsaufarbeitung. Es gebe aber auch positive Effekte: “Dass wir heute hier sitzen und offen über Macht und Gewaltenteilung, über Geschlechtergerechtigkeit, über die Sexuallehre dieser Kirche und über die Lebensform des Klerus sprechen, ist keine Selbstverständlichkeit.”
Weibliche Delegierte wünschten sich vor allem weitergehende Reformen für Frauenrechte in der Kirche. Schwester Katharina Kluitmann von der Deutschen Ordensobernkonferenz sagte: “Die Frauen sind am Ende ihrer Geduld. Sie bleiben weg, selbst diese ‘knatschkatholischen’ Frauen.”
