Der Kupferspezialist Asta Energy Solutions geht an die Börse – und kann prompt überraschen. Das Unternehmen aus Österreich macht den Anfang, mehr Börsenneulinge dürften folgen.
Der erste Börsengang des Jahres auf dem Frankfurter Parkett ist Geschichte: Neu dazugekommen ist das österreichische Unternehmen Asta Energy Solutions, das sich auf die Verarbeitung von Kupfer, insbesondere für den Energiesektor, spezialisiert hat.
Ein Jubelsturm begleitete die Verkündung des ersten Kurses: Mit 43 Euro startete die Aktie deutlich über dem Ausgabepreis von 29,50 Euro. Dabei mussten die Gäste auf dem Frankfurter Parkett die Spannung sogar länger aushalten als üblich: Weil die Nachfrage so hoch war, musste die Eröffnungsauktion verlängert werden.
“Wir sind beeindruckt”, sagt Vorstandsvorsitzender Karl Schäcke im Update Wirtschaft bei tagesschau24. Zwar habe man damit gerechnet, dass der Preis ein bisschen steigen würde. Von dem Kurssprung auf 43 Euro sei man aber “extrem überrascht”, sagt er im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.
Aktie lässt nach starkem Start nach
Schon der Ausgabewert von 29,50 Euro lag am oberen Ende der Angebotsspanne – damit kommt das Unternehmen mit 1.400 Mitarbeitern weltweit auf einen anfänglichen Börsenwert von 420 Millionen Euro. Asta Energy ist im Prime Standard gelistet, dem Marktsegment mit den höchsten Transparenzanforderungen an der Frankfurter Börse. Insgesamt wurden 6,45 Millionen Aktien auf den Markt gebracht, ein Emissionsvolumen von 190 Millionen Euro.
Bereits vor dem Börsengang hatte sich das Unternehmen die Beteiligung bekannter Investoren gesichert. Der bekannteste davon: Siemens Energy. Das Unternehmen steigt mit 25 Millionen Euro beim Kupferspezialisten ein. Der Konzern zählt zu Asta Energys größten Kunden und dürfte von dessen Expansion mitprofitieren. Nach dem starken Start gab die Aktie im Tagesverlauf allerdings nach und rutschte unter 40 Euro.
Kupfer als Treiber der Energiewende
Von dem Börsengang erhofft sich das Unternehmen, schneller wachsen zu können. Mit dem neuen Kapital gehe es zum einen darum, die Produktion auszubauen. Kupferkomponenten in Transformatoren machten momentan das Hauptgeschäft des Konzerns aus, sagt Schäcke – die seien weltweit gerade sehr gefragt.
Kupfer ist ein wichtiger Rohstoff für die Energiebranche, wird in fast allen elektrischen Geräten gebraucht: von Handys über Stromkabel bis zu Transformatoren. Sie sind ein wichtiger Bestandteil der Energieversorgung, indem sie den Transport von Strom über weite Strecken ermöglichen und die hohe Spannung am Zielort umwandeln können.
Würden die kupferbasierten Komponenten in den Transformatoren, Generatoren oder dergleichen nicht funktionieren und nicht nachhaltig das liefern, was versprochen ist, dann würde hier ein Blackout sein.
“Für unseren täglichen Bedarf brauchen wir sehr viel Strom”, sagt Dana Kallasch, CEO der Commodity Capital AG in der Schweiz. Das mache sich schon im täglichen Arbeiten bemerkbar: Die Cloud ist aus dem Berufsalltag nicht mehr wegzudenken, das Internet sowieso.
Dazu kommen Rechenzentren, sozusagen das Rückgrat – auch von Künstlicher Intelligenz. Daher sei es wichtig, dass diese Energie zuverlässig und immer fließe, sagt Kallasch. “Solche Hochleistungskupferkomponenten sind essenziell dafür.”
Unternehmen blickt auf Infrastrukturpaket
Zulauf zum Geschäft verspricht sich Vorstandsvorsitzender Schäcke daher auch vom Infrastrukturpaket der Bundesregierung, mit dem unter anderem die Energiewende voran getrieben werden. “Wir werden uns anstrengen, möglichst viel vom Kuchen abzubekommen”, sagt Schäcke. Gerade vom Austausch von Transformatoren und vom Ausbau des Netzes könne sein Unternehmen profitieren.
Neben dem Ausbau der Produktion will das Unternehmen auch seine Lieferketten stärken und in Recyclinganlagen in Europa investieren. Die Recyclingfähigkeit von Kupfer ist hoch – und die Fördermengen gehen langsam zur Neige.
Das Problem sei nicht, dass die Kupfervorkommen der Welt erschöpft seien, sagt Rohstoffexpertin Kallasch. Die Kupferminen, die es aktuell gibt, gingen aber auf das Ende ihrer Lebensdauer zu. “Das wird in den nächsten paar Jahren auch tatsächlich passieren”, sagt Kallasch. Umso wichtiger könne in Zukunft das Recycling des Metalls werden.
Gibt es 2026 mehr Börsengänge?
Asta Energy markiert den Auftakt eines Jahr, an dem voraussichtlich mehr Unternehmen an die Börse gehen werden als noch 2025 – mit nur sieben Börsengängen ein sehr zurückhaltendes Jahr. Weniger gab es zuletzt im Coronajahr 2020. Mehrere Unternehmen, die ein Listing angesagt hatten, sagten dies sogar kurzfristig wieder ab.
Zu groß war die Verunsicherung bei den Unternehmen, sagt Christoph Schalast. Er ist Professor an der Frankfurt School of Finance & Management und verweist auf das geopolitische Umfeld – Donald Trump, Zölle, Kriege und Konflikte. Obwohl sich daran kaum etwas geändert hat, rechnen er und weitere Analysten für das aktuelle Jahr aber wieder mit mehr Börsengängen.
Trump ist jetzt ein Jahr an der Macht, man hat sich an die Rahmenbedingungen gewöhnt, die Trump mit seiner neuen Amtszeit gesetzt hat, und die Börsen haben sich sehr, sehr gut entwickelt.
Das alles seien Gründe, die für Börsengänge sprechen würden, sagt Schalast. Deutlich mehr als im vergangenen Jahr dürften es dennoch nicht werden: Mit zehn rechnet der Professor für die Börse in Frankfurt.
Dabei dürften zwei Trends im Fokus stehen: Ein Dauerbrenner sei die Verteidigungsbranche – erst vergangene Woche ging an der Amsterdamer Börse mit dem Konzern CSG ein Schwergewicht aus Tschechien an den Start. Aber auch Asta Energy stehe für einen Trend, der das Jahr prägen könnte: “Das sind ganz zentralen Zukunftsthemen”, sagt der Experte.
