Dollar-Absturz: Wie Trump die Weltreservewährung unter Druck setzt

Dollar-Absturz: Wie Trump die Weltreservewährung unter Druck setzt

Die Aufschrift "Dollar" auf Dollarscheinen.


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Stand: 30.01.2026 08:09 Uhr

Der Verfall der Weltreservewährung Dollar hat sich rasant beschleunigt. Welche Rolle dabei Trump spielt, wie riskant das für Wirtschaft und Finanzmärkte ist – und wie davon Gold profitiert.

Angela Göpfert

Was ist da gerade beim Dollar los?

Der Dollar notiert aktuell so niedrig wie seit vier Jahren nicht mehr. Binnen zwölf Monaten ist die US-Devise um über zehn Prozent gefallen, zuletzt hatte sich der Dollar-Verfall rasant beschleunigt: Am Dienstag rauschte der Greenback gegenüber einem Währungskorb um 1,3 Prozent nach unten. Es war größte Tagesverlust seit April letzten Jahres, als Trump seine weitreichenden Zollpläne ankündigte und damit einen weltweiten Ausverkauf an den Finanzmärkten auslöste.

Seit dem Kursrutsch am Dienstag konnte der Dollar keinen nennenswerten Boden gutmachen. Im Gegenzug gewann auch der Euro zum Dollar massiv an Wert: Erstmals seit vier Jahren übersprang die europäische Gemeinschaftswährung die Marke von 1,20 Dollar.

Was hat das mit Trump zu tun?

“Dem Dollar geht es großartig” – das war die Antwort von Donald Trump auf die Frage eines Journalisten zur anhaltenden Dollar-Schwäche. Damit gab der US-Präsident dem Greenback Anfang der Woche den letzten Stoß, um den Euro-Dollar-Kurs über die Marke von 1,20 Dollar zu katapultieren.

Überhaupt machen Devisen-Experten in erster Linie die immer unberechenbare Politik Trumps – inklusive der Diskussionen rund um Grönland und der Zwischenfälle in Minneapolis – für den jüngsten Kursrutsch des Dollar verantwortlich.

Hinzu kommen die wiederholten Angriffe Trumps auf die Unabhängigkeit der Notenbank Federal Reserve (Fed) – und die wachsende Schuldenlast der USA. Diese beträgt aktuell mehr als 38 Billionen Dollar. Das übertrifft sogar die Wirtschaftsleistung: Die Schuldenquote liegt bei mehr als 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts: Das ist einer der höchsten Werte weltweit.

Was bedeutet ein schwacher Dollar für die US-Wirtschaft?

Ein schwacher Dollar wirkt wie ein zusätzlicher Zoll auf Importe in die USA, er verteuert sie. Der Trumpschen Logik nach soll das die heimische Wirtschaft stärken, weil Verbraucher dann angeblich mehr Waren aus den USA nachfragten. Zudem sei ein schwacher Dollar vorteilhaft für die US-Exportwirtschaft. Allerdings machen Exporte gerade einmal rund elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA aus.

Dagegen sind die USA auf Einfuhren aus dem Ausland angewiesen. Ein schwacher Dollar führt daher mittel- bis langfristig zu einer höheren (importierten) Inflation. Das würde nicht nur die Verbraucher in den USA hart treffen, sondern könnte auch die Notenbank Fed zu Zinserhöhungen veranlassen. Ein schwacher Dollar begünstigt also just jenes Szenario, das Trump unbedingt vermeiden möchte.

Wie sieht es mit den Folgen für die deutsche Wirtschaft aus?

Wenn der Dollar fällt, wird der Euro im Gegenzug teurer. Binnen zwölf Monaten steht beim Euro nun ein Plus von 15 Prozent zum Dollar zu Buche. Ein starker Euro verteuert deutsche Produkte im Ausland – und drückt damit die Nachfrage.

Deutsche Exporteure sind bereits alarmiert. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, der schwache Dollar sei für die deutsche Exportwirtschaft “eine erhebliche zusätzliche Last”. Deutschland ist eine der offensten Volkswirtschaften der Welt: Die Exportquote betrug zuletzt über 40 Prozent des BIP.

Und was heißt das für Verbraucher in Deutschland?

Für deutsche Verbraucher ist der schwache Dollar erst einmal eine positive Nachricht – und das nicht nur für USA-Urlauber. Elektronik, Kleidung oder andere Waren, die aus dem Dollar-Raum importiert werden, verbilligen sich tendenziell, kann man doch für einen Euro mehr kaufen.

Auch an der Tankstelle macht sich das positiv bemerkbar, schließlich wird Rohöl an den Rohstoffmärkten in Dollar gehandelt: Steigt der Euro/Dollar-Kurs, so führt dies zu Preissenkungen (in Euro) der in Dollar gehandelten Rohstoffe.

Das führt zu einem sinkenden Inflationsdruck im Euroraum, was den Spielraum der Europäischen Zentralbank (EZB) für Zinssenkungen erweitert, wovon wiederum Kreditnehmer und Immobilienkäufer profitieren.

Warum ist der rasante Dollar-Verfall so gefährlich?

Das hat mit der besonderen Rolle des Dollar als Weltreservewährung zu tun. Zentralbanken, Staaten und internationale Institutionen halten einen großen Teil ihrer Währungsreserven in Dollar; der Anteil des Dollar an den globalen Devisenreserven betrug zuletzt knapp 58 Prozent. Zum Vergleich: Der Euro als zweitwichtigste Reservewährung kommt auf rund 20 Prozent.

Ein ungebremster Verfall des Dollar hat somit das Potenzial, die Stabilität des globalen Finanzsystems zu gefährden. Marktexperten sind alarmiert. “Es besteht das Risiko, dass die Märkte die Rolle des US-Dollars als globale Reservewährung infrage stellen”, warnte erst in dieser Woche Mark Branson, Chef der deutschen Börsenaufsicht BaFin.

Dabei hätte ein Ende des Dollars als Weltreservewährung auch für die USA selbst dramatische Konsequenzen: Die bislang so einfache Refinanzierung der gigantischen US-Staatsschulden an den Finanzmärkten stünde damit vor dem Aus. Die USA könnten sich nicht mehr unbeschränkt Geld borgen – dabei sind sie darauf dringend angewiesen.

Wohin fliehen die Anleger?

Der Dollar-Verfall hat die Flucht der Anleger in “sichere Häfen” beschleunigt. So hat etwa der Schweizer Franken in dieser Woche gegenüber dem Dollar den höchsten Stand seit über einem Jahrzehnt erreicht. Auch Edelmetalle sind gefragt wie nie: Gold knackte in dieser Woche die Marke von 5.000 Dollar, Silber ist erstmals mehr als 100 Dollar wert. Binnen nur fünf Tagen legte Gold um über zehn Prozent zu, seit Trumps zweiter Amtseinführung hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt.

Die ersten Experten warnen bereits davor, dass Trumps Politik und der damit einhergehende Dollar-Verfall nun dazu führen könnten, dass das Vertrauen in Papiergeld generell schwindet. Der extreme Anstieg bei Gold und Silber ist jedenfalls ein Fingerzeig in diese Richtung. Und ein beunruhigender zugleich: Denn Vertrauen ist an den Finanzmärkten schnell verspielt – aber nur schwer wieder zurückzugewinnen.

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