Nach den Verhandlungen in Abu Dhabi sprechen sowohl die Ukraine als auch Russland von “konstruktiven” Gesprächen – und bald könnte es ein neues Treffen geben. Klar ist aber auch: Ein schneller Durchbruch ist nicht in Sicht.
Offiziell sind die zweitägigen Ukraine-Verhandlungen in Abu Dhabi ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen – dennoch sind auf ukrainischer Seite leicht positive Töne zu vernehmen. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von “konstruktiven” Gesprächen, die in einem guten Format stattgefunden hätten.
Letzteren Aspekt betonte auch der ukrainische Politologe Wadym Denyssenko: “Zum ersten Mal ist eine einflussreiche russische Delegation angereist, die tatsächlich ein Mandat hat”, sagte er im Sender Radio NV. “Deren Leiter ist eine relevante Person im Umfeld Wladimir Putins, dessen Berichte sich Putin wohl mindestens einmal pro Woche anhört.”
Teilnehmer der ukrainischen Delegation äußerten sich gegenüber dem ARD-Studio Kiew ähnlich. Im Gegensatz zu vorherigen Gesprächen in Istanbul gebe es eine andere inhaltliche Qualität. Mit der russischen Delegation unter Leitung von Admiral Igor Kostjukow sei ein sachlicher Austausch möglich. Eine Frage sei aber, hieß es einschränkend, welche Botschaft die Verhandler Präsident Putin übermitteln würden.
Kein zeitnaher Durchbruch zu erwarten
Politologe Denyssenko mutmaßte, dass es Moskau um zwei Mindestaspekte gehe: “Einerseits geht es um Territorien. Der zweite Teil ist die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland. Diese Punkte sind für Putin die Grundlage für Verhandlungen. Ohne deren Lösung glaube ich nicht, dass ein Ende des Krieges auch nur theoretisch möglich ist.” Auch die ukrainische Delegation ließ durchblicken, dass ein zeitnaher diplomatischer Durchbruch kaum zu erwarten ist.
Ähnliches hieß es aus Russland. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, die Gespräche seien “konstruktiv” gewesen, was als “positiv eingeschätzt werden” könne. Zum Inhalt äußert er sich bedeckt, sagte aber auch: “Es wäre falsch, mit hohen Ergebnissen nach den ersten Kontakten zu rechnen. Es handelt sich um eine komplexe Materie. Auf der Agenda stehen komplizierte Fragen.” Nun stehe viel Arbeit bevor.
Die russische Tageszeitung Kommersant sprach davon, dass das Treffen in Abu Dhabi in jedem Fall ein Schritt nach vorn gewesen sei. Das Format hätte Vorteile: So seien die Delegationen in thematische Gruppen aufgeteilt worden, besprachen sich separat und kehrten anschließend in die allgemeinen Diskussionen zurück. Auch die Anwesenheit der Amerikaner sei ein Vorteil.
Peskow betont “Formel von Anchorage”
DIe Moskauer Tageszeitung Nesawissimaja Gazeta merkte an, dass das zweitägige Treffen mit einem gemeinsamen Essen endete. Die Schlüsselfrage einer friedlichen Beilegung sei nun die territoriale, hieß es weiter: Wer werde was unter welchen Bedingungen kontrollieren?
In der Gebietsfrage sei die russische Position “sehr gut bekannt”, sagte Kremlsprecher Peskow dazu. Er verwies erneut auf eine angebliche “Formel von Anchorage”, in der Russlands Interessen festgelegt seien. Dies bezieht sich auf das Gipfeltreffen von US-Präsident Donald Trump und Putin im August 2025 in Alaska. Zu einer Einigung wurde damals nichts mitgeteilt, gesprochen wurde aber über russische Gebietsansprüche.
In den kommenden Tagen könnte es in Abu Dhabi die nächste Gesprächsrunde geben. Laut Medienberichten sollen die trilateralen Verhandlungen am 1. Februar fortgesetzt werden. Der Kreml bestätigt das Datum nicht, sprach aber von “kommender Woche”. Auch der US-Gesandte Steve Witkoff hatte zuvor erklärt, es gebe Pläne, die Verhandlungen bald fortzusetzen.
Wadephul kritisiert fehlende Kompromissbereitschaft
Bundesaußenminister Johann Wadephul kritisierte unterdessen eine fehlende Kompromissbereitschaft Russlands. Nach den Gesprächen habe er hauptsächlich “ein stures Beharren Russlands in der entscheidenden territorialen Frage” vernommen, sagte der CDU-Politiker während eines Besuchs in Lettland.
Die Voraussetzung für einen belastbaren Friedensschluss zwischen der Ukraine und Russland sei, “dass Russland überhaupt eine Bereitschaft zum Friedensschluss” zeige. Wenn von Seiten Russlands “keine Beweglichkeit vorhanden ist, habe ich die Befürchtung, dass die Verhandlungen noch lange dauern können”, so Wadephul.
Mit Informationen von Lilia Becker, ARD Moskau, und Peter Sawicki, ARD Kiew
