Verbände fordern Gesetz zum Schutz von Barzahlungen

Verbände fordern Gesetz zum Schutz von Barzahlungen

Eine Kundin bezahlt ihren Einkauf auf einem Wochenmarkt mit Bargeld.

Stand: 29.01.2026 14:38 Uhr

Bargeldloses Bezahlen ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch – aber nicht für jedermann. Jetzt fordern Verbraucher- und Sozialverbände, das Recht auf Barzahlung gesetzlich festzuschreiben.

Verbraucher- und Sozialverbände in Deutschland melden sich mit einem Appell an den Gesetzgeber zu Wort: Sie fordern vom Bund, stärkere Absicherungen für unproblematische Bezahlmöglichkeiten mit Bargeld gesetzlich abzusichern.

“Es soll sicherstellen, dass Bargeld grundsätzlich als Zahlungsmittel akzeptiert wird und dass alle Menschen kostenfrei und barrierefrei in angemessener Nähe Zugang zu Bargeld haben – sei es über Geldautomaten oder andere Lösungen”, heißt es konkret in dem Aufruf von insgesamt 14 Organisationen.

Für Händler wird Bargeld-Service immer teurer

Hinter dem Aufruf stehen unter anderem der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Paritätische Gesamtverband, der Sozialverband VdK, die Arbeiterwohlfahrt und die Sozialdienste der evangelischen und katholischen Kirche, Diakonie und Caritas. Darunter sind auch das Deutsche Kinderhilfswerk, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen sowie Verbände der Schaustellerbranche und das Bäckerhandwerk.

Ob Bezahlen an neuen SB-Scannerkassen im Supermarkt, die zunehmende Suche nach einem Geldautomaten in der Nähe oder die Akzeptanz im Handel: Barzahlung ist zwar weiter möglich, aber die Selbstverständlichkeit früherer Tage schwindet. Handelsverbände verweisen zwar darauf, dass Barzahlung fast überall möglich ist; für die Händler wird dieser Service aber immer teurer.

Skandinavien zeigt, was kommen könnte

Dass die Diskussion über das Bargeld alles andere als theoretisch ist, zeigt das Beispiel Skandinavien. Dort ist Barzahlung kaum noch üblich. Viele Geschäfte oder Restaurants akzeptieren gar keine Barzahlung mehr, Geldautomaten wurden massiv abgebaut.

In Schweden erfolgen rund 80 Prozent der Käufe digital. Bargeld wird nur noch für Notfälle empfohlen, etwa wenn Computersysteme ausfallen. Ein Szenario, vor dem die Verbraucher- und Sozialverbände warnen: Denn viele soziale Strukturen drohen mit der Abschaffung von Bargeld ebenfalls verloren zu gehen. Vom Schüler-Flohmarkt bis zum Vereinsfest, ohne Bargeld ist das kaum noch möglich.

Bundesbank sichert die Versorgung

In Deutschland sichert die Deutsche Bundesbank die Versorgung mit Bargeld. Zwar werde Bargeld aktuell meistens noch im Handel, für Dienstleistungen oder in Behörden akzeptiert, aber die Akzeptanz nehme immer weiter ab, lautet das Ergebnis einer jüngsten Untersuchung der Bank.

In Deutschland herrscht Annahmezwang, es sei denn, Ausnahmeregelungen werden kommuniziert, etwa im Handel. Es gibt keine gesetzliche Grenze für Barzahlungen, aber ab 10.000 Euro müssen sich Käufer ausweisen und die Herkunft des Geldes nachweisen (Geldwäschegesetz). Barzahlung ist sogar Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts laut Artikel 2 des Grundgesetzes.

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