Millionen Seiten neuer Epstein-Akten geben weitere Einblicke in das Umfeld des Sexualstraftäters. Sie dokumentieren Einladungen, Kontakte und E-Mail-Verkehr. In Erklärungsnot gerät auch US-Handelsminister Lutnick.
Neu veröffentlichte Akten im Missbrauchsskandal um den 2019 gestorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein werfen erneut ein Schlaglicht auf dessen weitreichende Kontakte. In den Dokumenten, die das US-Justizministerium freigegeben hat, tauchen zahlreiche bekannte Namen auf.
Viele Dokumente legen offenbar Details über die Verbindung zum früheren britischen Prinzen Andrew offen. Aus E-Mail-Verläufen soll demnach hervorgehen, dass der Sexualstraftäter 2010 ein Dinner für Andrew mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelt haben soll, kurz nachdem Epstein eine gut einjährige Haftstrafe wegen Prostitution Minderjähriger abgesessen hatte.
In einer Antwort mit der Signatur “HRH The Duke of York KG” und dem Buchstaben “A” unterzeichnet heißt es, Andrew sei “entzückt”, sie zu sehen.
Ist Andrew “The Invisible Man?”
Weitere Mails legen nahe, dass Epstein für Andrew auch Abendessen mit prominenten Gästen plante. Zudem wird in den Akten ein mysteriöser Kontakt namens “The Invisible Man” erwähnt, bei dem es sich laut den Unterlagen um Andrew handeln könnte.
Diskutiert wird darin unter anderem ein möglicher Aufenthalt auf Epsteins Privatinsel Little Saint James. Andrew hat stets beteuert, von Epsteins kriminellen Machenschaften nichts gewusst zu haben.
Auch Andrews frühere Ehefrau Sarah Ferguson wird in den Akten genannt. Ein Mailwechsel aus dem Jahr 2009 deutet darauf hin, dass “Sarah” Epstein freundschaftlich verbunden war. Epstein wird darin etwa als “Legende” und “Bruder, den ich mir immer gewünscht habe”, bezeichnet. Ferguson hatte bereits 2011 eingeräumt, 15.000 Pfund von Epstein angenommen zu haben und die Verbindung zu ihm bedauert.
Verbindungen zu Elon Musk und Bill Gates
Darüber hinaus soll es weitere Hinweise auf die Verbindungen zu Tech-Milliardär Elon Musk geben. Die Akten deuten an, dass Musk in regem Austausch mit Epstein gestanden hat. In einer E-Mail fragte Musk etwa “An welchem Tag oder in welcher Nacht wird es die wildeste Party auf unserer Insel geben?”
Vor einer geplanten Karibikreise 2013 schrieb Musk Epstein offenbar erneut an. “Werde über die Feiertage in der Gegend der Britischen Jungferninseln/ St. Barth sein. Gibt es einen guten Zeitpunkt für einen Besuch?” Epstein habe dann eine Einladung für die Zeit nach dem Jahreswechsel ausgesprochen.
Ob Musk tatsächlich Epsteins Privatinsel besuchte, ist bisher unklar. Musk hat wiederholt betont, dass er Annäherungsversuche Epsteins abgeblockt habe. “Epstein hat versucht, mich auf seine Insel zu locken, und ich habe ABGELEHNT”, schrieb er 2025 auf X.
In den Dokumenten werden unter anderem auch Microsoft-Gründer Bill Gates und der britische Unternehmer Richard Branson erwähnt. Gates soll mit Hilfe Epsteins außereheliche Affären gehabt haben. Seine Stiftung wies in einer Stellungnahme Behauptungen aus den Akten als “absurd und vollkommen falsch” zurück.
Kontakte zu Trump und dessen Umfeld
Auch US-Präsident Donald Trump wird in den Unterlagen vielfach genannt. In einer E-Mail aus dem Jahr 2012 fragt er etwa, was Epstein davon halte, nach Weihnachten seinen Club in Mar-a-Lago zu besuchen. Dies war einige Jahre, nachdem Trump eigenen Angaben zufolge die Freundschaft beendet hatte. Zudem findet sich eine Nachricht von Melania Trump an Epsteins Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell aus dem Jahr 2002, in der sie einen Artikel über Epstein lobt.
Handelsminister Lutnick – Widerspruch zu früheren Aussagen
Die Akten zeigen offenbar auch, dass Trumps heutiger Handelsminister Howard Lutnick engeren Kontakt zu Epstein gehabt haben soll als bisher zugegeben. E-Mails zufolge verabredeten sich die beiden im Dezember 2012 zum Mittagessen auf Epsteins Privatinsel. Lutnicks Ehefrau kündigte die Ankunft per Boot an, woraufhin Epsteins Assistentin später eine Nachricht ihres Chefs mit dem Inhalt “Schön, euch zu sehen” weiterleitete.
Dies steht im Widerspruch zu früheren Aussagen Lutnicks. Der Minister hatte im vergangenen Jahr erklärt, er habe den Kontakt zu Epstein bereits um das Jahr 2005 abgebrochen. Ein Sprecher teilte nun mit, Lutnick habe nur begrenzt Kontakt mit Epstein im Beisein seiner Frau gehabt und sei nie eines Fehlverhaltens beschuldigt worden.
Auch der frühere Trump-Berater Steve Bannon taucht in den Unterlagen auf, unter anderem im Zusammenhang mit Reiseplänen und Ideen für ein Filmprojekt.
Das US-Justizministerium veröffentlichte am Freitagabend mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten sowie Tausende Videos und Fotos. Die reine Nennung oder Abbildung in den Epstein-Akten ist kein Hinweis auf ein Fehlverhalten. Viele der bereits früher identifizierten Personen hatten eine Verstrickung in Epsteins kriminelle Machenschaften stets abgestritten.
