Heeresinspekteur wirbt nach Skandal ausdrücklich um Frauen

Heeresinspekteur wirbt nach Skandal ausdrücklich um Frauen

Hinter Boris Pistorius (SPD, l), Bundesminister der Verteidigung, steht Brigadegeneral Christian Freuding, bisher Leiter Sonderstab Ukraine (Archivbild).

Stand: 29.01.2026 15:06 Uhr

Trotz der Vorwürfe gegen Fallschirmjäger in Zweibrücken wirbt der Chef des Heeres, General Freuding, ausdrücklich um Frauen für die Bundeswehr. Mit einem Aktionsplan will er einen Kulturwandel einleiten.

Uli Hauck

Hitlergrüße, eine Nazi-Party, Frauenhass und Exhibitionismus – die Vorfälle bei den Fallschirmjägern im rheinland-pfälzischen Zweibrücken sind gravierend. Die Aufarbeitung der Fälle in der Luftlandebrigade 1 soll laut Heeresinspekteur Christian Freuding zügig vorangehen – internes Ziel sei bis Anfang April. Derzeit würden noch Mobiltelefone und andere mobile Endgeräte forensisch untersucht, deshalb könne er nicht abschätzen, “wie lange der endgültige Abschluss dauern wird und ob es noch weitere Konsequenzen geben wird”.

Im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio machte der Inspekteur des Heeres nun deutlich, dass es für die erhobenen Vorwürfe von Zweibrücken keinerlei Toleranz gebe. Elf Soldaten seien bereits entlassen worden, weitere disziplinar‑ und strafrechtliche Verfahren liefen.

Trotz der Fälle von Frauenhass und sexualisierten Übergriffen in Zweibrücken ist sich Freuding sicher: Er kann Frauen derzeit empfehlen, zur Bundeswehr zu gehen, und zwar “aus voller Überzeugung”. Schließlich brauche man die Qualifikationen, die Talente von jungen Frauen – auch in den Streitkräften. Die Art und Weise, wie mit den Vorwürfen bei den Fallschirmjägern jetzt umgegangen werde, solle zeigen, “dass jede und jeder in den Streitkräften geschützt ist”.

Chef des Heeres plant neue Strukturen

Gestern hatte Freuding einen “Aktionsplan Luftlandetruppe” vorgestellt. Er soll einen Kulturwandel einleiten und auch strukturelle Änderungen ermöglichen, um die Führung und Kontrolle der Truppe zu verbessern, beispielsweise was die Größe von Einheiten angeht.

Nach Ansicht des Heeresinspekteurs gibt es zu viele Untereinheiten. “Wir sprechen im Moment bei einem Regiment von ungefähr 1.800 Männern und Frauen in elf Kompanien an unterschiedlichen Standorten”, sagt Freuding. “Jeder Organisationswissenschaftler wird Ihnen sagen, elf Untereinheiten zu führen, ist nahezu unmöglich und da haben wir einen sehr kritischen Blick darauf.”

Insgesamt seien vier Handlungsfelder geplant – darunter Beobachtungsbesuche, strukturelle Maßnahmen, verstärkte Prävention und Resilienz sowie Änderungen bei den militärischen Werdegängen.

Zu engmaschigen Kontrollen gegen Drogenmissbrauch sagte Freuding: “Wir werden sicherlich nach der Vielzahl von Vorgängen da ein besonderes Augenmerk darauf legen und auch hier wieder: Prävention muss im Vordergrund stehen.”

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 19 Soldaten

Die Strukturreform soll im ersten Halbjahr veröffentlicht werden. Eine Neuaufstellung der Fallschirmjäger dürfte ein Teil davon sein. Ende des Jahres soll es dann eine umfassende Überprüfung der Maßnahmen geben. Bis dahin soll es mindestens quartalsweise ein “Jour Fixe Luftlandetruppe” der militärischen Führung geben.

Die Vorfälle bei den Fallschirmjägern waren durch Eingaben bei der damaligen Wehrbeauftragten Eva Högl (SPD) bekannt geworden. Nach dem Stand der Untersuchung werde von 55 Beschuldigten im Fallschirmjägerregiment 26 ausgegangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 19 Soldaten.

Luftlandebrigade “der am schnellsten verfügbare Großverband”

In seinem Aktionsplan weist der Heeresinspekteur auch auf die Bedeutung der Luftlandebrigade 1 hin. “Sie ist der am schnellsten verfügbare Großverband der Bundeswehr für krisenhafte Entwicklungen im Ausland. Mögliche Einsatzszenarien sind vielfältig und reichen von einer schnellen Anfangsoperation oder einer Operation gegen irreguläre Kräfte über militärische Evakuierungsoperationen bis hin zu einer Operation in der Tiefe”, heißt es.

Gleichzeitig stehe die Brigade für humanitäre Einsätze nach Naturkatastrophen, für Stabilisierungsoperationen oder Operationen hoher Intensität im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung bereit.

Mit Blick auf die NATO kündigt General Freuding grundsätzlich an: “Ja, wir werden unsere Strukturen des Heeres anpassen an die Verteidigungspläne der NATO und da werden wir auch das, was wir Infanterie nennen, also Jägertruppe, Gebirgsjägertruppe, Fallschirmjägertruppe, auch die werden da in diese Aufgabenkritik mit einbezogen.”

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *